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Verlauf:
Ibi (Haushofmeister, 26. Dyn, TT36)
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  Psametik I. Wah-ib-Rê (König, 26. Dyn)
Einordnung:
Begründer der eigentlichen 26. Dynastie, der sogenannten Saitischen Dynastie
andere Namen:
von den Assyrern unter dem Namen Nabuschezibanni als Fürst von --> Athribis eingesetzt
Titulatur: (siehe auch Anmerkung 1 am Ende)
Thronname: Wah-ib-Rê, Mit beständigem Willen, ein Rê
Geburtsname: Psametik (volkstümlich gedeutet als "Händler von Metjek-Wein", ursprünglich vielleicht "Mann des [Gottes] Metjek" - nach Schneider, nach anderen auch als "Glühweinhändler" übersetzt), auch: Psammetich, Psammetichos
Goldname: Der Tapfere
Horusname: Mit großem Willen
Nebtiname: Herr über seinen (schlagenden) Arm
Epoche:
Spätzeit, sogenannte Saitenzeit, 26. Dynastie, 664-610 v.u.Z.
Verwandtschaft:
Ehefrau: Mehit-en-user-chet (Tochter des Hohepriesters Har-saiset von --> Heliopolis)
Kinder: Necho II.
       Nikotris (spätere Gottesgemahlin des --> Amun zu Theben)
       zwei weitere Prinzessinnen
Grab: vermutlich in Sais

Herkunft:
Psametik I. ist ein Sohn des Necho (oft auch als Necho I. bezeichnet). Dieser war Deltafürst und Herrscher von Sais und stammte vermutlich von Tef-nacht (Begründer der 24. Dynastie), der ebenfalls aus Sais stammt. Genauso kommt aber auch Bockchoris (Bakenrenef) als Nachfolger des Tef-nacht in Betracht, womit einer dieser beider der Großvater des Psametik wäre. Tef-nacht dürfte wohl der wahrscheinlichere sein, wenn die Annahme von Helck stimmt, dass Stephinates als 2. Herrscher der sogenannten "Protosaitischen Dynastie" ein Sohn des Bockchoris war.
Über die Mutter des Psametik ist nichts bekannt.

Einordnung:
Während der 3. Zwischenzeit waren zahlreiche Lokalkönigtümer entstanden, die auch während der --> Kuschitenzeit (25. Dynastie und der Assyrerherrschaft weiterexistierten. Dazu gehörte auch das Königtum von Sais (770-727 v.u.Z.), aus dem die 24. Dynastie (727-715 v.u.Z.) hervorging, die wiederum den Kuschiten zum Opfer fiel (nach --> Manetho soll Bockchoris von Schabaka während dessen Eroberung des Nordens gefangen genommen und bei lebendigem Leibe verbrannt worden sein). Schabaka muss daraufhin Ammeris um 715 v.u.Z. als Statthalter des Nordens eingesetzt haben, womit die sogenannte "Protosaitische Dynastie" beginnt, die eigentlich zur 26. Dynastie gezählt werden müsste. T. Schneider führt die "Protosaitische Dynastie" parallel, Manetho bezeichnet sie als saitische 25. Dynastie. Im Übrigen bezeichnet Manetho ihn als "Ammeris, der Nubier", was diesen als eingesetzten kuschitischen Gouverneur wahrscheinlich macht.
Die "Protosaitische Dynastie" wäre dann:
  • Ammeris             715/3 - 695 v.u.Z.
  • Stephinates           695 - 688 v.u.Z.
  • Nekauba (Nechepsos)   688 - 672 v.u.Z.
  • Necho (I.)            672 - 664 v.u.Z.

Diese geht dann über in die heute als 26. Dynastie bezeichnete Saitenzeit mit Psametik I.

