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Luxor (Tempel)
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  Amun-Tempel (Karnak)
Jpt-swt-m-WAst


Bereits im Alten Reich, so vermuten die Ägyptologen, befand sich in Karnak eine kleine Kultstätte für den damals unbedeutenden Ortsgott --> Amûn. Dennoch sind die Ursprünge des Amûn-Kultes unbekannt, und archäologische Überreste aus dieser Epoche gibt es nicht.

Erst aus den Anfängen des Mittleren Reiches gibt es architektonische Überreste einer Kultstätte. Im Bereich zwischen dem heutigen „ --> Achmenu“ und dem Philippus-Arrhidäus-Sanktuar stand ein Kalksteinbau von etwa 37 x 40 m Fläche, der wohl in der Zeit des --> Sen-wosret I errichtet wurde. Vielleicht befand sich vor dem Gebäude ein „heiliger Garten“, an allen Seiten mit Säulenhallen umgeben. Von der hinteren Hälfte findet man noch drei Granitschwellen der Mittelachse und den Alabastersockel eines Kultbildschreines. Eine Barkenstation ist ebenfalls dort zu vermuten; sicher ist, dass einige Stationskapellen mit Pfeilerumgang innerhalb der Ziegelumfassungsmauer vorhanden waren. Eine dieser Kapellen wurde später abgerissen und als Füllmaterial in einen Pylon verbaut. Fast vollständig hat man die Steine geborgen und die „weiße Kapelle des Sen-wosret“ im Freigelände des Amûn-Bezirks neu aufgebaut.
Auch die Nachfolger des Königs Sen-wosret könnten in Karnak weitergebaut haben, nachzuweisen ist dies jedoch nicht.

Mit Beginn des 18. Dynastie begann die Glanzzeit des Amun-Kultes und weitere bedeutende Bauten wurden errichtet.
--> Thutmosis I umgab den Bau des Sen-wosret I mit einer gewaltigen steinernen Umfassungsmauer mit zwei --> Pylonen (heute Pylon Nr. 4 und 5). Zwischen den beiden Pylonen entstand der Wadjit-Säulensaal und vor dem 4. Pylon errichtete er zwei 21,8 m hohe --> Obelisken, von denen einer noch in situ steht. Eine vom --> Mut-Tempel kommende Prozessionsstraße erreichte hier den Amûn-Bezirk, um danach weiterzuführen zum nördlich vermuteten Königspalast.

Königin Hatschepsut und ihr Nachfolger --> Thutmosis III vergrößerten die Tempelanlage weiter. Der östliche Verlauf der neuen, mit Türmen befestigten Ziegelumfassungsmauer lag in Höhe der heutigen Besucherterrasse für die Ton- und Lichtshow.
Hatschepsut errichtete vor dem noch immer existierenden Sen-wosret-Haupttempel einen fein dekorierten Vortempel mit Barkensanktuar aus Quarzit.
Zwischen den Pylonen 4 und 5 ließ die Königin zwei 30,43 m hohe Obelisken aufstellen, von denen einer noch heute steht. Die Spitze des zweiten liegt heute in der Nähe des Rasthauses.
Zwischen dem 5. Pylon und dem Barkensanktuar wurde ein neuer, der 6. Pylon eingeschoben, die Südachse, die Prozessionsstraße zum Mut-Bezirk, mit einem weiteren großen 8. Pylon (11) und vier Kolossalstatuen verschönt.
Der Ausbau der Prozessionsstraßen zum späteren Luxor-Tempel ist wahrscheinlich auch auf Hatschepsut zurückzuführen: allein 6 Barkenstationen aus ihrer Zeit wurden nachgewiesen.  
Foto: Dr. Karl H. Leser
 
