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  Schildkröte
Den alten Ägyptern waren mehrere Arten von Schildkröten bekannt, u.a. eine Salzwasserschildkröte aus dem Roten Meer (Chelonia imbricata) und verschiedene Landschildkröten.
Schon in prädynastischer Zeit lässt sich eine handwerkliche Verwendung von Schildkrötenpanzern (= Schildpatt) in Form von Schmuckstücken (z.B. Armbänder) und Gebrauchsgegenständen (z.B. Kämme) nachweisen, wobei die Teile entweder komplett aus Schildpatt hergestellt oder Stücke davon für Einlegearbeiten verwendet wurden.



Foto des Petrie-Museums, London, Nr. UC15494


Am Ende des Mittleren Reiches (MR) finden sich Dolchgriffe aus Schildpatt, im Neuen Reich  (NR) wurden sogar aus dem hochgewölbten Panzer einer Landschildkröte (Testudo kleinmanni)  Resonanzkörper für Lauten sowie Schalen gefertigt. Die meisten Darstellungen von Schildkröten im Alten Ägypten zeigen lt. LÄ (op. Cit.) wohl die im Nil lebende Weichpanzer-Schildkröte (Trionyx triungius). Von der prädynastischen Zeit bis ans Ende des Alten Reiches (AR) wurde das Fleisch von Trionyx offensichtlich auch verzehrt. Im MR wurden Panzer und Teile der inneren Organe als äußerlich anzuwendende Heilmittel benutzt.


In der Folgezeit wird das Fleisch der Schildkröte jedoch als "Abscheu des Re" bezeichnet (in den Sargtexten) und Särge aus dem NR tragen die Formel "Re möge leben und die Schildkröte sterben". Das "schattenhafte, unwirkliche" Leben der Schildkröte unter Wasser führte dazu, dass sie schließlich als Feind des Re ("Götterfeind") angesehen wurde, die diesem während seiner nächtlichen Fahrt unter dem Nil gefährlich werden konnte. Schon früh im NR (19. Dyn.)  wurde die Schildkröte daher zusammen mit dem Nilpferd als Verkörperung des Bösen angesehen, das es durch Harpunieren zu vernichten galt. Daher gehört die Schildkröte in Tempeldarstellungen aus griechisch-römischer Zeit  zu den bösartigen (verbrecherischen) Geschöpfen, die durch den König zeremoniell harpuniert wurden (siehe nächstes Foto). Spätestens zu dieser Zeit kam es auch zu Gleichsetzungen mit Apophis.



- Vollbild -

"Speeren der Schildkröte", Tempel in Esna  (Foto: Monja)


Vom AR bis zum mittleren NR finden sich auch Amulette und andere --> apotropäische Gegenstände, die besonders im MR die Spezies Trionyx darstellen, darunter auch sogenannte Zaubermesser. Im NR finden sich hölzerne Figuren von Dämonen, die auf einer männlichen Figur als Kopf den ganzen Körper einer Schildkröte tragen. Diese Dämonen waren wahrscheinlich gemeint, wenn die Sargtexte des MR von "Schildkröten-Gesichtern" reden - im NR nannte man diese Dämonen "Dreckfresser".



Quelle:
Fischer, H. G., in: Lexikon der Ägyptologie, Bd. V. Wiesbaden 1975-86, Sp. 627ff
Westendorf, W., Handbuch der altägyptischen Medizin. Leiden, Boston, Köln 1999

Eingestellt durch: Iufaa (12.10.2005)
Bearbeitet durch: -


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