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  Min-Fest
Eines der wichtigsten, im ganzen Land begangenen, religiösen Feste war das Fest des  Fruchtbarkeits- und Urgottes Min. In kürzeren Auszügen oder in erhaltenen Darstellungsresten lässt sich das Min-Fest schon seit dem MR in Karnak (Weiße Kapelle), Luxor (Pylon Ramses II.) und Medinet Habu (Amun-Tempel der 18. Dyn., Thutmosis III.) nachweisen. In ausführlicher Form wurde es aber erst im NR an den Tempelwänden im Ramesseum und in Medinet Habu dargestellt. Das Min-Fest ist jedoch schon seit der Frühzeit inschriftlich belegt, vermutlich allerdings unter verschiedenen Namen ("Geburt des Min = mswt Mnw", sofern nicht mit "mswt" das Herstellen und Weihen einer Statue gemeint ist; LÄ, loc. cit. ).
In den Festlisten des AR wird das Min-Fest als "Auszug des Min = prt Mnw" erwähnt. Möglicherweise bezeichnet dieser "Auszug des Min" nur eine als besonders wichtig erachtete Phase aus dem Festgeschehen, die allerdings erst unter Ramses II. voll zur Entfaltung gebracht wurde.
Der "Auszug des Min zu Treppe = prt Mnw r xt", dargestellt in Medinet Habu (R. III.), wird am Hauptfesttag, am 11. Pachons, gefeiert, d.h. das Fest wurde letztendlich eingeordnet in das Wandeljahr, und wird am Vorabend vor dem Neumond des Monat Pachons, der 1. Monat der  Smw-Jahreszeit gefeiert und zwar als Hauptfest der Erntezeit.

Das mit Opferdarreichungen und vielfältigen Kulthandlungen verbundene Fest verlief als ein feierlicher Auszug der Kultstatue des Gottes aus seinem Tempel in mehreren Phasen. In der ersten Phase (1. Episode) wird der König von seinen Söhnen - und in Begleitung von zahlreichen Würdenträgern - zum Tempel des Min getragen.
In Medinet Habu tragen die meisten Teilnehmer der Prozession einen Federschmuck auf dem Kopf (alle folgenden Abbildungen stammen aus Medinet Habu, mit Ausnahme des Sternentuchs, das von der Pylon-Innenseite des Luxor-Tempels stammt).



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In der 2. Episode wird vor dem Gott, der in Medinet Habu Amun-Re-Kamutef heisst, geopfert.



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In der 3. Episode wird Min (hier eindeutig in der Beischrift als Min bezeichnet) in einer Prozession, angeführt von dem König mit unter-ägyptischer Krone, aus seinem Heiligtum hinaus zur "Treppe" geführt (siehe folgende Abbildung).  Die Träger schreiten dabei unter einem sternenbedeckten Tuch (siehe übernächste Abbildung), ihnen und dem König voran schreitet der "Weiße Stier".



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In Medinet Habu folgt eine 4. Episode, in der der König vor dem Schrein des Min mit einer goldenen Sichel eine Garbe Getreide (Azx jt) abschneidet. Die Garbe wird als Dankopfer dem Gott Min überreicht, ebenfalls eine Ähre erhält auch der König. Wie alle Opfer(handlungen) beinhaltet das "Absichelns des Getreides" auch die allgemeine Symbolik  der "Vernichtung der Feinde (des Gottes und des Königs)". Dass das Min-Fest mehr ist als ein Erntefest zeigt sich im Fortgang der Szene - der König lässt auf allen 4 Seiten der "Treppe" Vögel (Taube oder Gans?) aufsteigen, auf dass die neubegründete Macht des Königs in alle 4 Himmelsrichtungen mit der Botschaft "Horus, der Sohn des Osiris und der Isis hat die weiße und die rote Krone ergriffen; König Ramses hat die weiße und die rote Krone ergriffen." verkündet wird.

In einer 5. Episode umschreitet der König die "Treppe" bzw. den Kiosk, in dem Min steht.



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Quelle:
Bonnet, H., Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Berlin, New York 2000
Brunner-Traut, E., in: Lexikon der Ägyptologie, Bd. IV Wiesbaden 1975-86, Sp. 141ff
Schott, S., Altägyptische Festdaten. 1950


Eingestellt durch: Iufaa (14.04.2006)
Bearbeitet durch: -


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