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  Jugendlocke
Als "Jugendlocke" bezeichnet man eine Kinderfrisur, bei der das Haar auf einer Seite meist zu einer Flechte mit eingerolltem Ende zusammengefasst über das Ohr hinabhängt (siehe Bild des Chons am Ende des Eintrages). Das übrige Haar wird abrasiert, kurz geschnitten, oder als Löckchenfrisur angeordnet.

Bereits im AR (z.B. in einem Grab in Mostagedda - heute An Nazlah al-Mustajiddah - aus der 6. Dynastie; Shaw, Nicholson) lässt sich diese Kinderfrisur nachweisen.
Im Laufe der Zeit wandelt sich dieser klassische Zopf. So tauchen im MR bereits mehrere Zöpfe auf einer Kopfseite oder beidseitig auf. Im NR wird die Flechte in der Regel durch einen breiten, gebundenen Schopf ersetzt (siehe Fotos Luxortempel und Medinet Habu).
Diese Frisuren sind zu keiner Zeit auf Königskinder beschränkt.

Anfänglich finden wir die Jugendlocke nur bei Knaben, ab der 12. Dynastie (Müller, Frauenfrisur, S. 66) auch bei Mädchen, bei denen sie sich im Neuen Reich einer besonderen Beliebtheit erfreute (z.B. bei der Prinzessinnenprozession der Töchter Ramses II. im Luxor-Tempel; siehe folgendes Foto).


- Vollbild -

Prozession der Kinder Ramses II. im Luxortempel
Foto: Iufaa


In Medinet Habu, aus der Zeit Ramses III., erkennt man deutlich Unterschiede zwischen der männlichen und weiblichen Jugendlocke. So ist die Haartracht der Damen länger. Dies zeigt sich bei genauer Betrachtung bereits in der obigen Szene aus dem Luxortempel.

- Vollbild -

Fotomontage zweier Szenen aus Raum 1 in Medinet Habu
Foto: nauna


In der Amarnazeit taucht eine besondere Variante auf. Der Zopf wird zu einem ungebundenen Schopf. Dieser ist glatt, gesträhnt oder auch gelockt und endet mitunter in Fransen (Müller, Frauenfrisur, S. 48). Dieser ungebundene Schopf kann sich in seltenen Fällen auf jeder Seite des Kopfes befinden.

JE 48035; unfertiges Bildhauermodell aus Amarna; Prinzessin, eine Ente essend
Foto aus: Steffen Wenig, Die Frau im Alten Ägypten, Leipzig 1970 Tf. 64


Darüber hinaus gehört die Jugendlocke zur Tracht jugendlicher Götter ( --> Chons) und Priester (Iunmutef), die bei Kulthandlungen eine Kindesstellung zu einer Gottheit einnehmen.


Chons mit Jugendlocke
Foto: Haremhab



Quelle:
Müller, Christa: Jugendlocke, in: Lexikon der Ägyptologie, Bd. III. Wiesbaden 1975-86, Sp. 273f
Müller, Christa: Die Frauenfrisur im Alten Ägypten, unpubl. Diss. Leipzig 1960
Shaw, I., Nicholson, P., The British Museum Dictionary of Ancient Egypt. Cairo 1995

Eingestellt durch: Iufaa (14.07.2008)
Bearbeitet durch:  naunakhte (15.07.2008)


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