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  Labyrinth
Das als Labyrinth überlieferte Bauwerk lag im Fayum und soll wohl der Totentempel von Amenemhet III. aus dem Mittleren Reich gewesen sein. Das Wort Labyrinth, das aus dem Griechischen kommt, bezeichnet ja eigentlich Höhlen und Gänge in Bergwerken, hier also nicht oberirdische (unter freiem Himmel).Die Beschreibung Herodots (und auch von Strabo) weisen auf eine vielgliedrige Anlage hin, lassen sich allerdings auf Grund der nur noch sehr spärlichen Überreste heute nicht mehr überprüfen.
Das Bauwerk soll aber in der Ptolemäerzeit noch bestanden haben und auch ein Besuch des Kaisers Severus (193-211 nach Chr.) ist belegt.

Herodot's Beschreibung:

"...Und sie beschlossen, ein Denkmal zu hinterlassen für alle gemeinsam. Und wie sie das beschlossen hatten, bauten sie das Labyrinth, nicht weit vom Südufer des Moiris-Sees und in der Nähe der Stadt gelegen, die nach den Krokodilen heißt. Das hab ich selber gesehen, und es übersteigt alle Beschreibung. Denn wenn man die Mauern von hellenischer Hand und alles, was sie an Bauten vorzuweisen haben, zusammennähme, würde man finden, dass das an Arbeit sowie an Kosten zurückbleibt hinter diesem Labyrinth; und der Tempel von Ephesos ist doch auch bemerkenswert und so der auf Samos. Zwar waren auch die Pyramiden über alle Beschreibung, und eine jede einzelne von ihnen wiegt viele unserer hellenischen Bauten auf, auch der großen, das Labyrinth jedoch übertrifft nun selbst die Pyramiden. Denn da gibt es zwölf überdachte Höfe, die Portale einander zugewandt, sechs nach Norden, sechs nach Süden gewendet, ein Hof am andern. Außen umschließt sie eine Mauer, in einem Zuge. Die Räume sind gedoppelt, die einen unter der Erde, die andern über der Erde, genau über jenen gelegen, dreitausend im ganzen, eintausendfünfhundert von jeder Art. Die oberen von diesen Räumen hab ich selber gesehen und bin hindurchgegangen und rede davon aus eigener Anschauung, von den unterirdischen aber hab ich nur berichten hören. Denn die ägyptischen Aufseher wollten sie um keinen Preis zeigen und sagten, dort befänden sich die Särge der Könige, die dies Labyrinth einstmals erbaut haben, und die der heiligen Krokodile. So kann ich von den Räumen unterhalb nur sprechen nach dem, was ich hörte, dass aber die oberen Räume das Maß von Menschenwerk übersteigen, hab ich mit eigenen Augen gesehen. Nämlich beim Durchschreiten der Gemächer und wenn man hin und her ging in den Höfen, die bunt ausgeziert sind, folgte ein Staunen dem andern, und man kam vom Hof in die Gemächer und von den Gemächern in Bauten mit Säulengalerien, und wieder in andere überdachte Räume aus den Galerien und aus den Gemächern in neue Höfe. Und die Decke all dieser Räume ist aus Stein, wie die Wände, und die Wände sind bedeckt mit eingemeißelten Bildern, und jeder Hof hat rings eine Säulenhalle aus hellem Stein, aufs sorgfältigste gefugt. Am Ende des Labyrinths schließt sich an die eine Ecke eine Pyramide an, von vierzig Klaftern, und an ihr sind große Figuren eingemeißelt. Zu ihr ist ein Weg gebaut unter der Erde."

Bericht des griechischen Geographen Strabo, der das Heiligtum selbst besuchte (Maßangaben sind umgerechnet):

"Bei den Schleusen liegt das Labyrinth, ein Bauwerk, das sich mit den Pyramiden messen kann, und daneben das Grab des Königs, der das Labyrinth erbaut hat. Wenn man in den Kanal eingefahren und von da noch 3 bis 4 Kilometer weitergegangen ist, so kommt man an eine tafelähnliche Ebene, in der ein Dorf und ein großer Palast liegt, der aus so viel Einzelpalästen besteht, wie es früher Gaue gegeben hat. Denn genau so viele von Säulenhallen umgebene Höfe liegen da, immer einer am anderen, alle in einer Reihe, und ihre Hinterwände bilden eine Wand, so daß es aussieht, als ob die Höfe alle vor einer langen Mauer lägen. Die Eingänge in die Höfe liegen dieser Mauer gegenüber. Vor den Eingängen aber liegen viele lange, bedeckte Gänge, die einander kreuzen und dadurch einen so vielfach verschlungenen Weg bilden, daß ohne Führer kein Fremder sich in die Säulengänge hinein oder aus ihnen herausfinden kann. Das Bewundernswerte dabei ist, daß die Decke jedes Gebäudes aus nur einem Stein besteht und daß ebenso jede Gruppe von gedeckten Gängen mit einer ganz ungeheuren Steinplatte überdeckt ist. Holz und anderes Baumaterial ist bei dem Ganzen nicht verwendet. Wenn man auf das Dach steigt, das nicht sehr hoch ist, da das Ganze nur einstöckig ist, so kann man die aus diesen riesigen Steinen gebildete steinerne Ebene überschauen. Hingegen wenn man von da {d. i. von den bedeckten Gängen) hinaustritt, so kann man sie alle in einer Reihe daliegen sehen, jeder von 27 aus einem Block bestehenden Säulen getragen. Aber auch die Wände sind aus nicht geringeren Steinblöcken gebaut. Am Ende dieser ganzen Anlage, die etwa 200 m lang ist, liegt das Grab, eine vierseitige Pyramide, deren Seiten und Höhe wohl 130 m messen. Imandes heißt der darin Begrabene. Die Säulenhöfe aber sollen gerade in dieser Zahl angelegt sein, weil nach alter Sitte aus jedem Gau die Vornehmsten samt den Priestern und Priesterinnen dort zusammenkamen,um in besonders wichtigen Fällen zu opfern und Recht zu sprechen. Jeder Gau verfügte sich dann in den für ihn bestimmten Hof."


Quelle:
Strabo´s Erdbeschreibung, 17. Buch, Übersetzt von C.G.Groskurd, 1833, Erster Abschnitt Ägypten §1-§54, S.327-404

Eingestellt durch: manetho (25.11.2003)
Bearbeitet durch: -


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