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  Pedamenopet / Patuamenap (Prophet, 26. Dyn, TT33)
PA-dj-Jmn-jpA.t



Pedamenopet, Petamenophis, Padiamenopet oder auch Patuamenap gelesen war "Prophet" und "1. Vorleser" in der Saitenzeit, der 26. Dynastie.
Seine riesige Grabanlage befindet sich im Assasif (TT 33, Lepsius Nr. 20) und wird zu Recht von Duemichen als "Grabpalast" bezeichnet.
Pedamenopets Mutter war "Sistrum Spielerin des Amun" namens Nemenchesi, seine Frau hieß Tedi.

Zeichnung: ©semataui.de/Klaus Adams nach P&M

Dekoration
Vorhof
In die Seiten des Vorhofes sind zwei Gräber verbaut, die ebenfalls aus der Saitenzeit stammen: TT 388 und TT 242. Die seitliche Kolonnade diente so als Portikus für diese Gräber.
1. Auf quadratischem Hintergrund der Kopf des Grabherrn.
2. Texte. Ein Teil mit der Kartusche des Haremhab.
3. Gewölbtes Portal: [Ein Mann opfert dem Grabherrn]. Vier Register: [Opferträger, Opferliste und Schlachter].
4. [Ein Mann] opfert dem Grabherrn, vier Register: Opferliste, Ritual und Opferträger.
Fries-Texte, In der Mitte der Decke: Texte.

Halle I.
Wände und Pfeiler: Texte aus dem Totenbuch
5. Auf Rahmen und Gebälk Texte, unten der sitzende Grabherr. Im Durchgang der kniende Grabherr, Rê-Harachte anbetend.
6. Oben: drei-Götter-Szene

Halle II.
7. Auf dem Sturz Falkenköpfe und Djed-Pfeiler. Im Durchgang: der Grabherr verlässt mit seinen Dienern das Grab, links gefolgt von einer Gpttheit. Auf dem inneren Rahmen Texte.
8. Vier Register mit mythologischen Szenen:
II. ein Mann bringt eine Kuh und ein Kalb, ein Mann betet zum Benu-Vogel
IV. Boote
9. Reste einer [großen Szene]
10. Ein Mann vor drei Göttern
11. {Götter]
12. Heiliges Ruder, Stier, sieben Kühe, Opferliste darunter.

Halle III.
13. Eingang und Durchgang: der Grabherr mit Dienern links, mit seiner Frau rechts.
14. oben fünf mal der Grabherr mit Dienern, Texte auf jeder Seite des Durchgangs.
15. + 16. Texte aus dem Totenbuch
17. Der Grabherr und seine Frau sitzend. Krüge auf Ständern
18. Fünf Register Krüge
19. Scheintüre mit Opferträgern auf jeder Seite

Halle IV.
20. Sturz außen: Der Grabherr und seine Mutter sitzend. Texte. Opferformeln auf dem Rahmen. Im Durchgang links der Grabherr, geführt von Anubis und Maat, gefolgt vom Apis-Stier. Rechts Texte aus dem Totenbuch. Sturz innen: Krüge und der Grabherr und seine Frau sitzend.
21. Texte
22. Kleider, Halsketten, heilige Öle, darunter Texte.

Halle V.
23. Sturz außen: Doppelszene mit dem sitzenden Grabherrn und Opferträgern. Texte auf dem Rahmen. Im Durchgang links zwei Register mit dem Grabherrn:
I. Priester mit Vasen, Halsketten und Ritualinstrumenten.
II. Rechts mit seiner Mutter und Opfergaben.
Auf dem inneren Sturz und Rahmen Texte.
24. Auf dem Fries: Schlachter und Riten vor der Mumie, darunter Texte.
25. Ähnliche Szene und Texte: große Opferliste, sieben heilige Ölkrüge, eine Statue wird von Priestern getragen.

