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Verlauf:
Nefru-sobek (Königin 12. Dyn.)
Sobek-nofru Sebek-ka-Re (Königin, 12. Dyn)
Hawara (Ort)
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  Amenemhat III Ni-maat-Rê (König, 12. Dyn)
um 1.953 - um 1.805 v. Chr.
Jmn-m-HAt  (Amenemhat III, auch Amenemhet III, bei Manetho: Lamares, Ameres)

Zeichnung: ©Erika Schott

  • Eigenname: Jmn-m-HAt  (Amenemhat)
  • Thronname: Nj-MAat-Ra  (Ni-Maat-Rê)
  • Horusname: aA-bAw  (Aa-bau)
  • Nebtiname: jTj-jwat-tAwj   (Itj-juat-taui)
  • Goldnamen: Bjk-nbw wAH-anx  (Bik-nebu Wah-anch)

Über die familiären Verhältnisse des Königs ist wenig bekannt, doch war er sicherlich der Sohn von --> Senusret III. Seine Mutter ist unbekannt. Gemahlinnen sind eine Königin   --> Aat und eine Chenmet-hedjet-Chnument, die beide schon früh in seiner Regierungszeit verstarben. Eine weitere Gemahlin war wohl Hetepti, die die Mutter des Thronfolgers --> Amenemhat IV war.  Als Kinder sind vor allem die Töchter Neferu-Ptah und Neferu-Sobek zu nennen.

Amenemhat III scheint vor allem das vollendet zu haben, was sein Vater Senusret III begonnen hatte. Das Fayjum wurde unter seiner Regierungszeit endgültig fruchtbar gemacht; das Land wurde nun auch total zentralisiert, was vor allem am Verschwinden der grossen Provinzialgrabanlagen sichtbar ist.

Schon zu Beginn seiner Regierungszeit, die wohl eine 19 Jahre dauernde Koregentschaft mit seinem Vater Senusret III einschloss, scheint der Herrscher mit dem Bau seiner Pyramide in --> Dahschur begonnen zu haben: bereits im 2. Jahr begann er mir dem Bau der Pyramide "Amenemhet ist schön", die zweite Pyramide entstand später in --> Hawara im Fayjum.

Aus der Regierungszeit des Königs sind zahlreiche Expeditionsinschriften bekannt, die sicherlich dazu dienten Material für die kgl Bauvorhaben herbeizuschaffen. Ansonsten scheint der König nicht viel im Land gebaut zu haben. In Medinet Maadi steht der heute noch der einzige vollkommen erhaltene Tempel des Mittleren Reiches, der von Amenemhat III begonnen, von seinem Sohn Amenemhat IV beendet wurde. Bei Biamuh (Fayum) errichtete der Herrscher zwei Kollosalfiguren, deren Sockel noch heute zu sehen sind. Weitere Bauten sind in Bubastis (ein Palast), --> Abydos und anderen Orten bezeugt. Im 30. Regierungsjahr feierte der Herrscher sein Sed-Fest.

Der Herrscher starb nach einer ca. 45 Jahre dauernden Regierungszeit und wurde sicherlich in seiner Pyramide in Hawara bestattet. In der selben Grabkammer ist auch die Bestattung der Prinzessin Neferu-Ptah angelegt worden, deren ungeplündertes Grab jedoch ca. 2km entfernt gefunden wurde. Anscheinend starb der Herrscher früher als sie und es konnte und wollte niemand die Pyramide wiederholt öffnen um die Königstochter dort beizusetzen. Amenemhat III scheint auch einige Jahre zusammen mit seinem Sohn Amenemhat IV regiert zu haben.

Der Hofstaat des Königs ist wenig bekannt, was vor allem wohl daran liegt, dass die Grabanlagen der hohen Beamten in Hawara stark zerstört und wenig ergraben sind. Der einzige in seine Regierungszeit sicher datierbare Wesir ist Cheti, der auch noch im Grab des Rechmire (18. Dynastie) erwähnt wird und deshalb wohl eine besonders herausragende Persönlichkeit gewesen zu sein scheint.