Ausgangslage:
Ägypten steht unter assyrischer Herrschaft, die jedoch von den Kuschiten unter Taharka militärisch aktiv bekämpft wird. Die Assyrer hatten das Land administrativ neu organisiert und ihnen hörige Kleinkönige eingesetzt, die jedoch nur während der Anwesenheit assyrischer Truppen loyal blieben, nach Abzug der Truppen jedoch mit Taharka konspirierten. Dies fordert jedoch eine erneute Strafexpedition Assurnipals (3. assyrischer Feldzug) heraus, der das ägyptische Heer vernichtend schlägt. Die unterägyptischen Vasallen wurden deportiert und hingerichtet. Ausnahme blieb Necho, der für die weitere assyrische Politik benötigt wurde und als assyrischer Vertrauensmann in Ägypten eingesetzt wird. Gleichzeitig wird sein Sohn von den Assyrern unter dem Namen Nabuschezibanni als Fürst von Athribis eingesetzt.
Nach Assmann haben "die Assyrer auf ihre Weise den letzten Resten der libyschen Polyarchie (bzw. des libyschen Feudalismus) ein Ende und der 26. Dynastie den Weg bereitet". Ägypten wurde nun von 20 Vasallen verwaltet, die in den assyrischen Annalen sarru ("König") genannt werden. (1)
Nach dem Tode Taharkas 664 v.u.Z. versucht dessen Nachfolger Tantewamani die Rückeroberung Ägyptens vom Süden aus. Dies gelingt zunächst, erst in Memphis stößt man auf Widerstand, der in einer Schlacht schnell gebrochen wird. Hier fällt Necho, der Anführer der proassyrischen Allianz, nach Herodot (II 152) vom Kuschiten getötet. Daraufhin ergeben sich die Deltafürsten dem Tantewamani, der sich damit am Ziel sieht. Der Gegenschlag Assurbanipals führt zu einer Katastrophe. Zum ersten Mal in seiner langen Geschichte wird sogar das heilige Theben erobert, geplündert, aber sicher nicht zerstört. Die Assyrer ändern in der Folge ihres Erfolges die politische Ordnung. Anstelle der 20 Vasallenkönige setzen sie Psametik I. als nominellen König über ganz Ägypten ein, allerdings unter der Bedingung, jeder Rebellion abzuschwören. Nach Assmann vollzogen sie so "de jure und mit einem Federstrich die umkämpfte Einigung des Reiches und überließen es Psametik, die Einheit auch de facto herzustellen." (2)
Dies sollte übrigens die einzige Einheit des Landes werden, die vom Norden aus hervorging.
Assyrien muss seine Truppen aus Ägypten abziehen, da sie im Krieg mit Elam und Babylonien dringend benötigt werden und der Mederaufstand niedergeschlagen werden muss.