Raum VI.
26. Auf dem äußeren Sturz bringen Opferträger dem Grabherrn und seiner Mutter Gaben. Auf dem Rahmen Texte, der Grabherr sitzt unten. Über dem inneren Durchgang kniet Anubis, ein affenköpfiger Dämon. Der Grabherr vor widderköpfigen Göttern in einem Schrein darunter.
27. Der Grabherr, Isis, Horus, Dämonen, Gott mit einem Pelikan-Schnabel usw.
28. Der Grabherr

Raum VII.
29. Auf der Eingangswand der Grabherr und Texte
30. + 31. isis und andere Gottheiten

Raum IX.
32. Der knieende Grabherr vor einer Scheintüre
33. Wägungs-Szene, mit Maat, Thot usw. vor Osiris.

Raum X.
34. Text aus dem Totenbuch. Opferliste und Riten vor dem sitzenden Grabherrn.
35. Auf dem Fries kleine Szenen und Opfertexte.

Raum XI.
36. Text aus dem Totenbuch auf allen Wänden. Auf der Südwand zwei Anubisschakale.

Raum XII.
37. Auf dem Sturz außen: der sitzende Grabherr mit zwei Registern mit Opfergaben. Auf den Rahmen Texte über dem am Boden sitzenden Grabherrn, ebenso im Durchgang. Innerer Durchgang: Texte und die Horuskinder mit Kerzen.
38. Szenen aus dem Pfortenbuch

Korridor XIII.
39. Im Durchgang der Grabherr mit seinem kleinen Sohn.
Auf den äußeren Wänden Texte aus den Totenbüchern: Buch der Nacht, der Tore, der Erde und dem "was in der Duat ist".
40. Die Barke des Rê
41. Die Barke des Rê, gezogen von Göttern
Die inneren Wände sind in Gestalt eines Sarkophages ausgeführt, mit Scheintüren und Göttern in kleinen Nischen sowie Schutzgöttern an den Ecken: --> Chenti-cheti, Neith, Selkis, Hathor, Maat, Nut, Nephthis, Isis.

Raum XIV.
42. Auf der linken Wand eine zerstörte Szene mit dem Namen des Gottes --> Ruti. Auf der rechten Wand der Grabherr vor Sokar, Nut, Osiris, Isis, [Horus, Thot].
Rückwand: Reste einer Doppelszene mit Ptah im Schrein und Ptah-Sokar.

Raum XV.
43. Linke Wand: Opfer vor Osiris. Rechte Wand: Opfer vor Ptah mit der Barke des Sokar und Isis. Rückwand: in einer Doppelszene opfern der Grabherr und seine Frau Osiris.

Raum XVI.
44. Linke Wand: Opfer vor Ptah-Chenti-hatnub und der Barke des Sokar. Rechte Wand: Opfer vor Sokar-Chenti-hatnub und den Horuskindern. Auf der Rückwand eine Doppelszene mit Ptah-Chenti-hatnub, Horus und Ptahweb links sowie Nut, Isis, Nephthis und Ruti rechts.

Unterirdische Räume
XVII. - XIX. Auf den Wänden: Höhlenbuch
45. Auferstehung des Osiris, Horus mit Zepter.
Astronomische Deckenbemalung in Raum XIX.

Sargkammer XXII.
An den Wänden das "Buch von dem, was in der duat ist".

Funde:
Mauerblöcke mit
  • Kopf des Grabherrn, Brüssel M. roy. Cincantenaire (E.3057)
  • Kopf des Grabherrn, München (Inv. 2832)
  • Texten Washington Smithonian Inst. (1420)
  • Opferszenen, Reliefreste, Kairo
  • Text des Rê-Harachte, London (BM 786)
  • Statue des Grabherrn, Syracus
  • Zwei Basalt-Torsi, Kairo, Michaelidis Collection
  • Rote Granit-Opfertafel, Brüssel M. roy. Cincantenaire (E.5811)


Literatur.:
J. Duemichen, Der Grabpalast des Patuamenap, 1936
von Bissing in Ä.Z. lxxiv (1938)
Maspero, Le Tombeau de Pétéménophis, RdHdR (1897)
Wilkinson, Topography of Thebes
-Burton, MSS 25639
-Hay, MSS 29824


