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  Uschebtis
Seit frühester Zeit machten sich die alten Ägypter über die Beschaffenheit des Jenseits Gedanken. Der Tod, in Texten oft als "Landen am Ufer der Ewigkeit" umschrieben, bedeutete kein endgültiges Ende, sondern war eine schwelle zu einer neuen Existenz im jenseitigen Bereich, etwa eine Fortsetzung des irdischen daseins. Alles, was zum Leben gehörte, war ebenfalls Bestandteil des Jenseits, wobei man sich vor allem die Fortdauer des angenehmeren Lebens wünschte.

Essen, Trinken, das Feiern von Festen im Familien- und Freundeskreis, Musik und Tanz, die Freuden der Liebe sowie ungehinderte Bewegungsfreiheit sollten die Toten auch jenseits des Todes erfreuen. Dabei ist es für den alten Ägypter jedoch kennzeichnend, dass er nicht davor zurückscheute, auch im Jenseits selbst Hand anzulegen und aktiv für seinen Lebensunterhalt zu sorgen.

So zeigen ihn Darstellungen im Grab beim Pflügen, Säen und Ernten in den üppigen Gefilden des Jenseits. Nur von den lästigen Fronarbeiten - dem ewigen Bewässern und Wegschaffen des auf den Feldern liegenden Sandes - wünschte der Tote erlöst zu werden. Diese unerwünschten Tätigekeiten überliess er seinen Totenfiguren, deren Aufgabe es war, sie an seiner Stelle zu erledigen.

Uschebtis kommen seit der 1. Zwischenzeit vor. Sie sind meist von mumienartiger Gestalt und galten ursprünglich als eine Art Ersatzkörper des Verstorbenen für den Fall, dass seine Mumie zerstört oder beschädigt würde. Diese frühen Uschebtis tragen nur kurze Inschriften mit Name und Titel des Verstorbenen.

In der 13. Dynastie erscheint erstmals eine längere Aufschrift, die sich in den verschiedensten Varianten bis zum Ende der pharaonischen Zeit erhält. Dieser sog. Uschebti-Spruch, der den Titel "ein Uschebti Arbeit leisten zu lassen im Totenreich" schildert Zweck und Aufgaben der Totenfigur und macht deutlich, dass sich diese vom Abbild des Toten zu seinem Stellvertreter gewandelt hat. Das Wort bedeutet wahrscheinlich "Antworter", weil der Verstorbene im Jenseits zur Arbeit gerufen wird, sollen diese stattdessen "antworten" und ihm alle anfallenden unangenehmen öffentlichen Arbeiten abnehmen. Deshalb spricht man bei Uschebtis auch von "Stellvertretern", die an Stelle des Toten auf die Befehle des Gottes hin diese ausführen.

Der Text lautet folgendermassen:
O ihr Uschebti,
wenn ich verpflichtet werde, irgendeine Arbeit zu leisten,
die dort im Totenreich geleistet wird -
wenn nämlich ein Mann dort zu seinen Arbeitsleistungen verurteilt wird -,
dann verpflichte Du Dich zu dem, was dort getan wird,
um die Felder zu bestellen und die Ufer zu bewässern,
um den sand des Ostens und des Westens überzufahren.
"Ich will es tun - hier bin ich!" sollst Du sagen.

Zur Verrichtung der Arbeit sind die Uschebtis mit Geräten zur Bodenbearbeitung ausgestattet (Hacken, Säckchen mit Saatgut,etc.). Anders bei den königlichen Uschebtis, die mit Krummstab und Wedel gerüstet sind. Uschebtis sind zuerst aus Holz oder Wachs, später nutzte man verschiedene Gesteinssorten wie Kalk, Granit, Quarz, Alabaster (Kalzit), Schiefer, Serpentin oder sogar Bronze, überwiegend dann jedoch Fayence. Mit Beginn des Neuen Reiches sieht man in ihnen "Dienerfiguren".

Die Anzahl ist zunächst variabel, später besteht idealerweise ein vollständiger Satz aus 365 Figuren (eine für jeden Tag) und 36 "Aufseher-Uschebtis" in der Tracht der Lebenden, oft mit Stock, Geißel oder Peitsche (bzw. 37, nach den 36 Dekaden, 37 wenn man vollrechnet, sowie Oberaufseher. Im Grab Tut-anch-Amuns befanden sich insgesamt 417 dieser Totenfiguren, im Grab Sethos I. (Vater von Ramses II.) sollen es sogar rund 700 gewesen sein. Den "Arbeiter-Uschebtis" wurde das Werkzeug, wie Hacken, Dechsel und Körbe für das Wegschaffen des Sandes entweder als eine Art Miniaturmodell separat mitgegeben oder, wie später allgemein üblich, direkt aufgemahlt.

Einzelne Uschebtis wurden in kleinen Särgen gefunden. Größere Mengen bewahrte man in Uschebti-Holzkästen auf. Im späten Neuen Reich verwendete man bauchige Gefäße (Uschebti-Kanopen). Uschebti-Kästen wurden als Haus aufgefaßt, in dem die Figuren wohnen (z.B. Sennedjem, 19. Dynastie). Diese Häuser können dann auch noch als Modelle der Grabanlage verstanden werden, weil man um sie herum eine Art Scheinbegräbnis initiiert hatte. Dementsprechend wird der Uschebti als Bildnis des Verstorbenen zu verstehen sein.
Uschebtis wurden auch bei Apisbestattungen eingesetzt. In diesem Fall haben sie einen Stiekopf mit Mumienkörper.



Quelle:
A. Küffer, Die Totenfigur des Didi aus Theben-West in Oberägypten, Brosch. des Museum für Völkerkunde Burgdorf

Eingestellt durch: manetho (15.01.2004)
Bearbeitet durch: -


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