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  Geschwisterehe
Ehen zwischen Geschwistern sind durch zahlreiche Dokumente aus der griechisch-römischen Zeit für das Herrscherhaus der Ptolemäer belegt. Hier scheint der Aspekt der Reinerhaltung des königlichen Blutes im Vordergrund gestanden zu haben, so dass es auch zu Ehen zwischen Vollgeschwistern kam. Auch im Volk kamen Ehen zwischen Geschwistern vor, allerdings scheint es sich dabei mehrheitlich um Halbgeschwister gehandelt zu haben.

Auch im pharaonischen Ägypten lassen sich Ehen zwischen Halb- und Vollgeschwistern im Herrscherhaus nachweisen, z.B. im Mittleren Reich --> Mentuhotep (II) Nebhepet-Ra und seine Geschwistergemahlin Mentuhoteps Frauen - Neferu. Die meisten Verbindungen dieser Art findet man jedoch im Neuen Reich, kurz vor und am  Beginn der 18. Dynastie, sowie einige in der 19. Dynastie (Middleton). Da auch Kinder aus solchen Ehen bezeugt sind (Müller-Wollermann), handelt es sich nicht (nur) um Ehen, die aus rein formalen Gründen geschlossen wurden.

Černý hat anhand von 358 Stelen die Filiationsangaben zu 490 Lebensgemeinschaften von der 1. Zwischenzeit bis zum Neuen Reich untersucht, aber nur in äußerst seltenen Fällen Hinweise auf Ehen zwischen (Halb-)Geschwistern gefunden. Im Mittleren Reich fand Černý  auf diesen Stelen nur 4 Fälle, bei denen beide Elternteile der Ehegatten aufgeführt wurden - in allen 4 Fällen waren die Namen unterschiedlich. In 97 Fällen war lediglich der Name der Mutter angegeben, wobei in 2 Fällen die Namen gleich waren. In diesen Fällen könnten Lebensgemeinschaften zwischen Halbgeschwistern vorgelegen haben, allerdings sind die Namen der Mütter so häufig, so dass auch rein zufällig gleiche Namen vorliegen könnten.
Aus dem Alten Reich dagegen gibt es keine Belege für die Bezeichnung der Ehefrau aus snt-f.
Nach den Untersuchungen von Černý  ist diese Form der Lebensgemeinschaft nicht nur eher selten war, er konnte auch in keinem einzigen Fall sichere Belege für Ehen zwischen Vollgeschwistern finden. Eine Ausnahme scheint allerdings ein Fall aus der 20. Dynastie zu sein, allerdings handelt es sich hier um einen Anführer libyischer Söldner.
Einige Angaben in Gräber der frühen 18. Dynastie (ab --> Thutmosis III.) bezeichnen Eheleute als Bruder und Schwester (z.B. Grab des --> Nebamun, TT24, wo Resti sowohl als "seine Gattin, Herrin des Hauses" als auch als "seine geliebte Schwester, Herrin des Hauses" bezeichnet wird), ohne das man daraus auf Blutsverwandtschaft schließen könnte. Auch Liebende reden sich darüber hinaus in der Lyrik auch mit "mein Bruder" und "meine Schwester" an.
Nach Müller-Wollermann wurde der Inzest zwischen Voll- und Halbgeschwistern in pharaonischer Zeit wohl geduldet. Hinweise auf eine Verfolgung sind nach ihrem Kenntnisstand nicht nachweisbar.

Auch in der Götterwelt war Inzest zwischen Geschwister verbreitet, z.B. zwischen --> Schu und --> Tefnut, --> Geb und --> Nut, --> Osiris und --> Isis, --> Seth und --> Nephthys. Hier ist allerdings zu bedenken, dass besonders in den Schöpfungsmythen die Zahl der möglichen Sexualpartner begrenzt ist.




Quelle:
Allam, S. in: Lexikon der Ägyptologie, Bd. II. Wiesbaden 1975-86, Sp. 568-570
Černý, J., Consanguineous Marriages in Pharaonic Egypt, JEA 40 (1954), 23-29
Middleton, R., Brother-Sister and Father-Daughter Marriage in Ancient Egypt. Amer. Soc. Rev. 27-5, 1962, 603-611
Müller-Wollermann, R., Vergehen und Strafen, Leiden 2004

Eingestellt durch: manetho (12.09.2003)
Bearbeitet durch:  Iufaa (12.09.2008)


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