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  Schminkpalette
(auch oft als Prunkpalette bezeichnet)
Diese als Paletten bezeichneten Gegenstände wurden zumeist aus Schiefer (Grauwacke) gefertigt und in Form von Grabbeigaben bereits in Friedhöfen der Badari-Zeit (um 5500-4000 v. Chr.) gefunden. Als andere, aber nicht so häufig vorkommende Materialien verwendete man Granit, Basalt, Kalkstein oder Alabaster.
Man verwendete sie zum Zerstoßen von Malachit oder Bleiglanz, um daraus Augenschminke herzustellen. Die ältesten Paletten waren durchweg rechteckig, doch schon in der Naqada-I-Zeit (um 4000-3500 v. Chr.) erhielten sie meist kunstvollere geometrische Formen, beispielsweise die Form eines Rhomboids, das dem Symbol des späteren Fruchtbarkeitsgottes MIN ähnelte. Es gibt sie aber auch in schematisierter Gestalt von Tieren (beispielsweise Nilpferde oder Schildkröten, teilweise mit Augen in Einlegearbeit).
Etwa zu dieser Zeit hatten Schmink-Paletten mit großer Sicherheit bereits zeremonielle oder magische Konnotationen. In der Naqada-II-Zeit (um 3500-3100 v. Chr.) bevorzugte man dann Paletten in Fisch- oder Vogelgestalt. Viele dieser Paletten waren auch schildförmig und mit zwei Vogelköpfen bekrönt.
Gegen Ende der prädynastischen Zeit war die Formenvielfalt bei den kleineren Schmink-Paletten beträchtlich zurückgegangen, gleichzeitig entstand jedoch eine neue, kunstvollere Version. Diese (meist ovalen oder schildförmigen) Prunk-Paletten dienten als Votiv- und nicht mehr als Grabbeigaben; eine ganze Reihe davon fand man in einem Versteck im frühdynastischen Tempel von Hierakonpolis. Sie waren mit Reliefs geschmückt, die die Ideologie und Rituale der sich herausbildenden Elite darstellen. Die bedeutendste dieser Prunkpaletten ist die sogenannte Narmer-Palette, die sich heute im Ägyptischen Museum Kairo befindet.
Usprünglich aber waren sie vermutlich Weihgeschenke für die ältesten Heiligtümer, und dazu bestimmt, im täglichen Kultbildritual beim Schminken des Götterbildes Verwendung zu finden. Auf ihren ursprünglichen Gebrauch weist der auf der Vorderseite meist durch einen kräftigen Ringwulst gebildete Schminknapf hin.
Die Prunkpalette des Königs Narmer ist schon aufgrund ihrer Größe und Unhandlichkeit (Gewicht!) nicht zum praktischen Gebrauch bestimmt gewesen. Es ist eine Nachbildungen eines königlichen Kultgerätes, das deshalb in dieser „Prunk"form angefertigt wurde, da die Kommunikation zwischen dem König und dem Sonnengott nur im Rahmen eines Kultbetriebes möglich und erlaubt war. Die runde Vertiefung auf der Vorderseite der Palette entspricht einer Vertiefung auf einer für den praktischen Gebrauch bestimmten Palette, in der die Paste zerrieben wurde, die zum Schminken des Götterbildes bestimmt war. Schminken bedeutet Beleben (in diesem Falle des Kultbildes), wodurch die Kommunikation zwischen dem König und dem Sonnengott auf dem Wege über das Kultbild erst möglich war.
Für uns eine besondere Bedeutung haben sie dadurch, dass sie früheste Träger von historischen Darstellungen und Schriftzeichen sind. Es beginnt mit einfachen Darstellungen von Jagd, Tieren und Fabelwesen bis zu in Streifen geordneter Wiedergabe historischer Ereignisse, Beute, Sieg über Feinde, Zerstörung von Städten usw. Sie spiegeln Ereignisse der Reichseinigung wider, die jüngsten tragen die ältesten Königsnamen.

-->Übersicht über Schminkpaletten


Quelle:
Helck/Otto, Kleines Lexikon der Ägyptologie
Shaw/Nicholsson, Reclams Lexikon des Alten Ägypten
Grimm, Schoske, Dreyer, Am Beginn der Zeit. - München, 2000
Gundlach, Der Pharao und sein Staat. - Darmstadt, 1998

Eingestellt durch: manetho (28.08.2005)
Bearbeitet durch: -


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