Thutmosis III hatte nach seiner Machtübernahme nichts eiligeres zu tun, als die „Rote Kapelle“, den Barkenschrein der Hatschepsut, abreißen zu lassen und durch einen neuen aus schwarzem Granit zu ersetzen. Die meisten der Blöcke der „Roten Kapelle“ wurden wieder aufgefunden, und heute ist sie im Freilichtmuseum aufgebaut.
Hatschepsut´s Obelisken ließ Thutmosis im unteren Teil ummanteln, er vergrößerte den „Heiligen See“ (12) und baute auf der Tempel-Südachse den 7. Pylon (10), verziert mit den Namen der von ihm eroberten Städte, mit zwei Kolossalstatuen und zwei Obelisken.
Fünf weitere Obelisken sind auf ihn zurückzuführen: 2 vor dem 4. Pylon, 2 außerhalb der östlichen Umfassungsmauer und einen weiteren noch weiter östlich für eine Sonnenkultstätte. Der Letztere war mit 33 m der höchste, der obere Teil steht heute in Rom vor dem Lateran.
Quer zur alten Tempelachse entstand, wahrscheinlich auf den Resten eines Vorgängerbaues, das „Achmenu“ (13), ein „Millionenjahrhaus“ des Thutmosis III für seinen Kult als Erscheinungsform des Amun-Rê. Die Festhalle besteht aus einem Mittelraum mit 2 x 10 Zeltstangensäulen, der allseitig von niedrigeren Seitenschiffen mit Pfeilern umgeben ist. Im Achmenu befinden sich ähnliche Kultstätten wie in den späteren Millionenjahrhäusern auf dem Westufer des Nils, so z.B. ein Sokaris-Heiligtum und eine Sonnenkultstätte. Bekannt ist die Königsliste seiner Vorfahren und auch die Darstellung von Pflanzen und Tieren fremder Länder, die er auf seinen Kriegszügen kennengelernt hat.
In der Mitte der Ostwand liegen die Hauptsanktuare des Achmenu für Amun und den vergöttlichten König.

Außerhalb der alten nördlichen Umfassungsmauer baute er ein kleines Heiligtum, das Ptah geweiht war (9).
 
Karnak, Ausbaustufe zur Zeit des Thutmosis III

9. Ptah-Tempel
10. 7. Pylon (Thutmosis III)
11. 8. Pylon (Hatschepsut)
12. Heiliger See
13. Achmenu, Festhalle des Thutmosis III
14. Wegestation, Zeit des Thutmosis III
Zeichnung: semataui

Auch der Nachfolger des Thutmosis III, --> Amenhotep II, baute in Karnak weiter.
Seine Bautätigkeit war jedoch lange nicht so spektakulär wie die seiner Vorgänger. So konnte man ihm nur einen Alabasterschrein, eine Granitkapelle, zwei weitere Kapellen sowie verschiedene Szenen, Blöcke und Inschriften zuweisen.
Auf --> Thutmosis IV geht wohl der Peristylhof vor dem 4. Pylon zurück, Vorhalle und Tor zum 4. Pylon, ein Barkenschrein aus Alabaster sowie verschiedene Statuen.

--> Amenhotep III ließ in seiner langen Regierungszeit den 3. Pylon mit acht 40 m hohen Flaggenmasten anfügen. Als Füllmaterial benutzte er Kapellen und Denkmäler aus der 12. und frühen 18. Dynastie.
Auf der Südachse baute er den 10. Pylon, zwei 18 m hohe Monumentalkolosse aus Quarzit flankierten ihn einst. Die Prozessionsstraße zum Mut-Tempel wurde mit 60 Sphingen dekoriert, und möglicherweise hat sein Baumeister Amenhotep Sa Hapu bereits mit Planung oder Bau des Mittelteils der großen Säulenhalle begonnen (Schneider).

In der Amarnazeit erlosch jede Bautätigkeit am Amuntempel, unter den nachfolgenden Königen Tutanchamun und Haremhab wurde verstärkt weitergebaut. Auf der Südachse folgte der 9. Pylon, gefüllt mit dem Baumaterial des abgerissenen Atontempels ( --> Talatat).
Zwei Kapellen sind auf Tutanchamun zurückzuführen, der König lässt einige von seinem Vorgänger unterbrochene Arbeiten fertigstellen (Sphinxallee zum Mut-Tempel, Reliefs am 6. Pylon).

