Ägyptologie Forum Guten Morgen Gast, hier einloggen oder registrieren.
19.11.2017 um 09:34:01


HomeÜbersichtHilfeSuchenLoginRegistrierenKalenderLexikonChat



A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | NEU
(2826 Begriffe im Lexikon)
Suchen | Filter | Abkürzungen | Neuer Begriff

« vorheriger Begriff | nächster Begriff »
  Gebel el-Silsila
Sandsteingebirgszug südlich von Edfu, ca 65 km nördlich von Assuan, Sandsteinbrüche aus pharaonischer und griechisch-römischer Zeit
äg.: Hnj = "Ruderort"

Die Bergkette liegt auf beiden Ufern des Flusses und engt ihn hier ein. Die Notwendigkeit, den dadurch reißender fließenden Fluß bei der Südfahrt durch Rudern zu passieren, hat der Gegend den Namen gegeben. Der arabische Name "Berg der Kette" geht auf eine Sage zurück, nach der man hier den Fluß durch eine Kette abgesperrt haben soll.
Hauptgott war der Nilgott Sobek.



Die Steinbrüche, Eigentum des Pharao, waren seit etwa der 18. Dyn. in Betrieb, allerdings finden sich auch bereits aus der späten prädynastischen Zeit (um 3400 - 3100 v.u.Z.) stammende Graffiti und Petroglyphen in den Felsen.
Unter Ramses II. waren in den östlich des Flusses gelegenen Brüchen über 3000 Arbeiter mit der Steingewinnung für das Ramesseum beschäftigt. Eine andere Inschrift berichtet über den Transport des Materials auf dem Wasserweg für einen dem Gott Ptah gewidmeten Tempel aus der Zeit des Amenophis III.

Die Steinbrüche

Die kreidezeitlichen Sandsteine, hier als Nubischer Sandstein bezeichnet, lieferten nicht nur das Baumaterial für viele Tempel, sie wurden auch in Rundplastik und Relief auf unterschiedlichste Weise eingesetzt.

Entsprechend seiner sedimentären Entstehung ist ein solcher Gebirgszug lagig aufgebaut, was auch zu unterschiedlichen Steinqualitäten führen kann. Bei Gebel el-Silsila ist der Sandstein sehr massig und weitestgehend homogen. Er wurde im überwiegend im Tagebau gewonnen. An den bis zu 20 m hohen Steinbruchwänden kann man an Hand der Meißelspuren sowohl die Abbauzeit als auch die Blockhöhen erkennen.



Von den Ägyptern wurde jeweils nur die qualitativ beste und damit auch verwitterungsresistenteste Schicht abgebaut, was mitunter auch das Anlegen von Schächten, Stollen oder Galerien erforderlich machte. Gleichzeitig sorgte diese Auswahl auch für einen sparsameren Einsatz und geringeren Verschleiß an wertvollem Metallwerkzeug. Nur an Stellen, wo das abbauwürdige Material die entsprechende Mächtigkeit besass oder aber direkt unterhalb der Gesteinsdecke lag, wurde im Tagebauverfahren in offenen Brüchen gearbeitet.

Zunächst brach man Blöcke, die entsprechend des Verwendungszweckes würflig oder kubisch (z.B. Baublöcke für große Tempelanlagen) waren. Generell wurde beim Abbau in den Steinbrüchen von oben nach unten gearbeitet, wobei der blockweise Abbau mit Trennfugen um die gewünschten Blockgrößen und anschließendem Ablösen von der Basisfläche erfolgte.

Von Anbeginn an wurde mit Holzschlägel und Metallwerkzeug gearbeitet. Zunächst wurden Kupfermeißel eingesetzt, seit dem Ende des Alten Reiches verwendete man die allmählich härter werdenden Legierungen aus Bronze. In der Spätzeit fanden dann Eisenmeißel Verwendung. Die Spuren dieser Werkzeugentwicklung ist noch heute an den Steinbruchwänden erkennbar. Von den kurzen, meist gekrümmten Schwüngen des Alten Reiches und noch des Mittleren Reiches werden die Meißelspuren zunehmend länger und geradliniger, bis sie schließlich in der Spätzeitauffällig parallel und in Längen bis zu 50 cm vorliegen, was sich nur mit der Verwendung von harten und langen Eisenmeißeln erklären lässt.

Östliche Uferseite

Am nördlichen Ende des Gebirgsmassives sind noch heute einige Überreste der alten Stadt Chenit und ihres Tempels mit Inschriften aus der Zeit Ramses II. zu finden. Östlich dieser Stadt befindet sich an einem Felsen eine Inschrift von Amenophis IV., aus der hervorgeht, dass dieser hier einen Obelisken für den Sonnentempel von Karnak brechen ließ. Am Fuße dieses Felsen befinden sich zahlreiche Öffnungen kleinerer Gräber.

