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  Elfenbein
Der im LÄ I 1225 recht knappe Beitrag „Elfenbein“ gibt Anlass, im Lexikon auf dieses besondere Material etwas ausführlicher und unter Berücksichtigung neuerer Arbeiten einzugehen. Viele der Angaben stammen aus der Übersicht von O. Krzyszkowska 2000 und aus der Dissertation von E. Fischer 2007. Es sollen hier im Wesentlichen das Elfenbein (E.) als Material, als Handels- und Tributobjekt sowie seine Herkunft und Werkstoffeigenschaften erörtert werden.


1. Begriffsbestimmung
Abzugrenzen ist das „echte E.“ des Elefanten und Flusspferdes von ähnlichem Zahnmaterial (vom Eber), von Geweihen und Knochen, die alle auch als Materialien insbesondere für Kleinstücke (z.B. (Roll-)Siegel, Perlen, Ringe u.ä.) Verwendung fanden. Ebenfalls als E. werden bei weit gefasster Begriffsbildung auch Walross-, Narwal- und Spermwal-Zähne bezeichnet, die allerdings im ägyptischen Kontext genauso wenig eine Rolle spielen wie Mammut-E. (Krzsyszkowska 2000). Horn von Rindern und Büffeln ist eine Keratinsubstanz und deshalb wie auch Hufmaterial nicht mit E. oder Knochen verwandt, wiewohl es als Material z.B. von Flaschen ebenfalls Verwendung fand.
Vielfach ist eine Identifizierung der E. sensu strictu, also von Elefanten- und Flusspferd-E., allein schon aus der Form und/oder Größe von Objekten möglich, in Zweifelsfällen (insbesondere bei kleinen Objekten) helfen morphologische und strukturelle Untersuchungen, die z.T. auch zerstörungsfrei möglich sind (z.B. Infrarot- und Ramanspektroskopie), was ihren Einsatz sogar an archäologischem Material erlaubt. Die durch das Washingtoner Artenschutzabkommen angestrebte Kontrolle des Elfenbeinhandels begründet das stark gestiegene Interesse an leistungsfähigen Methoden und erklärt auch, dass im Ergebnis über Elefanten-E. genauere Angaben über die Zusammensetzung und Struktur vorliegen als für das Flusspferd-E.


2. Elfenbein als Material
Als Material für die verschiedensten Schnitzarbeiten eignet sich E. aufgrund seiner Härte und Dichte; Beständigkeit gegen Abnutzung und gute Polierbarkeit sind weitere günstige Eigenschaften. Die relative Seltenheit des Materials wie auch die durch Formgebung und Politur erreichbare Schönheit von daraus gefertigten Objekten begründen die Beliebtheit dieses Werkstoffes. Wenn Drenkhahn (LÄ I 1225) es als zu den „weichen Werkstoffen“ gehörig einordnet, so gilt dies wohl nur im Vergleich mit Stein. Im Gegensatz zu Holz ist es nicht spaltbar, so dass es nur gesägt werden kann und bei seiner weiteren Verarbeitung sind spanabhebende, schabende und polierende Verfahren neben echten Schnitztechniken anzuwenden. Für Verzierungen eignet sich das Ritzen (s. --> Zaubermesser). Farbaufträge sind selten, Ein- oder Auflagen mit Gold gelegentlich zu finden. Gemeinsam mit Holz sind Einlegearbeiten möglich. Für Rundplastiken und größere Gefäße wurde vorwiegend das Elefanten-E. eingesetzt, kleinere Figuren, z.B. Spielfiguren und –steine sind oft aus Flusspferd-E. gearbeitet worden.


