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   Architektur & Kunst (459)
   Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte (50)
  Autor/in  Thema: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte IMG_9494.JPG - 111,14 KB
« Antwort #15, Datum: 04.01.2006 um 16:30:59 »   

@ Chufu

Danke für die Gesamtansicht. Ich konnte nun zur Orientierung wenigstens Fenster abzählen.



Während mir (wie so oft) die Übersichtsbilder fehlen, mangelt es aber nicht an Detailaufnahmen.
Der Absatz im rechten Bildrand auf der Aufnahme bei Grossman ist inzwischen abgetragen (er ist somit nur noch auf der Südseite der Kirche vorhanden). Hier hat es sich wohl tatsächlich um das für die Kirche aktuelle Bodenniveau gehandelt.
Eine aktuelle (Nov. 2005) Ansicht der zugemauerten Eigangstür zeigt denke ich deutlich, dass die Steine in den tieferen Lagen wohl lediglich Fundamentmauern sind.

Gruß
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2006 um 13:09:22  Gehe zu Beitrag
Dirk  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte 
« Antwort #16, Datum: 05.01.2006 um 17:33:30 »   

Hallo Naunakhte, Monja, Chufu,

zunächst einmal Danke für die hilfreichen Abbildungen und Literturexzerpte (für mich ist es schwer, an ägyptolog. Zs.-Artikel zu kommen). Die Beiträge bringen mich bei meiner Suche nach der nachantiken Sandstratigraphie einen großen Schritt weiter, weil ich mich jetzt besser für die "2. Expedition" vorbereiten kann. Der Korrektur der Kirchendatierung kann man nurzustimmen.

Es sieht so aus, als ob der byzantinische Begehungshorizont aufgrund der Kirchenschwelle +/- mit der Schwellenhöhe des Hatschepsut-Baus und grosso modo mit der Oberkante der Statuensockel 11 - 9 bzw. ungefähr mit der 1. Säulentrommel (anschwellend, über der Plinthe) zusammenfällt.

Ein auf diesem byzantinischem Bodenniveau stehender Ägypter, hätte "über Kopf" arbeiten müssen, um die fast durchwegs erst bei der Stoßfuge der 3. Säulentrommel beginnenden Schleifmulden anbringen zu können. Die unteren Schleifmulden wären somit nachbyzantinisch. Einzige Ausnahme sind die Schleifrillen bei der Statue 9: hier liegen sie auf der 2. Säulentrommel, also knapp über dem vermutlichen, byzantinischen Hofniveau. Sie gehen auch nicht so breit um die Trommel herum, wie bei den anderen Säulen, sondern scheinen sich auf den Bereich des Suchschnitts des 19. Jhs. zu beschränken (siehe den Bildauschnitt beim Zangaki-Foto).

Das mag ein Zufallsbefund sein, könnte aber auch auf eine inverse Stratigraphie hindeuten. Bevor ich aber hier zum
spekulieren anfange, will ich mir die Sache Ende Jänner doch noch vor Ort - mit einem Taschennivellier bewaffnet - näher anschauen. Dies nur zur Erklärung, warum mir der Ausschnitt bei 9 so wichtig war. Ich werde mich daher vermehrt auf die Suche nach Schleifmuldengruppen, die auf zwei unterschiedlichen Höhenniveaus liegen, begeben, denn nur so ist die Fragestellung zu lösen. Beispiele dafür gibt es ja offensichtlich genug (zB Edfu). Falls das Thema nicht off-topic ist/wird - dann mehr davon später.

Grüße, Dirk
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2006 um 16:30:59  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte 
« Antwort #17, Datum: 05.01.2006 um 17:49:35 »   

Hi,

dann würde ich mal alle Bauten auf den Besuchsplan setzen,

z.B. auch Medinet Habu. Die linke Abbildung zeigt die Nordflanke des 2. Pylons mit Wetzspuren in unterschiedlichen Höhen. Wenn man mal drauf achtet, wird man jede Menge dieser Spuren finden, ich habe beim Durchsehen meiner MH-Fotos auf Anhieb 2 Stellen gefunden. Die hier passen sicher zu der Annahme, dass die Wetzspuren zu unterschiedlichen Zeiten - bedingt durch unterschiedlich hohe Verschüttungsniveaus entstanden sind.
Übrigens setzen sich die Spuren auf der ganzen westlichen Flanke der Nordseite fort - und zwar bis in die 4. oder 5. Steinlage.