Nachsatz, Okt. 2007:
Der Nachlass von J. Duemichen wird von der Universität Straßburg verwaltet. Den dortigen Professoren Anni Schweizer und Claude Traunecker wurde vor  wenigen Jahren die Genehmigung erteilt, das seit über 100 Jahren verschlossene Grab zu betreten und eine Voruntersuchung vorzunehmen. Man stieß auf weitere, bisher nicht bekannte Gänge und Räume sowie Inschriften bisher unbekannten Ausmaßes. Prof. Traunecker sieht in dem Grabherrn "einen antiken Ägyptologen, der versucht hat, das damalige Wissen um die äg. Totenliteratur in seinem Grab für die Nachwelt festzuhalten".
Es bleibt zu hoffen, dass den Straßburgern die Mittel zur Verfügung stehen werden, um TT 33 systematisch zu dokumentieren.
Eine SWR-Fernsehdokumentation wurde am 23.09.2007 ausgestrahlt.


Nachsatz, Apr. 2021:
Aufgrund der erfreulichen Entwicklungen, welche sich in den Jahren 2004 bis 2019 eingestellt haben, folgt hier nun eine ergänzende Aktualisierung hinsichtlich der in diesem Grab erzielten Forschungsergebnisse.

Johannes Dümichen hatte die Grabanlage TT 33 des Petamenophis in den Jahren 1875 - 1882 erstmals systematisch untersucht. (1) Das Grab des Petamenophis findet sich im nördlichen Asasif der Nekropole Theben West. Es liegt mit seiner östlichen Seitenwand parallel zum direkt benachbarten Aufweg jener einstigen Prozessionsstraße, welche vom Nilufer zum Tempel der Königin Hatschepsut hinauf führt. Jenseits dieses Aufweges befindet sich an den Abhängen des Deir el-Bachit die Ruine einer kleinen Pyramide gelegen. Erstmals wurde sie durch Gardiner und Weigall topographisch erfasst. (2) Die genaue Lage findet sich in einer Karte bei Porter und Moss verzeichnet. (3) Sie ist zwischen den Grabanlagen TT 279 Pabasa und TT 196 Padihorresnet gelegen und hat in ihrer weiteren Nachbarschaft die Grabanlagen TT 37 Harwa und TT 34 Montuemhat.    

Das Grab des Petamenophis wurde von Dümichen einst zu Recht als "Grabpalast" beschrieben, denn die mächtigen Treppenhallen, Säle und Gemächer wurden auf vier Etagen über 20 Meter tief in den Felsboden hinein getrieben. Die Wände dieser Grabanlage sind über und über mit Texten und Bilddekorationen aus den ägyptischen Totenbüchern versehen. Dümichen hatte eine erstmalige Abschrift dieser Bücher vorgenommen, doch konnte er seine Ergebnisse nur noch teilweise veröffentlichen, weil er unerwartet verstarb. Obwohl sein Schüler Wilhelm Spiegelberg posthum noch einen dritten Band herausgab, ging ein wesentlicher Teil der von Dümichen erzielten Forschungsergebnisse in der Folgezeit verloren.
   
Seit dem Jahre 2004 nahm das Straßburger Institut für Ägyptologie unter der Leitung von Claude Traunecker die in den Sälen, Treppenhäusern und Gemächern der Grabanlage TT 33 befindlichen Hieroglypentexte und Dekorationen dann erneut auf.
Die epigraphischen Transkriptionsarbeiten konnten inzwischen für die folgenden Texte erfolgreich abgeschlossen werden bzw. werden seit ihrer Aufnahme nunmehr bearbeitet:

Silvia Einaudi : Die Totenbücher (4)
Daniel Werning : Das Höhlenbuch (5)
Isabelle Régen : Das Buch Amduat (6)
Isabelle Régen : Das Pfortenbuch (7)  
Barbara Engelmann von Carnap : Das Mundöffnungsritual (8)

