es gibt viele Wege, sich dem Alten Ägypten - und speziell der Hieroglyphenschrift - zu nähern. Ich bewundere Deinen Mut, Dich noch einmal der Aufgabe anzunehmen, ein Hieroglyphen-Layout-Programm zu schreiben, da es doch inzwischen Produkte auf dem Markt gibt - auch kostenlose -, die sich über Jahre entwickelt haben, denn man muss viel Zeit in ein solches Projekt stecken. Vielleicht ist es aber die Freude und Genugtuung zu sehen, wie sich eine solche App nach und nach in die gewünschte Richtung entwickelt. Unterwegs erkennt man, warum manches so ist, wie es ist, und nicht anders. Vielleicht nützen Dir Anmerkungen von jemandem, der etliche Erfahrungen mit WinGlyph und JSesh gesammelt hat.
Ob die App inzwischen schon in der Lage ist, den Text nicht nur in Zeilen, sondern auch in Spalten und nicht nur von links nach rechts, sondern auch umgekehrt auszugeben, weiß ich nicht. Auf jeden Fall sind dies Grundanforderungen an ein jedes Programm dieser Art.
Lolli hat ein Beispiel angehängt, das einige Zeilen aus der Biographie von Chnumhotep zeigt. Aus ihnen lässen sich einige Anforderungen für die Weiterentwicklung ableiten. Ich gehe von dem Screenshot aus, das auch die Codierung enthält (Anhang 1 in Lollis Posting). Zum Vergleich hänge ich den gleichen Ausschnitt aus WebGlyph an.
An einigen Stellen sieht man ein großes Fragezeichen statt einer Hieroglyphe. Das liegt daran, dass nach dem Manuel de Codage eine einzelne Hieroglyphe nicht nur durch die Gardiner-Nummer, sondern auch durch seine Umschrift identifiziert werden kann. Beispiel: Das Fragezeichen am Anfang der zweiten Zeile kommt dadurch zustande, dass die Codierung ir nicht als Umschrift für D4 erkannt wurde. In der ersten Zeile gegen Ende steht das Fragezeichen für Htp, Umschrift für R4.
Manche Hieroglyphen können gedreht werden. Dass das noch nicht geht, sieht man am Ende der ersten und zweiten Zeile bei dem Ausdruck mAa-xrw. Dort müsste das Zeichen unterhalb des ersten um 90 Grad gedreht werden, so dass es zwei flache, übereinander liegende Zeichen ergibt. Übrigens wird Rotation auch in der Version dieses Forums nicht unterstützt.
Ein weiteres Feature sind Zeichenverbindungen (Ligaturen), bei denen zwei oder mehr Zeichen ineinander geschoben werden. Sie werden in der Codierung durch ein kaufmännisches & gekennzeichnet. Ein Beispiel findet sich in der zweiten Zeile:
Dort steht zA-t
statt zA&t
Ein weiteres Beispiel ist in der ersten Zeile: E10-Xnm. Es müsste E10&Xnm heißen. Diese Ligatur wird auch in diesem Forum nicht unterstützt, siehe Liste mit häufigen Zeichenverbindungen in der Hilfe.
In dieser App-Version fehlt ein bisschen "Luft" zwischen den Zeichen, was dazu führt, dass die einzelnen Zeichen oft aneinander "kleben".
in der ägyptischen Religion gab es nicht nur einen Gott, sondern viele. Sehr geläufig, seit frühester Zeit, wurde der Pharao als sA Ra "Sohn des Re" bezeichnet. In der fünfteiligen Königstitulatur war es die Bezeichnung des Eigennamens. Er konnte aber auch "Sohn des Amun" genannt werden. Auch andere Götter kamen in Frage. Ob es die abstrakte Form sA nTr "Sohn Gottes" gegeben hat, entzieht sich meiner Kenntnis.
Die sichtbare Symbolik „ve = Φ“ v e links: wirkt wie Vollzug + Erkenntnis oder Verstehen im Entstehen → kein abgeschlossenes Wort, sondern Bewegung Das e im Kreis mit Querstrich: erinnert an – Grenze – Horizont – geteiltes Ganzes → Verstehen im Rahmen einer Trennung = als Gleichsetzung, nicht als Ursache Φ (Phi) rechts: – Ganzheit – Harmonie – Proportion – Selbstähnlichkeit – lebendige Ordnung Wichtig: Φ ist keine Zahl, sondern ein Verhältnis, das sich selbst trägt.
In der prädynastischen Zeit Ägyptens (ca. 3300 bis 3100 v. Chr.) gab es einen König namens "Horus Ni-Njt", das bedeutet "Horus, zugehörig zu Neith". Er ist wie die meisten Könige dieser Periode nur durch Inschriften auf Tongefäßen bekannt.