Reichseinigung
Durch die Abwesenheit der assyrischen Truppen und die Vernichtung der kuschitischen Herrschaft ergaben sich für Psametik größere politische Spielräume. Im Norden gab es als Rivalen noch die anderen Gaufürsten, im Süden regierten die Gottesgemahlin des Amun und der eigentliche thebanische Machthaber --> Montemhat. Allerdings hatte Psametik besonders durch verwandtschaftliche Beziehungen beste Voraussetzungen zur Festigung und Erweiterung seiner Macht. Mit --> Heliopolis war er durch die Ehe mit der Tochter des dortigen Hohepriesters verbunden, die Regenten und militärischen Machthaber von Herakleopolis, Flottenkommandant Pa-di-set (Petisis) und dessen Sohn Semataui-Tefnacht hatten in das Königshaus von Sais eingeheiratet.
Bis etwa 657 v. Chr. gelingt es Psametik durch eine kluge Politik, untersetzt durch entsprechende Bündnisse und militärische Macht, die Herrschaft über das Delta zu übernehmen. Wichtig dabei waren als Truppen die Machimoi. Dies war eine besondere Kaste von Kriegern, die libyschen Ursprungs war. Hervorgegangen waren sie teilweise aus libyschen Händlern, die sich zu Ende des Neuen Reiches im Delta niederlassen durften unter der Bedingung, im Bedarfsfall für das ägyptische Königtum Kriegsdienste zu leisten, zum anderen Teil entstammten sie libyschen Siedlern, die in das Deltagebiet eingewandert waren und unter der gleichen Bedingung ein Bleiberecht erhielten. Zusätzlich gab es mit dem lydischen König Gyges vor allem gute Handelsbeziehungen. Auf seine Bitte hin erhielt Psametik von Gyges Kontingente ionischer und karischer (süd und südwestliche kleinasiatische Stämme) Truppen geschickt.
In den alten Überlieferungen, speziell von Herodot und Diodor hört sich da etwa so an:
Psametik war einer von zwölf Königen, die gemeinsam und freundschaftlich sowie vertraglich verbunden das Land regierten. Allerdings habe ihnen ein Orakel verkündet, wer von ihnen dem --> Ptah das Trankopfer aus einer ehernen Schale spende, solle alleiniger König von Ägypten sein. Als sie nun eines Tages gemeinsam im Tempel versammelt waren um das Opfer zu bringen wollte es der Zufall, dass der Oberpriester eine der zwölf goldenen Schalen vergessen hatte. Ganz zufällig und schnell nahm Psametik seinen ehernen Helm vom Kopf und brachte aus diesem das Trankopfer dar. Da sie ihn deshalb nicht töten wollten, verbannten ihn die elf anderen in die Sümpfe des Deltas. Allerdings wurde er durch ein neues Orakel getröstet: wenn eherne Männer vom Meer her erschienen, dann soll er an seinen Gegner gerächt werden. Ein weitere Zufall wollte es, dass bald darauf ein Trupp karischer und ionischer Söldner in eherner Rüstung durch heftigen Sturm an die ägyptische Küste verschlagen wurde und an Land ging. Psametik gewann ihre Dienste, unterwarf mit ihnen seine Rivalen und wurde so zum alleinigen Herrscher (nach Breastead, Geschichte, S. 297).
Alles ein wenig viel der Zufälle, sicher aber ein realer Hintergrund. Die anderen elf Könige sind die anderen Fürsten, sozusagen seine "Mitbewerber", die ehernen Kämpfer die von Gyges abgegebenen Truppen. Dieser Gyges, der sich früher mit den Assyrern verbündet hatte, um gegen die Horden der Kimmerer zu bestehen, hatte sich nach Abwenden dieser Gefahr zu einem erbitterten Gegner Assurbanipals gewandelt und war an einem Bündnis mit Ägypten gegen Ninive interessiert. Auch die assyrischen Annalen berichten ausdrücklich von der lydischen Unterstützung Ägyptens.
Die Übernahme des Nordens dauerte also etwa sieben Jahre und ist nicht unblutig verlaufen. Im Ergebnis verläuft das Herrschaftsgebiet bis etwa an Theben. Dabei wurden allerdings nicht alle anderen Regenten beseitigt, einige gingen auch auf die Seite Psametiks über und blieben weiter regierend.
In Theben regierte seit Zeiten des Taharka als Gouverneur Montuemhat, der mit einer kuschitischen Prinzessin verheiratet war, obwohl sein Vater nur Bürgermeister und er selbst nur der "Vierte Prophet des Amun" war. Dennoch war er faktisch der Machthaber, obwohl er es sich zu keiner Zeit anmaßte, als König aufzutreten (und beispielsweise seinen Namen in einer Kartusche zu schreiben). Er regierte einvernehmlich mit der kuschitischen "Gottesgemahlin des Amun", Schepenupet II. (Tochter  des Pije und Schwester des Taharka und des Schebitku, Regierung von 710-650). Diese hatte auf dem derzeitig üblichen Wege durch Adoption Amenirdis II. (670-640 v.u.Z.), eine Tochter Taharkas und Schwester des nubischen Königs Atlanersa, als ihre Nachfolgerin eingesetzt und regierte bis 654 v.u.Z. mit ihr gemeinsam.
654 v.u.Z. erscheint Psametik I. mit einer von Semataui-Tefnacht befehligten Flotte in Theben und einigt sich mit Montuemhat, den er im Amt belässt. Dieser revanchiert sich, in dem er die Adoption der Psametik-Tochter Nikotris I. durch die amtierende Gottesgemahlin unterstützt.