Im südlicheren Teil des ostseitigen Gebirgszuges befindet sich ein nach Westen geöffneter großer Höhlensteinbruch mit Pfeilern sowie südlich davon ein kleinerer leerer Steinbruch. Dort befindet sich auch ein maächtiger, allerdings unfertiger Sphinx. Noch weiter südlicher folgt ein großer Steinbruch, aus dem früher die Steine für Tempelpylone gebrochen wurden sowie in der Zeit von 1906-09 auch die Steine für den Staudamm von Esna.

Der größte östliche Steinbruch befindet sich noch weiter südlich, hier findet man Denkinschriften aus der Zeit Sethos I.

Westliches Nilufer

Hier befinden sich die bedeutenderen Denkmäler von Silsila. Nördlich der Anlegestelle der Fähre gelangt man entlang einiger Grabnischen und Denkinschriften zu einer Felskapelle, die unter Haremhab (18. Dyn.) angelegt und in den folgenden Jahrhunderten zu Ehren der Könige und hoher Reichsbeamten mit künstlerisch und geschichtlich zum Teil höchst wichtigen Reliefs und Inschriften ausgeschmückt wurde.

Die Felskapelle

Die Vorderseite, mit fünf Türöffnungen zwischen Pfeilern von verschiedener Breite, wird von Rundstab und Hohlkehle bekrönt.



Auf dem Türsturz der mittleren Öffnung, die jetzt allein den Zugang zur Kapelle bildet, sind die geflügelte Sonne und die Namen des Haremhab eingemeißelt. Das Innere besteht aus einem breiten aber wenig tiefen Raum an den sich hinten eine längliche Kammer anschließt. Die Decke ist gewölbt, alle Wände tragen Bildwerke und Inschriften An der linken Schmalwand ein schönes Relief, eine Göttin reicht dem König Haremhab ihre Brust; hinter ihr steht der Gott Chnum hinter dem König der Gott Amun-Re.

Der Siegeszug des Haremhab nach dem Feldzug gegen Nubien; der Pharao auf einem Thronsessel, der von zwölf mit Federn geschmückten Soldaten getragen wird, davor und dahinter je ein Soldat mit langgestieltem Fächer; voran schreitet räuchernd ein Priester und ein Zug gefangener Nubier, sodann drei Reihen Soldaten, darunter ein Trompeter. Links stehen der König und Amun auf Schwarzen (Kuschiten), die am Boden liegen. Unter der Hauptdarstellung eine Nische; links davon gefangene Schwarze rechts ziehen ägyptische Krieger gefesselte Gefangene. Inschriften über beiden Reliefs preisen den König als Sieger über die Bewohner von Kusch: "Heil Dir, König von Ägypten, dein Name ist groß im Nubierland ..."

In einer Nische befindet sich das von vorn gesehene Hochrelief eines Beamten Ramses II. namens Chaj, darüber eine Denkinschrift mit einer Darstellung des Königs Siptah, der dem Amun Blumen bringt und hinter dem sein Beamter Baj mit dem Wedel steht. Unten in der Nische sieht man König Haremhab mit dem Bogen auf einen Feind schießend.

Ein Stück weiter befindet sich ein Denkstein aus dem zweiten Regierungsjahr des Pharao Merenptahs (19. Dyn.), auf dem der König dem Amun-Re und der Mut ein Bild der Wahrheitsgöttin Maat darbringt; hinter dem König befinden sich die Königin Astnofret mit dem Sistrum und der Wesir Penehsi mit dem Wedel.

In einer Nische dort ist das Hochrelief eines Mannes, der die Linke vor die Brust hält.
Dann ein Denkstein, zur Erinnerung an das vierte Jubiläum Ramses II. von seinem Sohn Chaemueset gestiftet.
Rechts der Tür: eine ähnliche Denkinschrift des Chaemueset. - Kleine Relieffigur eines betenden Mannes namens Moj.

In der Nische: großes Hochrelief des Prinzen Chaemueset. - Ein sehr beschädigtes Relief des Chaemueset, der Opfergaben empfängt.
Gedenktafel zur Erinnerung an die Regierungsjubiläen Ramses' II., von dem Wedelträger Moj errichtet, der links kniend dargestellt ist; oben: Ramses II., der ein Bild der 'Gerechtigkeit' den Göttern Amun, Harachte, Maat, Ptah und dem Lokalgott von Silsila, Sobek, darbringt. - Relief eines Wesirs, darunter das Bild einer Säule mit Palmenkapitell.

Gedenktafel aus dem fünfundvierzigsten Regierungsjahr Ramses' II., von einem hohen Beamten geweiht, der unten kniend mit Wedel dargestellt ist; oben opfert der König ein Bild der Gerechtigkeit dem Amun, der großen Mut, dem Chons, Harachte und Sobek (Kopf zerstört).
In der Ecke ist die Abbildung von drei betenden Männern.