Die weibliche Form des Namens müsste "Njt-Njt" sein. Ich weiß nicht, ob dieser Name in einer altägyptischen Quelle belegt ist. In der Sammlung altägyptischer Personennamen von Hermann Ranke kommt er nicht vor.
Der französischen Ausgrabungsmission um Frédéric Payraudeau (EPHE/PSL) und Ahmed Nakshara (MFFT) gelang am 9. Oktober auf dem Gelände der nordägyptischen Fundstelle Tanis (San el-Hagar) die Identifizierung der Grabkammer des Pharao Scheschonq III. In der Grabkammer wurden unter anderem insgesamt 225 kleine aus Fayence gearbeitete Uschebti-Figuren gefunden anhand derer die Identifizierung des Grabinhabers erfolgte, welcher in der Zeit der 22. Dynastie, ca. 830 bis 791 v. Chr., regierte. Über diese Entdeckung konnte nun zudem auch ein bislang namenloser Sarkophag, welcher bereits 1939 im Grab Osorkon II. entdeckt worden war, zugeordnet werden. Es handelt sich um die bedeutendsten in Tanis gemachten Funde seit 1946.
Die im Dateianhang befindlichen Fotos wurden von Simone Nannucci (MFFT) und Raphaele Meffre (EPHE/PSL), sowie von Frédéric Payraudeau (EPHE/PSL) erstellt und über die Université Paris Sciences et Lettres (PSL) in open access veröffentlicht. Eine wirklich sehr interessante Entwicklung.
Am 27. Oktober verstarb nach schwerer, langer Krankheit der seit 1991 im Nekropolenabschnitt Dra' Abu el-Naga tätige Archäologe und Ägyptologe Daniel Polz (1957–2025). Polz hatte seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt auf die Erforschung der Gräber und der Bestattungspraxis der Pharaonen und Vornehmen in der Epoche der Zweiten Zwischenzeit und des frühen Neuen Reiches gelegt. 2001 gelang ihm in Dra' Abu el-Naga die Entdeckung der Pyramide des Pharao Nub-Cheper-Re Intef, 2004 dann der Nachweis der Pyramide seines Bruders, des Pharaonen Sechem-Re Wep-Maat Intef. Wir führen sie in unserem Lexikon als Jnj-jt=f'3 unter Antef V. der Ältere (ca. 1580 v. Chr.), sowie Jnj-jt=f Antef VI. (ca. 1580 v. Chr) und datieren diese also in die Zeit vor Kamose (1560–1556). Polz gelang mit dem Nachweis dieser beiden kleinen Pyramiden die Entdeckung ihrer Gräber K 93.11 und K 93.12, welche während der ausgehenden 20. Dynastie im Rahmen einer Nachnutzung durch die Hohenpriester des Amun Ramsesnacht und Amenophis erneut belegt worden sind. Damit hatte Polz gleich zwei große Wissenslücken geschlossen, nämlich eine in Hinblick auf die ausgehende Zweite Zwischenzeit, sowie eine zweite in Bezug auf die späte Zeit der 20. Dynastie, also des ausgehenden Neuen Reiches. Polz hatte seine Forschungen in der thebanischen Nekropole 40 Jahre lang vom Deutschen Haus in Qurna aus durchgeführt, welches ihm zur zweiten Heimat wurde. Mit seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 2022 ging die Leitung der Grabungen an Ute Rummel über, welche die Fundlage seither in Zusammenarbeit mit Stéphane Fetler und weiteren auswertet.
Polz, Daniel : The royal and private necropolis of the seventeenth and early eighteenth dynasties at Dra' Abu el-Naga. In: Khaled Daoud : Studies in honor of Ali Radwan, Vol. 2, Kairo 2005, S. 233–245 https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/2604/.
Polz, Daniel : The location of the tomb of Amenhotep I: A reconsideration. In: Richard Wilkinson : Valley of the Sun Kings, new explorations in the tombs of the Pharaohs, Tucson 2005, S. 8–21 https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/1973/.
Fetler, Stéphane : Traces of transition: Funerary envelopes from K 93.12 in Dra' Abu el Naga as artistic indicators of political and cultural change, Deutsches Archäologisches Institut, Kairo 2016 https://egyptiancoffins.org/assets/pdfs/nespawershefyt/Fetler.pdf.
Mit Dank für den Hinweis auf den Verbleib von Herrn Dr. Polz an DerMaxdorfer
Das Foto von Herrn Dr. Polz wurde erstellt von Frau Dr. Ute Rummel, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Kairo, DAI CC BY-NC-ND-SA 4.0.
Die zeichnerische Darstellung der im Dra Abu el-Naga befindlichen Gräber der Könige Intef stammt aus der Feder von Georges Montbard und findet sich in Moberly Bell (1888), Seite 118. Sie befindet sich daher in public domain und ist also Gemeinfrei.