Die rechte Abbildung zeigt den berühmten Friedensvertrag im Karnak-Tempel, ebenfalls in unterschiedlichen Höhen mit Wetzspuren veziert.

Gruss, Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 05.01.2006 um 17:33:30  Gehe zu Beitrag
Karina  weiblich
Member

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte 
« Antwort #18, Datum: 05.01.2006 um 20:48:07 »   

Hallo Dirk,

auf einer Wüstentour haben wir in der Oase Dachla ebenfalls diese Schleifrillen entdeckt. Und zwar in Balat, einem alten Dorf, dessen Dorfkern sehr gut erhalten ist und lt. Tondok auf mamlukische Zeiten (1250-1517) zurückgeht. Die Gebäude bestehen fast ausschließlich aus Lehmziegelsteinen, ab und zu sind aber im unteren Bereich Kalksandsteine eingemauert. In diesen waren an einer Hauswand die Schleifrillen ganz deutlich zu erkennen. Es war ein ganz "normales" Haus, also kein durch seine Funktion hervorgehobenes Gebäude.

Das legt für mich die Vermutung nahe, dass ggf. viel zu viel in diese Rillen hineininterpretiert wird, da sie sonst üblicherweise nur an Tempelbauten o.ä. zu finden sind.

Kann es nicht vielmehr sein, dass die Schleifrillen bis auf ganz seltene Ausnahmen nur an solchen mächtigen Bauten bis in die heutige Zeit erhalten geblieben sind? Der Rückschluss auf einen funktionellen oder sonstwie gearteten Zusammenhang mit den Gebäuden, in deren Wänden sie zu finden sind, scheint mir nach unserem o.g. Fund eher fraglich.

Gruß, Karina
> Antwort auf Beitrag vom: 29.12.2005 um 15:11:42  Gehe zu Beitrag
Geistsucher  maennlich
Member

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte 
« Antwort #19, Datum: 05.01.2006 um 21:28:01 »   

Das ist archäologisch wertvoll, liebe Karina.

Vielleicht verrät uns Dirk bereits an dieser Stelle
(- zeitgenössische Literatur ? -), wem und welchem Zweck
man bislang diese Schleifmulden zuschreibt ?
(Der "volksmedizinische Aberglaube" kommt mir arg über-
interpretiert vor ...  Sie erinnern mich an steinzeit-
liche Schriftzeichen   )

Viele Grüße
Geistsucher
« Letzte Änderung: 05.01.2006 um 21:50:41 von Geistsucher »
> Antwort auf Beitrag vom: 05.01.2006 um 20:48:07  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte 
« Antwort #20, Datum: 05.01.2006 um 21:30:05 »   

Geistsucher,

wenn Du fähig und willens wärst die Beiträge zu lesen, dann wäre Dir nicht entgangen, dass er noch nach Erklärungen sucht und zur Zeit nur eine Materialsammlung macht.

Iufaa
> Antwort auf Beitrag vom: 05.01.2006 um 21:28:01  Gehe zu Beitrag
Lutz  maennlich
Member

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte LAe_-_Dachla_-_Balat.jpg - 85,80 KB
« Antwort #21, Datum: 06.01.2006 um 00:06:51 »   

Hallo Karina,
Hallo zusammen,

Zitat:
auf einer Wüstentour haben wir in der Oase Dachla ebenfalls diese Schleifrillen entdeckt. Und zwar in Balat, einem alten Dorf, dessen Dorfkern sehr gut erhalten ist und lt. Tondok auf mamlukische Zeiten (1250-1517) zurückgeht.
Die Gebäude bestehen fast ausschließlich aus Lehmziegelsteinen, ab und zu sind aber im unteren Bereich Kalksandsteine eingemauert.

welche wohl offensichtlich Trümmer / Bestandteile viel älterer Gebäude aus pharaonischer Zeit sein dürften (siehe dazu Anhang in diesem Post, aus: LÄ, Bd.I, S.977).