Rechte Wand

An der rechten Schmalwand befindet sich eine Nische mit sechs Figuren im Hochrelief.
Auch an der nördlichen Ostwand und an den Eingangspfeilern befinden sich zahlreiche Gedenkinschriften.

Allerheiligstes

Im Durchgang zum Allerheiligsten auf der linken Wand ist eine Darstellung des Königs Haremhab, der dem Sonnengott Harachte und der Göttin Eusos von Heliopolis opfert, auf der rechten Wand ist ebenfalls Haremhab vor Amun und Mut zu sehen. Im Allerheiligsten selbst auf den Seitenwänden Götterdarstellungen; in der Rückwand eine Nische mit sieben stark beschädigten Sitzbildern von Göttern (in der Mitte Amun).

Südlich der Felsenkapelle führt ein Weg teils am Nilufer entlang, teils durch alte, wohl in römischer Zeit abgebaute Steinbrüche, an Felsinschriften und dann an einer Anzahl Grabnischen vorüber.
An dem Felsen, den man zunächst erreicht, sieht man auf der Seite nach dem Fluß zu drei Inschriften.

Links: Ramses III. vor Amun, Mut und Chons;
in der Mitte: Denktafel Scheschonks I., auf der dieser von der Göttin Mut vor Amun, Harachte und Ptah geführt wird, hinter dem König sein Sohn, der Oberpriester des Amun-Re und Heerführer Jeupet.
Rechts: Denkstein Ramses' IX., der oben zu Amun, Mut, Chons und Sobek betet.

Dann kommt man zu einer Nische mit bemalter Decke, an deren linkem Türpfosten ein betender Mann, der Schreiber des Schatzhauses, Thutmosis, steht. Eine andere Nische mit einer schönen, mit Spiralmuster bemalten Decke zeigt auf dem Türsturz den Namen Thutmosis' III. und den ausgehackten Namen von Hatschepsut.

Weiterhin, dicht am Fluß, drei Nischen nebeneinander. In der am weitesten rechts (nördlich) gelegenen an der linken Wand ein schönes Grabrelief, das den Verstorbenen, den königlichen Schreiber und Vorsteher der Speicher des Südens und des Nordens, Nechetmin, und einen zweiten Mann am Speisetisch zeigt; an der Rückwand drei sitzende Personen.

Dann folgt eine Grabnische mit schönen Reliefs und gut erhaltenen Farben, an deren Rückwand sich das Bild des Amunpriesters Amenemhet findet, dem von seinen Leuten Speisen und Getränke gebracht werden; an der rechten und linken Wand u.a. Amenemhet und seine Frau Mimi.

Die südlichen Denkmäler

Den Mittelpunkt bilden zwei dicht nebeneinander liegende große, etwa 2 m tiefe Nischen (Kenotaphe), an deren Eingängen je zwei Bündelsäulen einen mit Hohlkehle und Uräusschlangen bekrönten Architrav tragen. Die nördliche Nische (rechts) stammt aus dem ersten Jahre des Merenptah, die südliche aus dem ersten Jahre Ramses' II. Die Darstellungen in beiden sind nur an den Rückwänden gut erhalten; sie zeigen den König, rechts dem Harachte, dem Ptah und dem Nilgott, links dem Amun, der Mut und dem Chons opfernd; darunter ein langer Hymnus an den Nil und Listen von Opfern, die dem Flußgott dargebracht werden sollten.

Zwischen den beiden Nischen eine Denkinschrift in Türform, die von dem Wesir Penehsi dem Merenptah gewidmet ist und diesen König, dem Amun ein Bild der Maat darbringend, zeigt.
Weiter südlich eine ähnliche Inschrift, die der Amunpriester Roj demselben König geweiht hat.
Auf einem eigentümlich gestalteten Sandsteinfelsen rechts eine Denkinschrift aus dem sechsten Jahre Ramses lII.; oben: der König dem Amun, dem Harachte und dem Nilgott opfernd. Links daneben an demselben Felsen: ein Priester betet die Namen Sethos I. an.
Etwas weiter nach Süden, weniger hoch, eine dritte, stark beschädigte Nische aus der Zeit Sethos' I.
Am Ufer Reste antiker Treppen, die zum Fluß hinabführten.





Quelle:
Arnold, D., Die Tempel Ägyptens. Augsburg 1996
Arnold, D., Lexikon der ägyptischen Baukunst. Düsseldorf 1994
Helck, W., Otto, E., Kleines Lexikon der Ägyptologie. Wiesbaden 1999
Klemm, R., Klemm, D.D., Steine und Steinbrüche im alten Ägypten. Berlin ; Heidelberg [u.a.] 1993
Rachet, G., Lexikon des alten Ägypten. Darmstadt 2002
Shaw, I. , Nicholson, P., Reclams Lexikon des Alten Ägypten. Stuttgart 1998

Eingestellt durch: manetho (12.09.2003)
Bearbeitet durch:  Iufaa (12.04.2005), naunakhte (26.04.2005)


Powered by YaBB