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  Zunge
Die Zunge heißt ägyptisch ns und wird in der Schrift durch eine Tierzunge dargestellt
Der Lautwert ns für dieses Ideogramm lässt sich bereits im Alten Reich belegen. Naturgemäß taucht die Zunge in zahlreichen Zusammenhängen auf.
In medizinischen Texten findet sich eine kleine Sammlung von Rezepten "für das Beseitigen der Krankheit der Zunge", welche Krankheiten das sind, wird jedoch nicht mitgeteilt. Die Rezepturen enthalten hauptsächlich Milch, Fett (von Rind oder Gans), Ocker, Honig, Koloquinthe, und Wasser, aber vereinzelt auch Bleiglanz, Kupferschlacke, Blutstein, Alabasterpulver. Die Präparate sollten mehrheitlich gekaut und mit der Zunge im Mundraum bewegt, danach aber wieder ausgespuckt werden (Westendorf, loc.cit.).

Natürlich wurden durch das Herausstrecken der Zunge, so wie heute auch, Menschen beleidigt, aber auch Götter geschmäht. Bei Figuren mit --> apotropäischer Wirkung sollte das Herausstrecken der Zunge vermutlich die apotropäische Wirkung verstärken (wie bei dem Löwen aus Tutankhamuns Grabschatz).


Das Abschneiden der Zunge ist sowohl in der Magie zur Vernichtung gefährlicher Wesen (so wird z.B. im Text zum Vernichtungsritual des --> Apophis das Abschneiden der Zunge aufgeführt) als auch als Bestrafung eines Menschen belegt.
Bei diesen Maßnahmen dürfte eine wesentliche Rolle gespielt haben, dass den alten Ägyptern eine Vorstellung von der Bedeutung der Zunge beim Sprechen, Schlucken und Schmecken hatten. Von besonderer Bedeutung war die Verbindung der Zunge mit der Fähigkeit zu Sprechen. Metaphorisch wird die Zunge daher häufig mit dem Sprechen gleichgesetzt, so steht z.B. "mit zwei Zungen Reden" sinnbildlich für Lügen, oder die "Zunge des Königs" bezeichnet einen Beamten, der die Befehle des Königs überbringt.

Mit der Vorstellung der alten Ägypter, dass Gedanken im Herz (dem Sitz des Denkens) "geformt" und durch Aussprechen "realisiert" werden, werden Herz und Zunge zu Schöpfungsorganen des Schöpfergottes ( --> Ptah, memphitische Theologie; siehe Otto a.a.O.). Ein rechtes Zusammenwirken von Herz und Zunge setzt man auch für die Entscheidungen des Königs voraus, und fordert dies auch für einen erfolgreichen Lebensweg des Menschen (in der Schifffahrt des menschlichen Lebens ist die Zunge das Steuerruder).

So wie Beamte zur "Zunge des Königs" wurden, so wurden auch manche Götter zur Zunge anderer Gottheiten, des Königs oder eines Menschen. Das bekannteste Beispiel ist hier sicherlich --> Thot, dem alles Wissen und höchste Redekunst zugewiesen wurden. So sucht Thot nicht nur in den --> Geburtslegenden der Hatschepsut und des --> Amenhotep III. nach der geeigneten Gemahlin für --> Amun-Re (der einen neuen König zeugen will), sondern verkündigt dieser, die natürlich die Gattin des irdischen Königs ist, auch die erfolgreiche Zeugung des göttlichen Kindes und Thronfolgers. Weiterhin ist Thot auch die Zunge des Schöpfergottes Ptah, des --> Re und des --> Atum.

Im Rahmen der Gliedervergottung wird die Zunge des Toten in den Schutz des Gottes Thot gestellt, im --> Totenbuch, Spruch 82, Zeile 21, sagt der Verstorbene:
"Ich bin hervorgegangen, meine Zunge ist (die des) Ptah,
meine Kehle ist (die der) Hathor." (Hornung, a.a.O).






Quelle:
Hornung, E., Das Totenbuch der Ägypter. Düsseldorf 1998
Kurth, D. in: Lexikon der Ägyptologie, Bd. VI. Wiesbaden 1975-86, Sp. 1425ff
Otto, E. in: Lexikon der Ägyptologie, Bd. I. Wiesbaden 1975-86, Sp. 20
Westendorf, W., Erwachen der Heilkunst. Die Medizin im alten Ägypten. Zürich 1992

Eingestellt durch: Iufaa (18.06.2005)
Bearbeitet durch: -


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