Gruß, Lutz.
> Antwort auf Beitrag vom: 05.01.2006 um 20:48:07  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte 
« Antwort #22, Datum: 06.01.2006 um 13:43:28 »   

Hallo Lutz,

sicherlich sind die in den Häusern der Oase Balat vermauerten Kalksteinblöcke Spolien früherer Bauten. Die Frage wäre hier vorrangig WANN die Wetzspuren an die Steine kamen - vor oder nach der Wiederverbauung.

Gruß nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 06.01.2006 um 00:06:51  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte 
« Antwort #23, Datum: 06.01.2006 um 13:51:36 »   

Hallo Dirk,

du merkst schon, dass Thema interessiert mich

Vorab eine Frage?
In unserem heimischen Gebiet finden wir die Spuren an alten Kirchen. Heilige Stätten. Ihnen eine heilende Wirkung zuzuschreiben liegt nahe. Profanbauten des Mittelalters sind nicht in Massen vorhanden. Mir fehlt da gerade der Überblick: finden wir auch dort Wetzscharten?

Dann möchte ich einen ähnlichen Einwand anbringen wie Karina. Nämlich nach dem Anbringungsort dieser Wetzspuren in Verbindung zu Orten die für den volksmedizinischen "Aberglauben“ von Interesse wären.
Allerdings bin ich nicht so weitgereist und verbleibe im Luxortempel.

In Ägypten haben wir bisher diese Spuren an den Tempeln beobachtet. Den alten Tempeln der Vorfahren, der Pharaonen,  eine heilende Wirkung anzudichten liegt ähnlich nahe wie bei unseren Kirchen.
Wie passt das aber zu Spuren an römischen, profaneren Denkmälern?
Im Luxortempel wurde ein römisches Kastell gebaut, dass dem Ort den Namen gab. Reste dieses Kastells findet man um den Tempel noch recht zahlreich.
Im Osten hinter der Tempelanlage befindet sich ein öffentlicher Park (kostet Eintritt), der Heute zu der Abu el-Hagag Moschee gehört. Durch diesen Park führte eine Straßenkreuzung des röm. Lagers. Reste dieser Strasse sind ausgegraben und können im Park besichtigt werden. Die Tetrastylen dieser Kreuzung sind hier besser erhalten als auf der Westseite. Ich hänge dir 2 Bilder, und zur Orientierung einen Plan (aus Saghier, Le Camp Romain …) an. Deutlich hast du hier deine Wetzscharten in 2 Höhen angebracht. Ob man diese Tetrastylen allerdings als heilig/heilwirksam für den volksmedizinischen "Aberglauben" annehmen darf weiß ich nicht. Mein „Bauchgefühl“ würde nicht nur die Zeit der römischen Besatzung von pharaonischen Hinterlassenschaften trennen, sondern auch eine Straßenkreuzung von einem Tempel.

Eine Aussage zum Niveauvergleich mit den Spuren innerhalb des Tempels kann ich nicht treffen. Ein direkter Blick zu den bereits besprochenen Spuren im Ramses II. Hof ist nicht möglich.

Gruß
nauna
> Antwort auf Beitrag vom: 04.01.2006 um 16:30:59  Gehe zu Beitrag
Dirk  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte 
« Antwort #24, Datum: 06.01.2006 um 14:20:56 »   

Sammelantwort

Hallo Naunakhte, Danke für die Kurznachricht, ich komme gerne darauf zurück (kenn' mich mit dem Kurzmeldungssystem noch nicht aus, daher meine Antwort auf diesem Weg)

ad #17
Hallo Jufaa,

Zitat:
dann würde ich mal alle Bauten auf den Besuchsplan setzen

... und nicht nur wegen der Wetzrillen. Wird wohl eine 3. Expedition werden

Dein Medinet Habu - Beispiel ist insofern interessant, weil es ein kontinuierliches Ansteigen der Wetzrillenstraten zeigt. Das wäre - vorsichtig interpretiert - ein Beleg für ein Kontinuum an diesem Ort. Für die Datierungsfrage sind natürlich jene Stellen von Bedeutung, wo es einen signifikanten Höhensprung gibt - sofern es gelingt, dort die oberen und unteren Rillenhorizonte mit einer absoluten Chronologie in Verbindung zu bringen (vgl. Deine Abb. zu Karnak .