Berichtet wird darüber auf der heute im Museum von Kairo befindlichen sogenannten Adoptionsstele der Nikotris sowie auf verschiedenen Reliefs. Dort wird nicht nur über die überaus große Mitgift, die der Amuntempel erhielt, berichtet, sondern auch, dass die amtierenden Schepenupet und Amenirdis II. ihr gesamtes Vermögen auf Nikotris übertrugen: "[Hiermit]geben wir dir unser ganzen Vermögen auf dem Lande und in der Stadt. Du wirst auf unseren Thron gesetzt für immer und dauerhaft bis zu den Grenzen der Ewigkeit!" Zeugen ihrer Verfügungen waren Gottesdiener, Reinigungspriester und Freunde des Tempels." (3). Danach folgt eine Liste der Besitztümer der Nikotris, die sich im Landbesitz in sieben oberägyptischen und vier unterägyptischen Gauen auf eine Fläche von 902,55 ha belief. Gleichzeitig wurden ihr regelmäßige Lieferungen an Lebensmitteln zugesichert, deren Menge recht großzügig und genau festgelegt war. Unter anderem waren von den verschiedensten thebanischen Priestern (zu denen hier auch Montuemhat zählt) und verschiedenen Tempeln Ägyptens 136,5 kg Brot sowie täglich eine Ration von 200 Liter Getreide aus den königlichen Speichern zugesichert. Zu überwachen hatten dies unter anderem extra aus Unterägypten hier nun eingesetzten Verwalter der Nikotris (Ibi, Pabasa, Padi-Horresnet, Anch-Hor). Auch andere wichtige Beamtenposten wurden mit Unterägyptern neu besetzt, wie die Bürgermeister von --> Edfu, Elkab und später dann nach dem Tode von Montuemhat auch das Amt des Bürgermeisters von Theben durch den bereits erwähnten Padi-Horresnet.
W. Helck ist der Ansicht, dass die Einsetzung der Nikotris im Gegensatz zu der offiziellen Lesart keinesfalls eine feierliche Prozession war, sondern mehr ein militärischer Überfall. Die Fahrt erfolgte unter Leitung des bereits erwähnten treuen Verbündeten herakleopolitischen Flottenkommandeurs Semataui-tefnacht und soll nur 16 Tage gedauert haben. Diese Geschwindigkeit könnten seiner Meinung nach nur Kriegsschiffe erreicht haben. Nach dem LÄ V, 222 Stichwort "Reisegeschwindigkeit" ist die angegebene Reisezeit sehr wohl realistisch und nicht einmal knapp bemessen, sodass sogar Zeit für mehrfaches Anlegen bleibt (für eine unverzögerte Bergfahrt nach Theben sind deutlich mehr als die hier erreichten 55 km pro Tag belegt, selbst die assyrischen Truppen brauchten von Memphis bis Theben nur zehn Tage). Dies auch unter der Voraussetzung, das der Ausgangspunkt der Schiffsreise tatsächlich auch Sais gewesen war, was in der Überlieferung, speziell der Nikotrisstele nicht explizit so belegt ist. Interessant wäre in diesem Zusammenhang, ob sich aus dem Datum der Fahrt (Beginn 02.03.656), immerhin Beginn des Überschwemmungsmonats, noch Rückschlüsse auf die Strömungsgeschwindigkeit des Nils ziehen lassen, die ja recht relevant für die Geschwindigkeit eines Schiffes bei Berg- oder Talfahrt ist. Hier sollte es dann zusätzlich noch von Ausschlag sein, um welche Art des Fahrzeug (Bauart, Geschwindigkeit, Prozesssionsbarke oder Kriegsschiff usw.) es sich handelt, was allerdings bei einem gemischten Konvoi wieder zu vernachlässigen ist, da dessen Geschwindigkeit von den langsamsten Fahrzeugen bestimmt wird.
Ein rein militärischer Verband aus Kriegsschiffen sollte die Strecke in kürzer Zeit zurückgelegt haben, außerdem wäre bei einem militärischen Überfall zudem auch mit Nachtfahrten zu rechnen (für die es auch Belege gibt, z.B. pLeiden I), schon um einer Benachrichtigung des Gegners und dessen Vorbereitung zuvorzukommen. Das der erfahrene Semataui-tefnacht kein strategischer Amateur war, darf man hier voraussetzen. Zudem gehe ich davon aus, das ein militärischer  Flottenverband unter diesem Kommandeur, der zudem zu dieser Zeit noch Gaufürst ist, sicher nicht in Sais stationiert war, sondern in Herakleopolis, da man für ein solches Unternehmen auch gut aufeinander eingespielte Mannschaften und Truppen benötigt, die er schon vor 657 dort befehligte.
Aufzeichnungen aus Theben über eine solche militärische Intervention sind wohl ebenfalls nicht vorhanden. Es ist auch davon auszugehen, dass die Inthronisation bereits im Vorfeld mit diplomatischen Mitteln vorbereitet war, zudem es auch auf thebanischer Seite von der Mehrzahl der Beteiligten kaum Verlierer gab. Montuemhet blieb im Amt, die regierenden Gottesgemahlinnen blieben im Amt und der --> Amuntempel bekam eine beachtliche Mitgift und damit Machtzuwachs. Dies schließt aber nicht aus, dass nicht eine Demonstration militärischer Stärke diesen Vorgang absicherte und beschleunigte.
Persönlich kann ich mich nicht Helcks Auffassung anschließen. Dazu sind einfach die Abgabenverfügungen zu komplex und zu detailliert. Sie betreffen ja nicht nur unter der Verfügungsgewalt des Königs befindliche Gebiete und Einrichtungen, sondern betreffen auch thebanische Einrichtungen bis hin zu den unmittelbar betroffenen selbst. Zwar ließe sich argumentieren, dass dies erst nachträglich so festgelegt worden sein könne und die Niederschrift auf der Stele ja um einiges später erst ausgeführt worden ist (offensichtlich, da die zum Zeitpunkt der Handlung noch lebende Gemahlin Montuemhets bereits als verstorben gekennzeichnet ist), aber dies halte ich für unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist doch, dass bei Antritt der Fahrt alle Modalitäten bereits ausgehandelt waren und ebenso deutlich gemacht worden war, wer das Sagen im Lande hatte. Auch Montuemhat konnte doch nur daran gelegen sein, wieder Stabilität und Ordnung im Lande und besonders in seinem Verantwortungsbereich zu haben, um damit eine erneute Eroberung und Zerstörung Thebens zu verhindern. Schließlich existierten noch immer die Kuschiten und die Assyrer - wenn auch weit weg - Babylon wurde mächtiger und bei einer Weigerung bestand die Gefahr der militärischen Reaktion Psametiks, der dann als Sieger die wichtigsten Posten neu besetzt hätte.
Mit der Einsetzung seiner Tochter in Theben hatte Psammetich das ganze Land wieder fest in der Hand, von Delta bis nach Elephantine. Assyrien sieht von einem Eingreifen gegen diese Machterweiterung bzw. -übernahme ab, es ist dazu einfach nicht mehr in der Lage, zu sehr sind seine Kräfte im Überlebenskampf gegen Meder und Babylonier bereits gebunden. Im so genannten Rassam-Zylinder Assurbanipals erscheint Psametik bereits als "König Ägyptens".

