Ägyptologie Forum Guten Morgen Gast, hier einloggen oder registrieren.
20.11.2017 um 06:46:28


HomeÜbersichtHilfeSuchenLoginRegistrierenKalenderLexikonChat



A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | NEU
(2826 Begriffe im Lexikon)
Suchen | Filter | Abkürzungen | Neuer Begriff

« vorheriger Begriff | nächster Begriff »
  Scheintür
Während der gesamten altägyptischen Geschichte finden sich Türen als Erscheinungsorte für Verstorbene und Götter. Als Verbindung zwischen dem Dies- und dem Jenseits dient die Scheintür als Tür zum Grab, durch die der Ka des Verstorbenen heraustreten konnte um die bereitgestellten Opfergaben anzunehmen.
Besondere Verwendung findet die Scheintür in der --> Mastaba des AR. Als Mittelpunkt des Grabes wird sie in Nischen an der Ostwand aufgestellt, vor denen die Opfergaben niedergelegt wurden. Schon früh gibt es eine Haupt- und eine Nebenscheintür, jeweils am Nord- und Südende der Ostwand. Außerdem entwickeln sich die nischenartigen Kultstätten innerhalb der Mastaba im laufe der Zeit zu Totenkapellen weiter.
Die Scheintür tritt in mehreren Variationen auf.
Die sog. naturalistische Scheintür wird mit allen technischen Details einer realen Tür in Stein abgebildet. Ein Beispiel hierfür liefert die Scheintür in der Mastaba des Seschemnefer III. in Giza. In anderer Funktion findet man sie auch im Djoser-Bezirk in --> Saqqara.
Die verbreitetste Variante der Scheintür bildet die einfache Normalscheintür. Sie stellt in vereinfachter Form die Tür der Mastaba dar, die als Haus des Toten angesehen wurde. Aus der anfangs ein- oder auch zweifach gestaffelter Türnische entwickelt sich ein kompliziert aufgebaute Gesteinsplatte mit vielfachen Umrandungen, Türpfosten, Türrollen und einer --> Hohlkehlenbekrönung. In der zweiten Dynastie wurde die Normalscheintür mit dem Speisetischbild, das den Verstorbenen vor einem Tisch voller Opfergaben thronend zeigt, kombiniert. Das Speisetischbild findet sich seitdem über dem Türsturz. Ab der dritten Dynastie ergänzen weitere sich auf das Totenopfer beziehende Inschriften und Darstellungen die Gestaltung der Scheintür.

Im Gegensatz zu der Normalscheintür ist die Prunkscheintür mit einem reichen Linienwerk dekoriert und hat ihren Ursprung in den nischengegliederten Großgräbern aus der ersten Dynastie. Aufgrund ihrer aufwändigen Dekoration findet sich die Prunkscheintür im AR. nur in den Gräbern der Oberschicht, ehe sie später in den allgemeinen Gebrauch übergeht. Jedoch findet sich meist auch in diesen Gräbern eine zusätzliche Normalscheintür, da diese mehr Platz für
Darstellungen und Inschriften bietet. Ab der fünften Dynastie wird die Prunkscheintür auch aufgrund ihrer empfindlichen Formen von der Normalscheintür verdrängt und wird in die Grabkammer verlegt. Dort lebt ihr Motiv als Dekorationselement für die Sarkophage noch bis in die 12. Dynastie weiter.
In Anlehnung an ihre Funktion steht bei der Dekoration der Normalscheintür das Motiv der Opferversorgung im Mittelpunkt. Neben dem selbstständig in der zweiten Dynastie entstandenem Speisetischbild nehmen ab der ditten Dynastie Darstellungen des Verstorbenen eine wichtige Rolle in der Dekoration ein. Diese sind meist im Relief angebracht, z.T. werden aber auch Statuen genutzt.
Daneben bot die Normalscheintür aufgrund ihrer großen Oberfläche auch viel Raum für Inschriften. Diese nennen meist den Namen und die verschiedenen Titel des Verstorbenen. Außerdem ergänzen Gebete, die sich hauptsächlich auf die Opferversorgung des Toten beziehen, die Dekoration.

Die zentrale Bedeutung der Scheintür für das gesamte Grab kommt auch in dem Material zum Ausdruck. Anders als große Teile der Mastaba besteht die Scheintür nicht aus Ziegeln, sondern ist stets aus Stein gefertigt. Dabei wurden besonders oft Kalk- oder Granitsteinplatten verwendet.

Nach dem AR. und der Ablösung der Mastab als vorherrschender Grabtyp verliert die Scheintür an Bedeutung, jedoch findet man sie im MR noch vereinzelt. An ihre Stelle treten naosartige Nischen mit Statuen des Toten und schlichte plattenförmige Grabsteine, in denen sich gelegentlich noch Elemente der Scheintür wiederfinden. Danach wird die Scheintür endgültig durch die Stele ersetzt.
Allerdings taucht die Scheintür noch im NR gelegentlich in aufgemalter Form an den Wänden der Felsengräbern auf. Ein Beispiel hierfür liefert z.B. das Grab des Nacht (TT 52) in Theben.

Auch in anderen Bereichen lebt die Scheintür weiter. So wird z.B in den --> Millionenjahrhäusern
die Mittelstützenscheintür entwickelt, durch die der --> Ba des Pharao in das Sanktuar eintreten konnte. Daneben wird die Scheintür z.B. in --> Amarna auch nur aus dekorativen Gründen verbaut.



Quelle:
Hans Bonnet: Reallexikon der ägyptischen Religionsgeschichte; Berlin 2000
Manfred Lurker: Lexikon der Götter und Symbole der alten Ägypter; Frankfurt am Main 2006
Jan Assmann: Tod und Jenseits im alten Ägypten; S.286-289; München 2003
Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst; Düsseldorf 2000

Eingestellt durch: Luc (20.02.2009)
Bearbeitet durch: -


Powered by YaBB