ad #19 bzw. #20 - Dank an Jufaa für die Hilfestellung. Hallo Geistsucher,
Es geht mir z. Zeit überhaupt nicht um die Frage, wozu diese Wetzrillen angebracht wurden. Ich verhalte mich da gegenüber den Interpretationsversuchen, von denen einige wirklich absurd sind, neutral. Mir geht es zunächst nur um die zeitliche Einordnung eines Faktums bzw. Befundes. Eine kleine Link-Sammlung von Webseiten findest Du im
"Zettelkasten", wohin ich auch die alten Infoseiten als Serverspiegelung verfrachtet habe. In den Links sind jene Webseiten angegeben, welche so ziemlich die gesamte Bandbreite der Hypothesen zum Thema europäische Wetzrillen und wo man dann auch Literatur findet. Über die ägyptischen Wetzrillen habe ich bisher keine Links gefunden.

ad #18 und #21
Hallo Karina und Lutz,

Die Fotos von Dachla zeigen einen wunderschönen Befund. Schreibtisch- und Fotoarchäologie ist naturgemäß immer eine gefährliche Sache, aber angesichts dieses Befundes würde ich folgendes sagen:

Die sporadisch eingestreuten Steine in der Lehmarchitektur riechen förmlich nach Spolien, aber ungeachtet dessen, ob sie nun ägyptisch oder später sind, ist für eine Datierung der Wetzrillen der Befund im rezenten Bauverband relevant. Die beiden Pfostenlöcher  sind zeitgleich mit der Lehmarchitektur (primäre Pfostenlöcher, weil sie ein "Überlager" haben). Die Wetzrillen sind senkrecht und stehen zueinander in Bezug, stammen also nicht aus der Zeit vor der Dislozierung, sondern wurden in situ angebracht. Wahrscheinlich sind sie auch jünger als die Lehmarchitektur, das könnte man aber nur klären, wenn man die Funktion der Pfostenlöcher wüßte. Es sieht nämlich ganz so aus, als ob die Wetzrillen erst angebracht wurden, als die Holzpfosten nicht mehr existierten. So betrachtet (oder spekuliert?) landen wir also wieder bei einer relativ jungen Datierung.


Zitat:
Kann es nicht vielmehr sein, dass die Schleifrillen bis auf ganz seltene Ausnahmen nur an solchen mächtigen Bauten bis in die heutige Zeit erhalten geblieben sind?


Diese Frage ist berechtigt. Wahrscheinlich haben sich noch viel mehr Wetzrillen an "unwichtigen" Bauten erhalten - allen, es hat sich niemand die Mühe gemacht, sie zu beachten. Jedenfalls gibt es bei den europäischen Bauten zahlreiche Belege an anderen Denkmalen wie Pranger, Gerichtsgebäude usw. Stets jedoch sind es Bauwerke, die offensichtlich als "bedeutungsgeladen" (Stichwort: Rechtsaltertümer) und "alt" angesehen werden. Wie schaut das bei den bisher genannten ägyptischen Beispielen aus: an kratzt an den antiken Anlagen herum, nicht jedoch an den christlichen Einbauten. Das setzt vermutlich ein gewisses "historisches" Verständnis für das (vermeintlich?) hohe Alter der beschürften Bauteile voraus. Möglicherweise kann dies auch für Profanbauten oder Nutzarchitektur gelten, wenn man sie nur für ehemals bedeutend ansieht.Was man heute da überinterpretiert muß sich nicht mit irgendwelchen Gedankengängen der Mauerkratzer decken. Leider kann man Gedanken nicht ausgraben. Zum oft zitierten profanen Messer- oder Sichelschärfen hätte man sich nicht unbedingt auf die Tempelanlagen stürzen müssen. Außerdem läßt sich daraus technisch nicht die Form der Wetzrillen ableiten.