Innenpolitik
Nachdem er wieder über das gesamte Land herrschte, konnte auch die Verwaltung wieder neu strukturiert werden. Es ist davon auszugehen, das auch in Unterägypten verbliebene assyrische "Kontrollbeamte" entweder das Land verlassen hatten, ersetzt oder integriert wurden. Memphis wurde wieder das Verwaltungszentrum des Landes. Einiger Landbesitz war noch in Händen der Gaufürsten, von denen auch einige in ihren Ämtern blieben, doch es sieht so aus, dass dieses Amt nicht mehr automatisch auf den Sohn überging (Beispiel Montuemhet). Mit Ausnahme des Gaufürstenbesitzes und des Tempelbesitzes gehörte alles Land wieder der Krone und wurde von Bauern bestellt, die 20 % an die Krone abzuführen hatten. Priester und Soldaten waren steuerbefreit. Ähnlich wie im Neuen Reich wurde die Verwaltung von Lokalbeamten realisiert, die für das Steuerwesen verantwortlich waren und richterliche Gewalt besaßen. Teilweise wurden altertümliche Titel wieder übernommen, in der Regel übten die Träger jedoch nicht die tatsächliche Funktion im Regierungsapparat aus. In Ausbildung und Erziehung unterscheiden sich beispielsweise die Schreiber von ihren Kollegen aus vorherigen Epochen auch dadurch, dass sie nicht mehr notwendigerweise Kenntnis der alten Hieroglyphen besitzen. Seit der Kuschitenzeit hatte sich eine abgekürzte Form der hieratischen Kursivschrift entwickelt, die sich für den täglichen Gebrauch viel besser eignete, die unter der Bezeichnung "demotische Schrift" bekannt geworden ist. Neben der auch als "Volksschrift" bezeichneten demotischen Schrift blieb aber die hieratische Schrift und die Hieroglyphen weiter in Gebrauch, allerdings prozentual abnehmend. Unter dem Einfluß der sich entwickelnden industriellen Fertigung war das Volk in mehr oder weniger stark getrennte Stände geteilt, die sich nach ihrem Platz innerhalb des wirtschaftlich schöpferischen Prozesses unterschied, ohne das es jedoch zu einer regelrechten Kastenbildung gekommen ist.
Durch die Neuorganisierung des Staates und Gesundung seiner wirtschaftlichen Grundlagen verbesserte sich der allgemeine Wohlstand. Damit verbunden war eine teilweise Sehnsucht nach den "guten alten Zeiten".

