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  Bes (Gott)
Bs


Bes ist der Schutzgott gegen Geister, Schlangen und Krokodile. Beschützer der Gebärenden und der Wöchnerinnen („Schlafzimmergott“).
Der Gott Bes ist eine zwergengestaltige Figur mit einem fratzenhaften Bart. Ursprünglich war er vermutlich ein Löwengott, da er den Schwanz, die Ohren und die Mähne eines Löwen besass, wobei allerdings nicht sicher ist, ob dies seine eigenen Körperteile waren oder Teile eines Löwenfells, das er möglicherweise getragen hat. Er war ein Schutzgeist, der dafür sorgte, dass keine Schlangen ins Haus kamen und der allgemein die bösen Geister vertrieb. Er war bei Geburten anwesend, um mit seinem Gesang und Tanz sowie durch den Klang der Tamburine oder Trommeln das Böse abzuwehren. Bes war besonders in der Spätzeit eine sehr beliebte Gottheit, die auf zahlreichen Gegenständen des Hausgebrauchs, wie z.B. Spiegeln, Toilettenartikeln, Parfumfläschchen und sogar auf Betten abgebildet war. Da er ebenfalls der Schutzgott der Toten war, waren die runden Kopfstützen der Mumien mit seinem Abbild verziert.
Seine Gefährtin war die Gottheit Beset, die als weiblicher Zwerg oder Schlange auftrat. Er soll aber auch mit --> Taweret (Toeris), der Göttin der Geburt, vermählt gewesen sein. Im Gegensatz zu den fast ausschliesslich im Profil dargestellten ägyptischen Göttern wird Bes gewöhnlich von vorne gezeigt. Diese Tatsache ist vielleicht darauf zurückzuführen, dass dieser Gott seinen Ursprung nicht in Ägypten, sondern im Sudan hatte.

Beitrag von "Gast" A., am 26.9.2003:
Wenn also Bes von vielen Autoren – offenbar in Unkenntnis seiner mythischen Rolle – als „Geburtsgott“ oder „Kinder- und Schlafzimmergott“ (so M. Görg in: Schulz/Seidel, Ägypten, Welt der Pharaonen, S. 443 Nr. 38) betitelt, oder als „Musikgott“ (Charvat, ZÄS 107, S. 46 betitelt ihn als „god of sensual pleasure“!!!) bezeichnet wird, so ist dies m.E. falsch! Denn hier wird zB. einfach das Musikinstrument des Gottes zur dominierenden Instanz inder Argumentation gemacht, ohne zu berücksichtigen, dass Musik im Kult dieselbe Funktion haben konnte wie ein Messer, nämlich die Abwehr der (Sonnen-) Feinde. Bes ist also kein Musikgott, nur weil er auf einem Instrument spielt. Die Form „Instrument“ hat also nicht den Inhalt „(erheiterndes bzw. funktionsloses) Musizieren“ sondern „Feinde abwehren“ (Dass Musik eine solche apotropäische Funktion haben kann, ist für moderne Westeuropäer in Zeiten von Britney Spears ja nur bedingt nachvollziehbar). Und das ist doch gleich eine ganz andere Bedeutungsebene, auf der wir uns da bewegen.

Neben der Musik ist es auch der Tanz der Bes immer zugesprochen wird. Dass Bes trotz der Bes-Tattoos auf den Beinen von Tänzerinnen kein lustiger Tanzbär ist, erklärt sich daraus, dass auch der Tanz zum Tempelkult und als apotropäisches Mittel galt (Im Sonnenmythos gehörte der Siegesjubel und -tanz über die Sonnenfeinde zum Festprogramm).

Die Wiedergabe eines Bes auf einem Handgelenkschutz eines Bogenschützen der Pan-grave-Kultur (Brunton, 1937, S. 128) wäre in seiner Rolle als „Kinder- und Schlafzimmergott“ oder als „Musiker- oder Tänzer“ wohl kaum zu erklären. Seine Rolle als Kämpfer gegen die Sonnenfeinde gibt aber auch diesem martialischen Kontext einen Sinn.

Selbst die Messerform der --> Apotropaia verweist konsequent auf den Sonnenmythos. Re verteidigt sich beim Kampf im „See der Messer“ mit „Krummhölzern“ (Sethe, Pyramidentexte § 908b) und Messern (De Morgan, Kom Ombos II, S. 231 Nr. 293) gegen seine Feinde.