Grüße
Dirk

P. S.: obiges bezieht sich noch auf die Nachrichten von gestern. Heute war anscheinend der Server down
> Antwort auf Beitrag vom: 06.01.2006 um 00:06:51  Gehe zu Beitrag
Dirk  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte 
« Antwort #25, Datum: 06.01.2006 um 15:07:40 »   

Hallo Naunakhte,
Dein Beitrag und Deine Fragen gingen "über kreuz" mit meiner vorbereiteten Sammelantwort. Einen Teil habe ich dort schon angesprochen.


Zitat:
Profanbauten des Mittelalters sind nicht in Massen vorhanden. Mir fehlt da gerade der Überblick: finden wir auch dort Wetzscharten?


Ja, aber sehr viel seltener. Ich bin schon lange in der ma. Bauforschung tätig und vor allem die "kirchlichen Wetzrillen" und ihre Interpretation - die mich nie richtig überzeugt hatte - sind mir bekannt. Bei vielen Untersuchungen auf Burgen und in ma. Bürgerhäusern (insbesondere in Salzburg)sind mir äußerst selten Wetzrillen untergekommen. Es gibt sie aber offensichtlich auch in D, wie schon die paar von mir im Vorposting genannten Links belegen. Ich habe die Wetzrillen bisher "einfach links liegen gelassen", bis ich die zweiphasigen in Ägypten sah.


Zitat:
Ob man diese Tetrastylen allerdings als heilig/heilwirksam für den volksmedizinischen "Aberglauben" annehmen darf weiß ich nicht. Mein „Bauchgefühl“ würde nicht nur die Zeit der römischen Besatzung von pharaonischen Hinterlassenschaften trennen, sondern auch eine Straßenkreuzung von einem Tempel.


Genau da liegt m. E. ein springender Punkt: Die Rillenschleifer hatten es möglicherweise auf "Altertümer" abgesehen. Ob sie dabei römisches von ägyptischen unterschieden haben, wäre zu überdenken. Es mußte ihnen nur wichtig (für ihre Magie im weitesten Sinne) erscheinen. Dies ist mit ein Grund, warum ich annehme, daß die ägyptischen Wetzrillen vielleicht doch jüngeren Datums (nachmittelalterlich?) sind. Daher meine Suche nach datierbarem Material.

Was die für uns aus heutiger Sicht scheinbar so grotesk anmutende Vorstellung einer aus "Altertümern" gewonnenen Steinmehlmedizin betrifft: hat man nicht im Zuge der sogenannten Ägyptomanie vermehrt Mumien für medizinische Zwecke pulverisiert und zum Unheil der Archäologie nach Europa exportiert? Das wäre doch eine mögliche Analogie zum Verhalten der Rillenschleifer. Über den daraus resultierenden Datierungsansatz getraue ich mich hier lieber noch nicht laut nachzudenken  

Deine Bilder sind interessant: der Höhensprung der Wetzrillen-Horizonte deckt sich offensichtlich mit dem Typus des architektonischen Bauglieds. In beiden Fällen geht das irgendwie mit der Hohlkehle des Sockels zusammen. Der Höhensprung wäre dann nicht unbedingt zeitlich bedingt, sondern unter Umständen technisch.

Aufgrund der Fotos könnte man aber auch annehmen, daß hier wieder einmal die Rillenniveaus mit dem Geländeprofil korrespondieren: Knapp über dem römischen Pflaster und an der (allerdings rezenten?) Humusoberkante.

Wie man sieht, muß man hier viel von den Befunden her arbeiten. Das wird noch ein langer Weg ...

Grüße
Dirk
> Antwort auf Beitrag vom: 06.01.2006 um 13:51:36  Gehe zu Beitrag
naunakhte  weiblich
Moderatorin

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte noerdl-ostwand.JPG - 73,21 KB
« Antwort #26, Datum: 06.01.2006 um 16:14:56 »   

Hallo Dirk,



Zitat:
Dies ist mit ein Grund, warum ich annehme, daß die ägyptischen Wetzrillen vielleicht doch jüngeren Datums (nachmittelalterlich?) sind. Daher meine Suche nach datierbarem Material.