Religion
Ebenso wie auf staatlichen Gebiet kam es im religiösen Bereich zu einem Versuch der Restauration, der sich jedoch nicht durchsetzen konnte. Theben hatte seine einstige Macht als religiöses Zentrum eingebüsst, die reichen Tempel standen jetzt in Sais, Athribis und Buto. Die alten Götter konnten nicht mehr ins leben gerufen werden, --> Osiris und --> Isis waren fast die einzigsten, die sich noch behaupten konnten. Besonders der Kult der Isis bekam eine Bedeutung, die er vorher nie erreicht hatte. --> Imhotep erhielt seinen Platz unter den Göttern als Sohn des --> Ptah und besonderer Schutzherr der Schreiber. Als eine weitere Form des Ptah entwickelte sich der Kult um den --> Apis-Stier besonders stark. Die Tiere wurden nun in höchstem Prunk im --> Serapeum beigesetzt. Aus diesem Grunde wurde auch in seinem 52. Jahr durch Psametik das Serapeum von --> Saqqara bedeutend erweitert.

Militärwesen
Das Militärwesen wurde unter Psametik I. völlig reorganisiert. Zunächst konnte er sich auf die bereits erwähnten Machimoi stützen und die ionischen und karischen Söldner, die er durch Gyges erhalten hatte. Herodot gibt für die Machimoi als höchsten Bestand eine Zahl von 410.000 Mann an, diese Zahl dürfte aber erheblich zu hoch sein. Nach der Machtübernahme über das gesamte Land unterstellte der König die Lokalmilizen, die in der Dritten Zwischenzeit die relative Souveränität der einzelnen Fürstentümer garantiert hatten, seinem Oberbefehl.
Den Kern des ägyptischen Heeres bildeten nun Söldner aus Griechen, Karern, Juden, Syrern und anderen Völkerschaften. Die Leibwache des Königs enthielt 1000 Mann aus jeder der beiden existierenden Soldatenklassen, der Hermotybier und Kalasierier (4), sicher verstärkt durch Griechen und Karer.
Zahlreiche Garnisonen werden besonders an den Landesgrenzen eingerichtet: Ionier und Karer werden an der nordöstlichen Grenze bei Daphne stationiert, andere Garnisonen entstanden an der westlichen Grenze bei Marea unweit des späteren Alexandria, andere Truppen wurden auf Elephantine stationiert.
Außerdem wurde unter Psametik I. begonnen, eine seetüchtige Flotte aufzubauen.

Außenpolitik
Unter Psametik begann sich das Land bis zu einem gewissen Grade gegenüber Griechenland zu öffnen. Dies führte beinahe zu - wie man heute sagen würde - gutnachbarlichen Beziehungen. Den gut bezahlten Söldner folgten bald die Kaufleute und Seeleute. Dadurch gelangten auch immer mehr Nachrichten und Erzählungen in deren griechische Mutterländer, was wiederum neue Besucher anlockte
Gegen Angriffe von Außen wird das bereits erwähnte Garnisons- und Festungssystem eingerichtet. Im Jahr 11 kommt es zu einem Feldzug gegen die wieder aktiv gewordenen nach Libyen vertriebenen Deltafürsten und gegen die zunehmenden Einfälle libyscher Stämme, einige Stelen werden an der "Dahschurstraße" Richtung Westen aufgestellt.
Es wird bezweifelt, dass es auch militärische Aktionen in Nubien gegeben hat. Offenbar befand sich die Südgrenze am 1. Katarakt und wurde durch die Garnison von Elephantine gesichert, darüber hinaus wurden wohl wenig Aktivitäten unternommen. Die Statue eines Psammetich-menechib aus Assuan erwähnt eine Truppenrevolte. Dies könnte sich mit einer Bemerkung Herodots decken, der berichtet, dass die Garnison von Elephantine mit 240.000 Soldaten, nachdem sie drei Jahre lang ohne Ablösung in der Garnison verblieb, desertiert und insgesamt nach Süden abgezogen sei, um dem König von Äthiopien in Meroe ihre Dienste anzubieten. Die Zahl ist natürlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder um sehr vieles zu hoch, möglicherweise um das Hundertfache.
In Vorderasien kommt es nach 650 v.u.Z. zu tiefgreifenden Änderungen. Assyrien ist durch die Kriege stark geschwächt und verliert die direkte Kontrolle über die palästinensischen Gebiete. Psametik erkennt offenbar die Unberechenbarkeit und Gefährlichkeit der Lage und versucht, durch Unterstützung der Assyrer die Lage zu stabilisieren. Nach Herodot belagern ägyptische Truppen die Stadt Aschdod und nehmen diese ein. Bei Aschkalon stoßen sie auf die Skythen, die sie hier abwehren können. Allerdings gibt es für Herodots Bericht keine verwertbaren Belege. Indirekt gibt es jedoch einige Hinweise dafür: ein Text aus Nimrud aus der Zeit Asarhaddons berichtet über einen Aufstand des Meders Kaschtari, den dieser durch ein Bündnis mit dem Königreich Manna und den Skythen organisiert. Dieses Bündnis versuch Asarhaddons zu spalten, in dem er den medischen Stämmen Zugeständnisse macht und die Skythen dazu bringen will, Kaschtari zu verraten. Möglich wird dies durch die Heirat einer assyrischen Prinzessin mit Skythenfürst Bartatua. Der Aufstand soll etwa 673 v.u.Z. begonnen haben und erst 653 v.u.Z. zusammengebrochen sein. Im Ergebnis übernehmen die Skythen die Macht im Mederreich. Kaschdtari wird mit dem Phraortes von Herodot gleichgesetzt, sodass sich folgender Zeitablauf ergeben würde:
  • 673 - 653 v.u.Z.      Phraortes (21 Jahre)
  • 653 - 625 v.u.Z.      Skythenherrschaft (28 Jahre)
  • 625 - 585 v.u.Z.      Kyaxares (40 Jahre)