Allein das Höhlenbuch, es ist eines der drei großen Unterweltsbücher, umfasst rund 12.000 Textwörter und beschreibt in 80 teils dekorierten Szenen die nächtliche Reise des Sonnengottes durch eine Folge von insgesamt sechs Höhlen der Unterwelt hindurch. Es ist in sehr geschickter Weise von den Handwerkern des Petamenophis auf jenen Wänden und Korridoren der Grabanlage TT 33 angebracht worden, welche zur Sarkophagkammer des Bauherren führen (Räume XVII - XIX). Die Schlußzene dekoriert ein Reliefbild, welches die "Erweckung des Osiris" zum Gegenstand hat.

Claude Traunecker gelang in einer vergleichenden Studie der Nachweis, dass der oberste Vorlesepriester Petamenophis bei der Anfertigung der in seinem Grab verewigten Totenbücher thematische Anleihen in den Gräbern Nubiens machte. Traunecker identifizierte im Grab des Petamenophis thematische Elemente, welche sich ebenso im Sudan, im Dekor der königlichen Pyramiden von Kourrou und Nouri, vorfanden. Daher ist davon auszugehen, dass der Vorlesepriester Petamenophis durch Darstellungen und Texte inspiriert wurde, welche ihren Ursprung im Gebiet des Königreiches von Napata haben. (9) Tatsächlich scheint der Priester Petamenophis im 7. Jahrhundert, in der Zeit des äthiopischen Pharao Taharqa, gewirkt zu haben, was dieser Entdeckung durchaus entgegen käme.


Quelle:
(1) Dümichen, Johannes : Der Grabpalast des Petaumenap in der Thebanischen Nekropolis, Erster Teil, Die Inschriften und Ansichten des Grabgebäudes, Leipzig 1884, S. VII - X und S. 1 - 5.
(2) Gardiner, Alan Henderson ; Weigall, Arthur : A Topographical Catalogue of the Private Tombs of Thebes, London 1913, Platte IX (El Khokhah).
(3) Porter, Bertha ; Moss, Rosalind ; Burney, Ethel : Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs and Paintings, Vol. 1, The Theban Necropolis, Part 1, Private Tombs, Oxford 1960, Map IV (El Khokha and 'Asasif).
(4) Einaudi, Silvia : Les textes funéraires dans les tombes monumentales tardives de l'Assassif - une vue d'ensemble. In : Albert, Florence ; Lenzo, Giuseppina : Les textes funéraires de la Troisième Période intermédiaire a la Basse Époque, IFAO, Lausanne 2021.
(5) Werning, Daniel A. : Das Höhlenbuch im Grab des Petamenophis (TT 33), Szenen, Texte, Wandtafeln, Berlin 2019.
(6) Régen, Isabelle : Menkhéperre A, Padiaménopé (TT 33) et Nectanébo II. La transmission du Livre de l'Amdouat de la Troisième Période intermédiaire à la Basse Époque. In : BIFAO, Bulletin de l'Institut Francais dÄArchéologie Orientale, Volume 120, Paris 2020.
(7) Régen, Isabelle : Le Livre des Portes de la tombe de Padiaménopé (Publié 2020, d'après des fac-simileès inédits)
(8) Carnap, Barbara Engelmann von : Zum Mundöffnungsritual im Grab des Padiamenope (TT 33). In : BIFAO, Vol. 118, Paris 2018, S. 127 - 141.
(9) Traunecker, Claude : Problématiques et bilan des principaux résultats. In : Traunecker, Claude ; Régen, Isabelle ; Einaudi, Silvia : TT 33 - Tombe de Padiaménopé (Thèbes-ouest). In : BAEFE, Bulletin archéologique des Écoles francaises à l'étranger, Paris 2020.

Eingestellt durch: semataui (28.02.2007)
Bearbeitet durch:  semataui (28.10.2007), Lolli2u (08.04.2021)
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