Plane mal viel Zeit für den Luxortempel ein. Auf der Suche nach den Rillen wirst du mit überreichem Material belohnt werden.

Versäume auch nicht einen Blick auf die östliche Aussenwand des Ramseshofes (Nordhälfte - Bild hängt an). Hier bieten sich neben kontinuierlichen Rillenabfolgen auch Möglichkeiten die Stratigraphie des Geländes zu betrachten da wegen Arbeiten im Gelände zumindest im November 2005 schöne Schnitte zu sehen waren. Zudem bietet sich hier die Möglichkeit es in Höhenrelation zur Moschee zu sehen.

Gruß
nauna

die nun aber die "Materialsammlung" abschließt  
> Antwort auf Beitrag vom: 06.01.2006 um 15:07:40  Gehe zu Beitrag
Mubarek  
Gast

  
Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte 
« Antwort #27, Datum: 07.01.2006 um 00:51:30 »     

Ein befreundeter  Ornithologe erzählte mir einmal, dass es sich bei diesen Scharten um typische Wetzstellen handele; Stellen also, an denen bestimmte Vogelarten regelmäßig ihre Schnäbel wetzen. Die Tiefe der Scharten erklärt sich damit, dass die Tiere meist über Generationen die gleiche Stelle besuchen. Auch das Nebeneinander findet seine Begründung im "Gruppenwetzen".
Der Stein dürfe nicht zu hart sein und bevorzugt werde Kalkgestein. Die Wetzstellen finden sich in Europa zum Beispiel auch an weniger prominenten Stellen von Burgen und Kirchen, ebenso an Steilhängen; für den Vogel ist die Position dahingehend wichtig, dass sie ihm während seiner aufreibenden Tätigkeit einen Mindestschutz vor Räubern bietet.

Diese Erklärung ist zumindest eine Alternative; vielleicht trifft sie auf Luxor zu, vielleicht nicht.
« Letzte Änderung: 07.01.2006 um 00:56:03 von Mubarek »
> Antwort auf Beitrag vom: 06.01.2006 um 16:14:56  Gehe zu Beitrag
Haremhab  maennlich
Member

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte 
« Antwort #28, Datum: 07.01.2006 um 08:59:27 »   

Hallo Dirk,
ich möchte zur Materialsammlung zwei Bilder zeigen. Beide vom Isistempel in Luxor-West. Der Tempel stammt aus römischer Zeit, zumindest haben sich div. römische Kaiser verewigt.


Die drei Bilder zeigen einmal die Fassade (etwas unscharf, da Ausschnittsvergrößerung) mit Wetzrillen bis zu einer Höhe von rd. 2 Metern.

Das zweite Bild zeigt die Rückseite "Gegentempel". Dort befinden sich Wetzrillen nur auf der letzten Steinlage des Fundaments(?). Diese Rillen laufen übrigens rund um den Tempel.

Das dritte Bild ist dann eine Detailaufnahme der Rillen.

Vielleicht hilft es weiter.

Schönes Wochenende

Haremhab

p.s. es folgt noch ein Bild
> Antwort auf Beitrag vom: 06.01.2006 um 14:20:56  Gehe zu Beitrag
Haremhab  maennlich
Member

  

Re: Edfu - Luxor Frage zur jüngeren Geschichte Propylon-Ausschnitt.jpg - 160,87 KB
« Antwort #29, Datum: 07.01.2006 um 09:02:00 »   

Das angekündigt 4. Bild zeigt den Propylon. Hier befinden sich die Wetzrillen nur unterhalb der Reliefs.

Ich schließe daraus, dass die Reliefs in jedem Fall erhalten bleiben sollten, die Schrift aber war (weil sie nicht mehr verstanden wurde) unwichtig und konnte - wie in den vorherigen Bildern zu sehen - zerstört werden.

Haremhab
> Antwort auf Beitrag vom: 07.01.2006 um 08:59:27  Gehe zu Beitrag
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