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  Echnaton (Amenhotep IV) (König, 18. Dyn)
um 1.351 - um 1.334 v. Chr. (Helck: 1.340 - 1.324, Krauss: 1.353 - 1.336 v.Chr.)
Ax-n-Jtn (Echnaton)


Fotos: ©semataui/Klaus Adams, (Kestner Museum Hannover)

©Erika Schott

  • Eigenname: Jmn-Htp (Amen-hotep), hier mit Zusatz nTr-HoA-wAst Aa-m-aHa.f  (Netjer Heqa Waset Aa-em-aha.f, 1. Kartusche)
  • Thronname: Nfr-xprw-Ra  (Nefer-cheperu-Rê), hier mit Zusatz wA-n-Ra (Wa-en-Ra,  2. Kartusche)
  • Horusnamen: kn xaj-Swtj  (Ken Chaj-schuti)  
  • Nebtiname: Wsr-nsyt-m-Jptswt (User-nesyt em Ipet-sut)
  • Goldname: wTz-xaw-m-Jwnw-Smaj (Wetjes-chau-em-Iunu-schema)

Im 6. Jahr ändert Amenhotep IV seinen Namen in Echnaton:
  • Eigenname: Ax-n-Jtn (Ach-en-Jten, Echnaton, 3. Kartusche)
  • Thronname: wie vorher, 4. Kartusche)
  • Horusnamen: kn xaj-Swtj mrj Itn  (Ken Chaj-schuti meri Aton)  
  • Nebtiname: Wsr-nsyt-m-Axtjtn (User-nesyt em Achet-Aton)
  • Goldname: wTz-rn-n-Jtn (Wetjes-ren-en-Aton)


Sohn des --> Amenhotep III und der Königin Teje.      
     
Als Amenhotep zunächst Kronprätendent an Stelle seines früh verstorbenen Bruders Thutmosis, eine Koregentschaft mit seinem Vater ist nicht nachweisbar.
Noch vor seiner Thronbesteigung heiratete er die Nofretete (Nefertiti), deren Herkunft nicht eindeutig geklärt ist. Hier gehen die Mutmaßungen von „Tochter des späteren Königs Eje“ (Aja) bis zu „Prinzessin aus Mitanni“, die er aus dem Harem seines Vaters übernommen haben soll.
In seinen ersten Regierungsjahren folgt Amenhotep IV der Tradition: nachgewiesen ist die Aufrichtung eines Obelisken für Rê-Harachte-Aton östlich des Amun-Tempels von Karnak, Opferszenen in Soleb vor dem vergöttlichten Amenhotep III, er erscheint im Grab des Cheruef mit seiner Mutter Teje vor den alten Göttern.

Sein erstes Sed-Fest feierte er bereits im 3. Regierungsjahr in Theben.
Seit dem 4. Regierungsjahr begann durch ihn eine religiöse Erneuerung von oben:
May, Hohepriester des Amun wurde ausgeschaltet und östlich des Amun-Tempels entstand ein Tempel für seinen Gott Aton, der nunmehr als oberster Reichsgott eingesetzt wurde.  An dominanter Stelle trat in der Dekoration dieses Tempels bereits Nofretete hervor, er selbst ließ sich geschlechtslos und überzeichnet wie ein Urgott darstellen. Gott Aton selbst wurde ausschließlich als Sonnenscheibe gezeichnet, deren auslaufende Sonnenstrahlen in Händen und lebensspendenden Anch-Zeichen enden .
Kultbilder gibt es keine.

In seinem 5. Jahr gründete Amenhotep IV in der Nähe von Hermopolis in Mittelägypten seine neue Hauptstadt Achet-Aton, Horizont des Aton. Die Stadt entstand auf einem bisher völlig unberührten Gebiet, das er mit 14 Grenzstelen markieren ließ.
Auf diesen war die königliche Familie zunächst mit zwei Töchtern (Merit-Aton und Maket-Aton) dargestellt, eine dritte Tochter (Anch-es-en-pa-Aton) wurde kurz darauf hinzugefügt und wurde wohl im Jahr 5/6 geboren. Etwa zur gleichen Zeit änderte er auch seinen Namen in Ach-en-jati (Echnaton).

- Vollbild -

Zeichnung: semataui.de/Klaus Adams

Im Jahr 9 wird der lehrhafte Name des Aton nochmals geändert in: Es lebt Rê, der horizontische Herrscher, der im Lichtland jubelt, in seinem Namen als Rê der Vater, der als Aton kommt.

Die neue Hauptstadt Achet-Aton (heute Tell el-Amarna) wuchs rasch zu einer Stadt von über 50.000 Einwohnern heran, Verwaltungszentren blieben jedoch Memphis und Theben. Achet-Aton war religiöses und kulturelles Zentrum und Sitz der Regierung.

Ein riesiger Aton-Tempel wurde errichtet, diverse Palastbauten und Wohnviertel für Beamte, Handwerker und Arbeiter. Eine neue Steinform, heute „Talatat“ genannt, vereinfachte die Bauweise. Sie wurde bereits mit den Sandsteinen des Aton-Tempels in Karnak angewandt und dann auch mit den Kalksteinen in Achet-Aton.
Weitere Bautätigkeit ist in Elephantine, Sesebi, Amada, Armant, Illahun, Assiut, Antinoe, Medum, Memphis, Heliopolis und Athribis nachgewiesen worden.