Die Dahschur-Pyramide hatte ein Basismaß von 105 m und wäre bei einem Neigungswinkel von 57° 15´ 50" zirka 75 Meter hoch geworden, und damit die sechsthöchste der ägyptischen Pyramiden insgesamt sowie die höchste ägyptische Pyramide, die nach der Zeit des Alten Reiches erbaut wurde.
Der Pyramidenkomplex wurde von Jaques de Morgan in den Jahren 1894/95 untersucht, danach grub Dieter Arnold 1976 bis 1983 weiter im Bezirk.
Der Kern der Pyramide besteht ganz aus Lehmziegeln ohne Stützmauern. Der Außenverkleidung bestand aus Tura-Kalkstein und ist heute verloren. Witterungs- und Umwelteinflüsse sind schuld an dem heute so skurrilen Aussehen des Bauwerks.
Im Jahr 1900 wurde im Schutt das Pyramidion gefunden: der gute Zustand der Pyramidenspitze läßt vermuten, dass sie nie aufgesetzt wurde.

(Foto: © chufu.de/Anke Klein)

Die Pyramide besitzt zwei Eingänge, beide an den Südenden der Ostseite und der Westseite. Sie führen zu zahlreichen Kammern, Gängen und Treppen sowie einigen Grabkammern. Mit dieser Konstruktion ist Amenemhet III König --> Djoser aus der 3. Dynastie gefolgt, denn nur seine Pyramide weist eine so komplizierte Substruktur auf.
Neben der nie benutzten Grabkammer des Königs sind wahrscheinlich zwei Pyramiden für Königinnen mit ihren Grabkammern, Kanopennischen und Ka-Kapellen komplett in das Bauwerk integriert worden. Beide Königinnenkammern wurden benutzt: die westliche für die Königin Aat; der Name der anderen Königin ist verloren. Die Mumienreste der Königinnen lassen auf ein Sterbealter von 35 bzw. 25 Jahren schließen. Insgesamt sechs Bestattungen fand man in der Pyramide, darunter zwei aus der Zeit des Amenemhet IV, der nach Arnold die Pyramide wieder hat öffnen lassen.

Bereits kurz vor Fertigstellung der Pyramide wurden gravierende Baumängel sichtbar, die den König zum Bau der zweiten Pyramide veranlasst haben: der Bodengrund war instabil, zu viele Räume und Korridore sowie eine mangelhafte Deckenkonstruktion ließ das Bauwerk unter das Pflaster des Hofes absacken. Durch Zedernbalken und Mauern aus Lehmziegeln wurde versucht, den Druck aufzufangen und Risse zu kaschieren.

Der Pyramidenbezirk war in Ost-West-Richtung orientiert. Wie üblich war der Pyramide der Totentempel, Aufweg und Taltempel vorgelagert. Der Totentempel ist völlig zerstört, der Taltempel bestand aus zwei Höfen mit aufsteigenden Terrassen.
Im Norden der Außenumfassung befinden sich 10 Schachtgräber aus der 13. Dynastie. Hier wurden einhundert Jahre später König --> Hor und eine Prinzessin --> Nub-hetepti-chered beigesetzt.



Die Hawara-Pyramide

(Foto: © chufu.de/Anke Klein)

Die Pyramide
In seinem 15. Regierungsjahr begann König Amenemhat III mit dem Bau seiner zweiten Pyramide, die wohl den Namen "Amenemhat anch" (Amenemhet lebt) erhielt. Mit diesem Bau kehrte er an den Eingang des Fayjum zurück, in die Nähe der Sesostris-II-Pyramide. Die Gründe für den Bau seiner zweiten Pyramide waren Baumängel an seiner ersten Pyramide in Dahschur. Mit einer Seitenlänge von 105 Metern, einer Neigung von 48° 45´ hatte sie eine Höhe von 58 Metern und somit war die dort erbaute Pyramide das letzte große Bauwerk dieser Art. Auch dieses Grabmal wurde ganz aus Lehmziegeln errichtet, allerdings mit einem flacheren Böschungswinkel. Der Außenmantel bestand wie üblich aus Kalkstein. Die ursprüngliche Kalksteinverkleidung fehlt schon seit der Antike, und der Pyramidenkern leidet zunehmend an der Erosion.