Das --> Hypostyl zwischen dem 2. und 3. Pylon, also der Mittelteil des großen Säulensaales, wurde spätestens von ihm begonnen. Die Decke wird von zwei x sechs Papyrussäulen mit offenen Kapitellen getragen, jede 21 m hoch.
Seti I begann mit dem Bau der weiteren 122 Säulen in den Seitenschiffen, je 13 m hoch mit geschlossenen Blütenkapitellen.
Sein Sohn Ramses II vollendete die Säulenhalle, wobei man heute deutlich die "Handschrift" dieser beiden Könige erkennt: die feinen, erhabenen Reliefs an der Nordwand, an der Decke und den Kapitellen stammen von Seti, die groben, versenkten Reliefs der Südwand und auf den Schäften von Ramses.
Ramses II baute den 2. Pylon, erweiterte den Tempeleingang zum Nil hin mit Widder-Sphingen.
Im Osten, hinter dem Achmenu, errichtete er ein "Heiligtum der aufgehenden Sonne", in dessen Mittelpunkt der einzelne Obelisk des Thutmosis III stand. Den Hof des 9. Pylons dekorierte er mit Szenen aus der Qadesch-Schlacht.

Seti II errichtet vor dem 2. Pylon eine 3-zellige Barkenstation für die thebanische Triade Amun-Mut-Chons. Sie befindet sich direkt hinter dem heutigen Tempeleingang links.
Rechter Hand baute Ramses III ein weiteres Barkenheiligtum, sofort als vollständige Tempelanlage.
Scheschonk I schloss den neu entstandenen Hof, mit Toren im Norden und Süden, evtl. auch im Westen.
Taharqa baute zentral in diesem Hof zehn 21 m hohe Papyrussäulen mit offenen Kapitellen, durch niedrige Schrankwände verbunden, aber ohne Dach. Leider steht heute nur noch eine dieser Säulen aufrecht.
Die jetzige, ehemals 21 m hohe Umfassungsmauer stammt aus der Zeit des Nektanebos I. Im Osten, Norden und Süden vor dem Chons-Tempel mit war sie mit riesigen Toren versehen,  deren Beschriftung allerdings erst in der Ptolemäerzeit erfolgte.
Am westlichen Haupteingang errichtete man mit dem 1. Pylon den größten Zugang, allerdings blieb er unvollendet. In den Fundamenten stehen geblieben ist der Bau eines weiteren  Pylons vor dem Chons-Tempel. Die Reste stecken in der Umfassungsmauer.
In ptolemäischer Zeit wurden zahlreiche unvollendete Bauteile fertiggestellt. Das bedeutendste neue Objekt war das von Ptolemäus III Euergetes I errichtete Euergetes-Tor vor dem Chons-Tempel.
Durch die immer weiter nach Westen vordringende Bebauung wurde auch die Hafenanlage vor dem Tempel weiter zum Nil hin zurückgedrängt. Reste der Kaianlage sind noch erhalten, der Zugang zum 1. Pylon wurde von einer Allee aus Widder-Sphingen flankiert, die wahrscheinlich von Pinnodjem I stammen.
Bei Ende der Bautätigkeit umfasste der Tempel eine Fläche von 530x515x530x610 m.

Die ersten Plünderungen erlebte der Amun-Tempel bereit in den Jahren 671 v. Chr. durch Assarhadon und 663-657 v. Chr. durch Assurbanipal, als assyrische Truppen Ägypten eroberten.
Ein starkes Erdbeben 27 v. Chr. richtete starke Schäden an, und bereits 330 n. Chr. begann man mit dem Abtransport der ersten Obelisken.
Die meisten heute sichtbaren Schäden entstanden jedoch durch Steinraub in den letzten Jahrhunderten.
Trotzdem ist der Amun-Tempel von Karnak noch heute eine der besterhaltenen Tempelanlagen Ägyptens.

-->Panorama-Ansicht vom Karnak-Tempel


Quelle:
Arnold, D., Die Tempel Ägyptens, Augsburg 1996

Eingestellt durch: semataui (03.12.2003)
Bearbeitet durch:  semataui (11.05.2005)


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