Einer bedauernswerten Analysemethodik wird Bes zumeist auch in der Erscheinung sogenannter Bes-Jugs unterzogen. Diese, mit Bes-Köpfen/Szenen dekorierten Gefäße (Besiakon), sollen nach der Meinung der meisten Befürworter der „Kinder- und Schlafzimmer“-Fraktion (zB. Doetsch-Amberger) berauschende Lotus-Getränke enthalten haben (so ja Homer in der Ilias!), die dann von Gläubigen durch Strohhalme konsumiert wurden (moderne Parallelen kennen wir aus Mallorca und Ibiza) um sich völlig bewußtlos zu trinken oder ausgelassen zu musizieren (Grunge?).
Woher kommt diese Meinung? Nun, auf vielen dieser Gefäße sind Lotos-Blüten und/oder Lotusdickichte abgebildet sowie tanzende/musiziernede Bes-Figuren. Der Lotus ist aber auch Symbol für --> Harpokrates bzw. das Sumpfdickicht der mythologische Zufluchtsort des jungen Sonnengottes und die Fundsituation der Gefäße spricht für einen kultischen Hintergrund (zB. im Magazinbereich des Ramesseums).
Wir müssen also den Ägyptern kein Drogenproblem unterstellen um die Darstellung zu interpretieren. Die Verbindung zum kultischen Fest und Mythos sollte also immer gesucht werden, um nicht Belege singulär zu interpretieren.

Besonders schlimm wird es, wenn selbst in einem „Handbook of Egyptian Mythology (Geraldine Pinch, Oxford 2002, S. 118-19 ) der erste Satz gleich mit „Bes and Beset were protective dwarf deities closely associated with childbirth and rebirth“ beginnt und dann am Ende nur noch ein Nebensatz über seine Rolle im Sonnen-Mythos verloren wird. Hier hat sich diese leichtfertige Interpretations-Methodik bereits verselbständigt und dazu geführt, dass völlig abseits der Belege und archäologischen/textlichen Daten diskutiert wird. Hier ist Bes bereits zum „Kinder- und Schlafzimmergott“ geworden. Auch Koch (Geschichte der ägyptischen Religion, Köln 1993, S. 551 ) leitet das Kapitel „Bes“ mit den Worten ein: „Von Haus aus ein schützender Dämon für das Schlafzimmer und die damit zusammenhängenden Vorgänge von Geburt und Kinderpflege...“ und als wenn das nicht genug wäre: „Unter dem Beinamen Hit wird er zum göttlichen Vorbild für Musik und Tanz“. Das wars!!! Zu dem mythologischen Hintergrund kein Wort. Das ist oberflächlich und verleitet bei solcher „Standardliteratur“ zu kritiklosem Abschreiben. Dadurch verfestigt sich dieses fundamentlose Gedankengebäude weiter.

Ein weiteres und letztes Beispiel zu Bes:
Doetsch-Amberger ( in: Festschrift Derchain, 1991, S. 126 ) kommt in ihrer Untersuchung zu „Bes auf der (Lotos)Blüte“ zum Schluss:
„Durch seine Verbindung mit dem Lotos, einem Symbol der Fruchtbarkeit, läßt sich erklären, daß man von „Bes auf der Blüte“ auch Fruchtbarkeitssegen erwartete.“
Pech, dass sie selbst eingestehen muss, dass „Bes als Fruchtbarkeitsgott allerdings nicht belegt“ ist. Auch hier werden nach einer einfachen Milchmädchenrechnung alle sichtbaren Einzelsymbole nach dem Schema 1+1+1+1... zusammengezählt und dann wild drauf los interpretiert (Hallo, Hermeutik? Wo bist du geblieben?)
Dass der Lotos als Symbol für Harpokrates bzw. dessen Geburt im Binsengefilde und den „Seen der Vernichtung“ steht und somit die ursprüngliche Funktion des Gottes Bes als Beschützer des jungen --> Horus – also ein solarer Mythos – auch hier zutage tritt wird einfach nicht wahrgenommen, weil die obige Interpretation Frau Doetsch-Amberger so gut in das Konzept der „persönlichen Frömmigkeit“ der ausgehenden Ramessidenzeit passt, in der eh alle Götter irgendie alle Funktionen haben konnten, die sich der Betende erwünschte.





Quelle:
diverse;
Beitrag von "Gast " A

Eingestellt durch: semataui (15.05.2003)
Bearbeitet durch:  semataui (13.05.2005)


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