Die Substruktur
Im Jahr 1843 erforschte Karl Richard Lepsius als erster die Pyramide, identifizierte den Totentempel als das Labyrinth und ordnete den Komplex dem Amenemhet III zu. Die Grabkammer fand er nicht. In den Jahren 1888 – 89 erforschte der englische Archäologe Flinders Petrie die Substruktur der Pyramide Amenemhets. Der Eingang befindet sich westlich versetzt auf der Südseite, doch er ist mittlerweile verschüttet. Eine Treppe führt ca. 40 m in die Tiefe und mündet in in eine kleine Kammer, von der ein kurzer Gang abgeht, der als Sackgasse endet. Im oberen Teil dieser Sackgasse verbirgt sich der Eingang zu einer weiteren Passage, die von einer 20 t schweren Granitsperre blockiert werden sollte. Hinter dieser befindet sich eine weitere Kammer, von der zwei Gänge abzweigen. Der erste Gang führt direkt Richtung Norden und setzte dem Forschertrieb im Wasser und Schlamm ein Ende. Der zweite Gang führt nach Osten in Richtung Zentrum der Pyramide und endet in einer weiteren Kammer. Wiederum in der Decke verborgen und mit einem Fallstein versehen biegt der Gang nun wieder nach Norden ab. In der Nordost-Ecke folgt die gleiche Konstruktion noch einmal, allerdings ist hier der Gang durch die Sperre verschlossen worden. Hinter dieser Sperre geht es weiter zur Vorkammer, in deren Südwand eine Vertiefung zur eigentlichen Grabkammer führt.

Petrie entdeckte den königlichen Quarzitsarkophag in Gestalt einer Wanne von 7 x 2,5 x 1,83 m, aus einem einzigen Block gehauen mit einem Gewicht von ca. 110 t. Der Sarkophag, zwei Kanopentruhen sowie ein kleinerer Sarkophag sind vor Fertigstellung der Grabkammer eingebracht worden. Obwohl die Grabkammer bei der Auffindung unter Wasser stand, berichtet Petrie von Knochenfunden in den Särgen. In der Vorkammer wurde eine Opferplatte aus Alabaster gefunden, mit Hinweisen auf eine Prinzessin Neferu-Ptah, die man dann auch für die Besitzerin des zweiten Sarkophages gehalten hat. Die Grabkammer war so konstruiert, dass sie nur einmal verschlossen werden konnte mittels einer Sand-Ablass-Vorrichtung, mit der die mächtige Quarzitplatte auf die Kammer abgesenkt wurde.

Der Pyramidenbezirk
Ähnlich wie bei der Djoser-Pyramide in der 3. Dynastie befindet sich die Hawara-Pyramide in einem rechteckigen Pyramidenbezirk von 385 m Länge und 158 m Breite, der nord-südlich angelegt war. Im nördlichen Teil stand die Pyramide, der Eingang zum Bezirk befand sich an der süd-östlichen Ecke des Hofes, wo auch der Aufweg endete. Zwischen Eingang und Pyramide befand sich ein Totentempel, der einmalig gewesen sein muss. Der griechische Geograph Strabon (63 - 20 v. Chr.) hat ihn ausführlich beschrieben und als Weltwunder gepriesen. Er verglich die über 1500 Räume mit dem Labyrinth des Minos. Seit der Römerzeit diente der Totentempel leider als Steinbruch, sodass heute nur noch die Fundamente zu erkennen sind. Herodot sprach von überdeckten Höfen, Plinius d. Ä. erkannte tieferliegende Räume. Im Laufe der von Petrie durchgeführten Ausgrabungen kamen an der Südseite der Pyramide die Reste zweier aus Granit errichteter Kapellen zu Tage, von denen jede zwei Skulpturen des Königs enthielt. Zahlreiche Fragmente von Statuen zeugen von einer ehemals prächtigen Ausstattung.

Im Südwesten der Pyramide entdeckte man 1956 das Grab der Prinzessin Neferu-Ptah. In ihm befanden sich neben dem Granitsarkophag kostbare Grabbeigaben. Durch diesen Fund wird allerdings die Grablage der Neferu-Ptah innerhalb der Sargkammer der Pyramide wieder in Frage gestellt.




Quelle:
Shaw, I., Oxford History of Ancient Egypt, Oxford 2000
Stadelmann, R., Die ägyptischen Pyramiden. Darmstadt 1997
Lehner, M., Das erste Weltwunder, Düsseldorf. München 1997
Verner, M., Die Pyramiden. Hamburg 1998

Eingestellt durch: Udimu (02.09.2003)
Bearbeitet durch:  semataui (22.09.2006), Iufaa (10.04.2005), Udimu (30.04.2005), chufu (06.02.2006)




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