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  Tem (Königin)

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Tem war eine der Frauen --> Mentuhotep Nebhepetres. Ihr Grab (Naville 15) befindet sich, im Gegensatz zu den Gräbern der anderen Frauen, an einer herausragenden Stelle. Der Eingang zum Grab ist südlich des Sanktuares im hintersten Bereich des Totentempel Mentuhotep Nebhepetres in Deir el-Bahri. Die Anlage wurde bei der Planung des Tempels berücksichtigt und verläuft parallell zum Königsgrab.

Tem war Mutter des nachfolgenden Königs --> Mentuhotep Seanchkare. S. Roth berichtet (Königsmütter, S. 197) von einer inzwischen verlorenen Inschrift auf dem Sarg der Tem, die belegt dass diese ihren Gatten überlebte und von ihrem Sohn bestattet wurde. Diese Inschrift, aus blauer Tinte und einem Augenpaar auf der Ostseite, befand sich zum Zeitpunkt der Entdeckung noch auf dem Sarkophag. Sie ist wahrscheinlich durch eindringendes Regenwasser vor 1906/07 abgespült worden. Heute findet man auf dem alabasternen Sarkophag lediglich noch Farbspuren. Der Sarg befindet sich noch immer im Grab.
Tem trägt zahlreiche Titel. Darunter die einer Königsgemahlin und Königsmutter, auch in einer neuen - auch später nur selten gebrauchten Form - als "Mutter  des Königs von Ober- und Unterägypten" mw.t nswt mw.t bit und "Gemahlin des Königs von Ober- und Unterägypten" Hm.t nswt bit.

Der 9 m lange Dromos  mit einem Gefälle von ca. 30° ist sehr sauber in den anstehenden --> Taffl  geschnitten. Der daran anschließende 1,5 m breite und 2,3 m hohe Korridor fällt lediglich mit einem Gefälle von 18° ab. Der Übergang von Dromos zu Korridor wies keinerlei Spuren einer Tür oder eines Verschlußes auf. Fast am Ende des Korridores befindet sich eine leichte Ausbuchtung, die wahrscheinlich zur Aufnahme einer Verschlußplatte oder Blockierung diente. Am Eingang zur Grabkammer fanden sich einige Sandsteintrümmer die dazu gedient haben könnten. Die nur roh aus dem Gestein gehauene Grabkammer am Ende des Korridores verbreitert den Korridor nach Süden. Sie hat eine flach gewölbte, nord-süd-verlaufende Decke. Die 4,1 x 4,4 m große Kammer ist fast gänzlich vom Alabastersarkophag gefüllt. Dieser ist in eine 75 cm tiefe Grube im Boden eingelassen und steht nicht parallel zu den Wänden der Kammer.
Der Sarkophag besteht aus einer Bodenplatte (3,3 m lang, 1,5 m breit und 32-35 cm hoch)  aus Sandstein in die flache Rinnen zur Aufnahme der Wandplatten eingearbeitet sind. Diese 1,75 m hohen Platten sind aus grobkörnigem Alabaster der zahlreiche Unebenheiten aufweist hergestellt. Ausgebrochene Stellen sind mit Gips geflickt. Die Platten waren miteinander verzahnt. Er ist wohl bei einem Erdbeben auseinandergerissen worden und wird heute durch modernes Eisen zusammengehalten (Arnold, Mentuhotep I, S. 54). Ein Deckel wurde nicht gefunden.
Das Grab wurde im März 1859 von Dr. Lorange und C.C. Graham im Auftrag von Lord Dufferin freigelegt und später nochmal geöffnet von G. Maspero (1883), Naville und Winlock. 1968 wurde es im Laufe der Arbeiten des DAI gesäubert. Bei seiner Entdeckung 1859 war es bereits geplündert. Wenig ist noch vorhanden gewesen so (Zitat Arnold, Mentuhotep I, S. 54): "... werden >a gilded book or scroll< mit dem Namen des Königs erwähnt sowie >a manuscript on cloth covered with a preparation of chalk on which were stamped the characters and then the whole had been covered with a gold leaf<". Leider sind diese Funde verloren.
Das Grab dient heute als Magazin und ist mit einer Tür verschlossen. Zusätzlich liegt der Eingang nun (siehe obiges Foto) unter Sand und Schutt verborgen.
Während der Entstehung des Säulensaales im Westen des Totentempels (um das Jahr 42 Mentuhotep Nebhepetres) hat man eine Planänderung vollzogen und das Grab der Tem in diesen Komplex eingepasst. Die Planänderung ist im Boden aufgrund von Ritzlinien zur Verteilung der Säulenbasen nachzuvollziehen. Die ursprüngliche Weite von 4 Ellen zwischen den Säulen reichte nicht aus um den Sarkophag der Tem in ihr, zwischen den ersten beiden Säulenreihen von Süden her gelegenes, Grab einzubringen. Der Abstand zwischen diesen Säulen wurde um 22,5 cm verbreitert, indem man die südlichste Säulenreihe etwas weiter nach Süden verschob. Um eine Symetrie herzustellen wurde dann auch der Abstand der entsprechenden Säulenreihe im Norden verändert. Der so gewonnene Säulenabstand reichte aus um den Sarkophag in das Grab zu bringen.
In der Höhe der Oberkante des Sarkophages ist ein umlaufendes Gesims in die Wände der Kammer gearbeitet. Vermutlich diente es dazu die Bodenplatten des Raumes aufzunehmen. Der komplette Sarkophag wird, wie in dieser Zeit öfter belegt, somit in den Boden eingelassen gewesen sein. Arnold (Mentuhotep I, 54 Anm. 145) überlegt, ob es einen Deckel zu dem Sarkophag überhaupt gegeben hat, oder ob die Bodenplatten ihn eventuell verschlossen haben.
Bei den Arbeiten des DAI wurde 1968 ein Fragment (38,5 cm hoch, 21,5 cm breit und 9-11 cm stark) einer Opferplatte aus Kalkstein mit Namen und Titel der Tem im Schutt des Säulensaales gefunden. Es zeugt von einem Totenkult für sie.

hier geklaut


Quelle:
Arnold, Dieter: Der Tempel des Königs Mentuhotep von Deir el-Bahari. Band I. Architektur und Deutung. Mainz 1974
Roth, Silke: Die Königsmütter des Alten Ägypten von der Frühzeit bis zum Ende der 12. Dynastie. Wiesbaden 2001

Eingestellt durch: naunakhte (15.07.2006)
Bearbeitet durch: -


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