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  Pamyle
Nach Herodot II. 48 feierten die ägyptischen Frauen zu Ehren des Dionysos, das heisst des Osiris, ein Fest, bei dem sie unter Flötenspiel und Gesang Bilder des Gottes mit großem beweglichen Glied mit sich führten. (1)
Plutarch, der de Is. 12, 36 gleichfalls auf dieses Fest anspielt, nennt es Pamylien und vergleicht es den dionysischen Phallephorien.
Der Sinn der Bilder ist deutlich. In dem Glied, das bald als membrum mortuum, bald als membrum vivum erscheint, stellt sich das Sterben und Wiedererstehen des Gottes dar. Diese Symbolik entsprach auch dem offiziellen Kult, das belegen ithyphallische Darstellungen des Osiris. Allerdings wurde es hier nicht so derb konkretisiert, wie wie es die dargestellte Beweglichkeit des Gliedes zeigte. Nach Plutarch trugen Frauen zur Musik Phallusabbilder herum.
Diese Darstellungsweise war Volksfesten vorbehalten wie es wohl recht eindeutig die Pamylien waren, ein sicher wohl ländliches Fruchtbarkeitsfest. Dies erklärt auch, daß wir aus den ägyptischen Überlieferung nichts von ihnen erfahren.

Die Bezeichnung Pamylien geht auf den Namen Pamyles oder richtiger Paamyles zurück. Nach Plutarch wäre dieser Paamyles ein Thebaner gewesen, der auf eine Stimme, die beim Wasserholen aus dem Tempel des Amun zu ihm drang, die Geburt des Osiris verkündete und ihn dann auf Geheiß des Geb aufzog. (2)
Möglicherweise ist Paamyles der Name eines Lokalgottes gewesen, der mit Osiris verschmolzen wurde, indem man ihn diesem beigesellte oder geradezu als eine lokale Sonderform des Osiris begriff.

Eine andere Ableitung von Pa(a)myle kann sein, das es auf das ägyptische "p3 ª3mrwt , den Diener des großen Gottes der Liebe (Osiris)" zurückgeht.



(1) Herodot, HISTORIEN, ZWEITES BUCH

Zitat:
"...Dem Dionysos schlachtet ein jeder am Vorabend des Festes ein Ferkel vor der Tür und schenkt dies Ferkel demselben Schweinehirten, der es geliefert hat, zum Mitnehmen. Sonst aber feiern die Ägypter das Dionysosfest fast genau so wie die Hellenen, nur ohne Chöre. Statt der Phallen aber haben sie sich was anderes ausgedacht, Figuren etwa eine Elle groß, mit einer Schnur, daran zu ziehen, und die tragen die Frauen in den Dörfern umher, und das Glied liebt und senkt sich, und es ist nur ein wenig kürzer als die ganze Gestalt. Voran zieht die Flöte, und die Frauen folgen hinterdrein und besingen Dionysos. Warum der aber ein so großes Glied hat und nur das sich am Körper bewegt, darüber erzählt man eine heilige Geschichte.

Ich bin nun zu der Ansicht gekommen, dass dem Melampus, dem Sohn Amythaons, diese Feier nicht unbekannt war, sondern wohl vertraut. Wer nämlich bei den Hellenen Dionysos' Namen und Opferfest und seine Phallos-Prozession mit den einzelnen Riten eingeführt hat, das war gewiß Melampus; allerdings hat er die Kultgeschichte nicht ganz genau verstanden und dargestellt, sondern kluge Leute, die nach ihm kamen, haben sie in weiterem Umfang dargestellt. Doch den Phallos, der Dionysos zu Ehren im Festzug herumgeführt wird, den hat schon Melampus als Ritus eingeführt, und von ihm haben die Hellenen gelernt zu tun, was sie tun. Und ich behaupte nun, Melampus ist ein gelehrter Mann gewesen und hat sich seine eigene Seherlehre zurechtgelegt, und was er von Ägypten hörte, das lehrte er die Hellenen, sonst allerlei und so auch die Dionysosdinge, und nur hier und da hat er etwas abgeändert. Denn ich kann nicht zugeben, dass der Kult des Gottes in Ägypten und der bei den Hellenen ganz zufällig so ähnlich sind; dann wäre er doch wohl gleichartig mit andern hellenischen Riten und wäre auch früher eingeführt, als er es ist. Und auch das kann ich nicht zugeben, dass die Ägypter von den Hellenen einen Brauch übernommen haben, diesen nicht und auch sonst keinen. Ich meine vielmehr, Melampus hat von der Dionysosverehrung vor allem von Kadmos, dem Mann aus Tyros, gehört und von seiner Begleitung, die aus Phönizien in das Land kamen, das jetzt Boiotien heißt...."




(2) Der Mythos von Isis und Osiris
nach Plutarch, Kap. 12-21, zitiert aus "Göttinnen großer Kulturen" von Vera Zingsem (S.288-292), dtv
[Übersetzung nach Hopfner, S. 3-13, sowie Brunner-Traut, S.88-93; der Text wurde in direkte Aussage umgesetzt]


Zitat:
"...Am ersten Tage wurde Osiris geboren, und zugleich mit seiner Geburt ließ sich eine Stimme hören, daß der Allherr an das Licht trete; einige aber berichten, eine gewisse Pamyle in Theben habe beim Wasserschöpfen aus dem Tempel des Zeus eine Stimme vernommen, die ihr befahl, laut zu verkünden, daß der große König und Wohltäter Osiris geboren worden sei, und deshalb das Fest der Pamylien gefeiert...."





Quelle:
Bonnet, H., Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Berlin, New York 2000

Eingestellt durch: Iufaa (09.07.2003)
Bearbeitet durch:  manetho (03.11.2003), Iufaa (14.04.2005)


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