Möglicherweise hat der Bericht Herodots eine reele Grundlage.
Im Jahre 626 v.u.Z. verstirbt Assurbanipal, die Meder unter Kyaxares erstarken und es kommt zu einem Abfall Babyloniens unter Nabopolassar von Assur. Zur Bewahrung der Machtverhältnisse unterstützt Psametik nunmehr aktiv das assyrische Reich, die als Gegenleistung auf die Südküste der Levante verzichten.
Im Jahre 616 und 610 v.u.Z. kämpfen ägyptische Truppen auf Seiten der Assyrer, können jedoch den Untergang des assyrischen Reiches nicht verhindern.

Kunst
Unter der Regierung Psametik I., bedingt sicher durch den wirtschaftlichen Aufschwung und die politische Stabilität, entwickelt sich ein neuer Kunststil. Die Vielfalt der Statuentypen wird kleiner, Figurengruppen und Sitzstatuen werden kaum noch gefertigt, Würfelhocker werden seltener. Stehende Figuren sind meist Naophoren, am häufigsten ist der Typ des knienden Naophoros. Der altbekannte Typ des sitzenden Schreibers erfreut sich wieder großer Beliebtheit, häufiger jedoch ist eine bis dahin sehr selten belegte Figur: der Kniende mit ausgestreckt auf den Oberschenkeln aufliegenden Händen.
Zu dieser Zeit ist das eigentliche Zentrum des kulturellen Lebens das Delta, daher kommen auch nur noch wenige Stücke aus den thebanischen Werkstätten, die Mehrzahl stammt aus dem Norden, vorwiegend aus Sais und Memphis.
Eine besondere Stileigenschaft der 25. Dynastie war die oft rauhe Bearbeitung der Oberfläche des Steins. Diese entwickelt sich hin zu einer sanften, glatten Behandlung. Diese Richtung gipfelt in der Ausbildung einer formelhaften Typisierung des Gesichts, dem "Saitenlächeln". Vordem hatte eine Statue in erster Linie ein Individuum verkörpert, was den Künstler verpflichtete, bis zu einem gewissen Grade die Gesichtszüge zu individualisieren und der Gewandwidergabe größte Sorgfalt angedeihen zu lassen, weil damit die Zeitgebundenheit des Dargestellten, sein gesellschaftliches Milieu und sein Tätigkeitsbereich kenntlich wurden.
In der Saitenzeit erscheint, zusammen mit dem Verzicht auf eine realistische Darstellungsweise und der Wiedergabe des zeitgenössischen Kostüms, eine neue Konzeption, in der das Licht eine bis dahin unbekannte Rolle übernimmt. Die Statuen sind überwiegend nicht mehr für das Grab bestimmt, sondern fast immer für die Aufstellung auf einer Art öffentlichen Platz unter freiem Himmel. Unter der Wirkung der Licht- und Spiegelungseffekte erwacht das Interesse für bestimmte Materialien, deren Struktur und Oberfläche nicht mehr unter Farbschichten verborgen wird. Die Fläche des Steins wird häufig bis zu spiegelnder Fläche poliert. Alle Details, die die Wirkung des Lichts auf der Glatten Oberfläche beeinträchtigen können, Perückenstreifen, Plissees der Gewänder, vortretende Muskelpartien, werden absichtlich vermieden und die absolut notwendigen Requisiten der Ausstattung auf ein Mindestmaß beschränkt.(5)