Während anfangs nur die Totengötter geächtet wurden, so erfolgte später mit der Verordnung Atons zum alleinigen Reichsgott und der „Theologie des Lichts“ eine Verfolgung aller Götter, sogar die Tilgung ihrer Namen auf vielen Inschriften.

Das Königspaar selbst wird zum Mittler zwischen den Gläubigen und Aton, zu einer Triade Aton – Echnaton – Nofretete.
Die Kunst wurde in den Dienst des neuen monotheistischen Glaubens gestellt, der althergebrachte Kanon der bildlichen Darstellung wird durchbrochen und durch eine realistische Wiedergabe ersetzt (Amarnastil). Ein wesentliches Thema war Darstellung der Königsfamilie auch in privaten Szenen.
Auch Nofretete wurde oft wie der amtierende König dargestellt, eine offizielle Mitregentschaft ist sehr wahrscheinlich.
In den östlichen Bergen entstand eine neue Nekropole. Von den dort angelegten 26 Gräbern scheint neben dem Königsgrab nur noch ein einziges weiteres benutzt worden zu sein: das des Polizeichefs Mahu (Nr. A 9).

Da die offiziellen Quellen mit einem Bericht über den Fremdvölkertribut im 12 Jahr enden, bieten diese Gräber den einzigen Hinweis über das Ende der Amarnazeit. So starb die zweite Tochter Maketaton im 13. Regierungsjahr und wurde in der königlichen Gruft bestattet. Ein Relief zeigt u.a. eine Amme, die einen neugeborenen Jungen trägt. Leider sind die Inschriften stark zerstört und die Interpretation einiger Ägyptologen, Maketaton sei im Kindbett verstorben und der Junge sei ihr Sohn erscheint etwas gewagt (Maketaton war erst 9 oder 10 Jahr alt und der Sarg gerade einmal 1 m groß). Die zerstörten, aber doch vorhandenen Kartuschen könnten eher auf eine weitere Mutterschaft Nofretetes hindeuten (Tutanchamun?). Die alte Königin Teje besuchte im gleichen Jahr Achet-Aton und scheint kurz darauf verstorben zu sein.

Im Grab des Merire wurde das Königspaar mehrfach dargestellt, zuletzt mit 6 Töchtern im 13. Jahr (also noch vor Maketatons Tod).
Der Name „Nofretete“ wurde ab dem 13. Jahr nicht mehr erwähnt, was wiederum zu weiteren Spekulationen eingeladen hat. Die einfachste Erklärung war für einige Ägyptologen ihr plötzlicher Tod. Die häufig vertretende These, sie sei in Ungnade gefallen, ist heute wohl nicht mehr zu halten.
Theorien über das Ende der Amarnazeit siehe unter --> Semenchkare.

Echnatons Ende ist unklar. Im 17. Jahr scheint er gestorben zu sein und wurde wohl zunächst in der neuen Königsgruft von Amarna bestattet. Eine Untersuchung des Grabes brachte Fragmente des Sarkophages und einige Hinweise auf die Grabausstattung zu Tage.
Weitere Teile seiner Grabausstattung wurden in KV 55 im Tal der Könige gefunden, so u.a. sein Sarg, der nun restauriert und identifiziert ist. Der im Sarg aufgefundene Tote gibt allerdings Rätsel auf: dieser Tote starb im Alter von höchstens 20 Jahren und wird daher meist für Semench-ka-Rê gehalten.

Nicht zuletzt durch den mangelnden Rückhalt der neuen Religion in der meist konservativ eingestellten Bevölkerung und dem starken Widerstand der Priesterschaft der verfemten alten Götter erfolgte eine Rückkehr zu den alten Traditionen. Die Stadt Achet-Aton wurde verlassen und unter Haremhab auch Atons Tempel in Karnak abgerissen. Den "Schutt" verwendete Haremhab als Füllmaterial für den 9. und 10. Pylon, aus denen jetzt über 120.000 „Talatat“-Blöcke geborgen wurden, davon um 40.000 beschriftete.

Auch wenn nach Echnaton eine Rückkehr zu Gott Amun erfolgt ist, so wurde doch vieles übernommen. Amun musste in der nach-Amarna-Zeit seine Stellung mit Rê und Ptah teilen. Die Sonnenscheibe nahm in der 19. und 20. Dynastie eine hervorgehobene Stellung ein. Künftige Königsgräber wurden ohne Knickachse angelegt und gerade, damit die Sonnenstrahlen direkt einfallen können. Das Neuägyptische blieb Schriftsprache und in der Kunst haben sich Elemente des Amarna-Stils behaupten können.

Residenzstadt wurde wieder Memphis.

In der beginnenden 19. Dyn. begann dann die Verfolgung Echnatons und es wurde von ihm in offiziellen Dokumenten nur noch als Verbrecher gesprochen bzw. die komplette Amarna-Periode verschwiegen.
 
Die Beurteilung von Amarna und Echnaton bleibt sogar heute  nach wie vor äußerst konträr, und dies nicht nur in der ägyptologischen Forschung. Die Einschätzung seiner Person geht von „einer der größten Führer der Menschheit“ (P. Volz) bis zu „ein ärmlicher Charakter mit Hang zum Angebertum“ (D. B. Redford).




Quelle:
Schneider, Th.: Lexikon der Pharaonen, Düsseldorf 2002
Reeves, N., Echnaton, London 2001
van de Walle, B., in: Kat. Nofretete/Echnaton, München 1976
u.a.

Eingestellt durch: manetho (26.09.2003)
Bearbeitet durch:  Apedemak (09.09.2004), naunakhte (11.08.2005), semataui (23.03.2007)


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