Bautätigkeit
Besonders ragt die Erweiterung des Serapeums von Saqqara im 52. Jahr hervor.
Darüber hinaus gibt es folgende Belege für weitere Bautätigkeiten (nach Schneider):
Rosette: Block von Tempel, Basaltsäule
Alexandria
Tell Baqliya: Blöcke
Tell Daphne: Gründungsdepot
Tanis: Bronzestatuette
Bubastis: Erwähnung einer Tempelgründung auf Privatstele, Jahr 51
Tell er-Rub: Stele
Tell Timai: Sitzstatue
Sais: Block, Sphinx
Tell el-Jahudi: Naos
Heliopolis: Sphinx
Saqqara: Gründungsdepot
Abydos: Türsturz, Kalksteinkopf
Koptos
Tell Edfu: Blöcke
Wadi Hammamat: Kartuschen
Wadi Gasus: Stele
Medinet Habu
Karnak: Bronzeplatten von Tempeltor, Sphinx

Kurzübersicht:
  • 664      sein Vater Necho fällt während der Kämpfe gegen die Kuschiten
  • 664      Beginn der Regentschaft
  • 663      Eroberung Thebens durch die Assyrer, Psammetich wird in der Folge der Neuordnung als Regent für Ägypten eingesetzt
  • 657      P. erringt die Oberherrschaft über das Deltagebiet
  • 656      Einsetzung seiner Tochter Nikotris als Gottesgemahlin des Amun von Theben und damit auch die Herrschaft P.s über Oberägypten
  • 654      Vorgehen gegen Einfälle der Libyer und der besiegten Deltafürsten von Westen
  • 653      letzte assyrische Garnisonen werden aus dem Land getrieben
  • 616      ägyptische Truppen kämpfen gemeinsam mit assyrischen Truppen
  • 611      Tempelgründung in Bubastis
  • 612      Erweiterung des Serapeums
  • 610      ägyptische Truppen kämpfen gemeinsam mit assyrischen Truppen bei Harran
  • 610      Psametik I. stirbt

Die Daten zur Regierungszeit Psametik I. lassen sich relativ genau einordnen, da zum Zeitpunkt seines Todes bzw. der Einbalsamierung seiner Leiche am 30. September 610 v.u.Z. eine partielle Sonnenfinsternis überliefert ist (Hornung in ZÄS 92, 1965, 38-39, pBerlin 13588). Die ist eine reale Erscheinung, die sich mathematisch berechnen lässt und zu diesem Zeitpunkt für Südrußland eine totale und für die nördliche Landeshälfte Ägyptens noch eine partielle Finsternis war.

(1) J.Assmann, Ägypten - Eine Sinngeschichte, Fischer Taschenbuchverlag 1999, S.372
(2) J.Assmann, Ägypten - Eine Sinngeschichte, Fischer Taschenbuchverlag 1999, S.374
(3) Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Bd. I, Rechts- und Wirtschaftsurkunden
(4) Breasted, Geschichte Ägyptens, Parkland, S.298
(5) Vandersleyen, a.a.O. S.259

Amnerkung 1:
Bei Psametik I. erkennt man ... im Thronnamen W3H-jb-Ra eine Anspielung entweder auf Mn-jb-Ra Nechepso oder auch auf W3H-k3-Ra Bokchoris, der ja ebenfalls in Sais regiert hatte. Der Horusname a3-jb weicht, wie auch die Namen der gleichzeitigen Kuschiten, völlig von dem Schema des Neuen Reiches ab und kehrt zu den einfacheren Strukturen des Alten Reiches zurück. Er scheint jedoch ebenfalls eine Neubildung zu sein. Dasselbe gilt für den Nebtinamen Nb-a "Herr des Arms" und den Goldnamen qnw "der Tapfere".




Quelle:
T. Schneider, Lexikon der Pharaonen, 1996
J.Assmann, Ägypten - Eine Sinngeschichte, 1999
G. Höber-Kamel, Abriss der Geschichte der Spätzeit, in: KEMET (11) 3/2002
G.Gottschalk, Die großen Pharaonen, 1979
LÄ IV, 1164 ff.
C. Vandersleyen, Das Alte Ägypten
W. Murmane, in Silverman, Das alte Ägypten
Breasted, Geschichte Ägyptens, Parkland Verlag
N. Dautzenberg, Die Wahl der königlichen Namen im Verlauf der ägyptischen Geschichte

Eingestellt durch: manetho (17.03.2005)
Bearbeitet durch:  semataui (21.03.2005)




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