3. Elefantenelfenbein
Das Elefanten-E. besteht zu etwa 30 % aus organischem Material, im Wesentlichen Kollagen, und zu ca. 60 % aus mikrokristallinem Kalziumphosphat. Der Wassergehalt liegt bei frischem E. bei 20 - 25 %, im trockenen Zustand um 13 – 15 %. Härte und Stabilität erhält E. vom Mineralgehalt, Elastizität und Zugfestigkeit von der organischen Substanz. Das Zahnbein (Dentin) stellt die große Masse des E. dar, es enthält im Gegensatz zum Knochen keine Zellen. Die das Dentin bildenden Zellen (Odontoblasten) befinden sich in der Pulpa, dem Gefäß- und Nerven-reichen Bindegewebe, das die Zahnwurzel-Höhle (Pulpahöhle) ausfüllt (s. Abb. 1 und 2). Die Stoßzähne des Elefanten wie auch die Eck- und Schneidezähne des Flusspferdes haben einen offenen Wurzelbereich, das untere Ende der Pulpahöhle, wodurch sie lebenslang durch Anbau von Dentin wachsen können. Beim Elefanten werden die Stoßzähne dadurch im Laufe des Lebens immer länger, beim Flusspferd werden hingegen die Spitzen durch gegenseitiges Reiben abgeschliffen, was das Längenwachstum beschränkt (s. Pkt. 4). Das neu gebildete Dentin lagert sich innen in der Pulpahöhle des Stoßzahnes an, der Zahn wächst so schichtweise von innen nach außen. Dadurch entsteht eine charakteristische Maserung aus konzentrischen Lamellen, die bei rundplastischen Objekten zu einem feinen Muster aus wellen- und bogenförmigen Linien führt, die die Oberfläche vielfältig zeichnen und beleben. Als Lagerungsschaden kann es entlang der Lamellengrenzen zu sog. cone-in-cone-Brüchen kommen.


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Abb. 1: Die anatomischen Verhältnisse im Elefantenschädel. Abb. aus Fischer 2007, Taf. 2a

Als „Lieferanten“ des Elefanten-E. sind zwei Tierspezies zu nennen: der Afrikanische Elefant mit zwei Unterarten, dem Rundohr- oder Waldelefant (Loxodontia africana cyclotis) und dem Großohr- oder Steppenelefant (L. africana africana) sowie der Asiatische Elefant, der in vier regional differenzierten Unterarten heute in Süd- und Südostasien anzutreffen ist, wobei Elephas maximus bengalensis die häufigste darstellt. In der Zeit des alten Ägypten gab es sicher im Bereich des heutigen Syrien und Palästina noch Elefanten, wovon ein berühmtes Bildzeugnis der von syrischen Tributbringern mitgeführte Elefant im Grab des Rechmire (TT100) existiert, der mit kleinen Ohren, aufgewölbtem Schädel und Rundrücken deutliche Merkmale des Asiatischen Elefanten zeigt. (Zu den Elefantenjagden der Thutmosiden s.u.) Der Afrikanische Elefant, durch Knochenfunde im vorgeschichtlichen Ägypten nachgewiesen, ist sicher bereits im frühen 3. vorchristlichen Jahrtausend im ägyptischen Niltal nicht mehr heimisch gewesen, so dass der E.handel schon früh auf verschiedenen Routen eine Rolle spielte (s. Pkt. 5). Der Name der Insel Elephantine ist hierfür ein Hinweis, gilt doch das Wort Abw sowohl für die Insel als auch für das Tier und das E., aber auch für das Flusspferd-E. (Fischer 2007, 5624).


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Abb. 2: Materialnutzung des Elefantenstoßzahnes. Abb. aus Fischer 2007, Taf. 2b

Die Stoßzähne sind in Alveolen des Oberkiefers verwurzelt, ihre Position lässt erkennen, dass sie modifizierte Schneidezähne sind. Beim Afrikanischen Elefant haben zumeist beide Geschlechter Stoßzähne, die der Kühe sind deutlich kleiner, beim Asiatischen Elefant haben die Kühe meistens keine Stoßzähne. Man erkennt auf Abb. 1 und 2 die Pulpahöhle, die ungefähr so lang ist wie der in der Alveole steckende Teil des Zahnes. Da die Verankerung des Zahns im Oberkiefer ziemlich fest ist, bereitet das Auslösen aus dem Schädel einige Mühe, es soll bei einem starken Bullen 2 – 4 Std. dauern (Fischer 2007, 5737). Das auch mögliche bloße Absägen wurde wohl aus Gründen der Materialökonomie vermieden, bietet doch auch der Teil des Zahnes mit der Pulpahöhle Material z.B. zur Herstellung von runden Dosen oder Flaschen.

Der harte Schmelz findet sich beim Elefant nur an der Spitze der Stoßzähne, wo er auch durch Abnutzung verloren gehen kann, ansonsten sind die Zähne von einer einige Millimeter starken Zementschicht umgeben, die den Corpus aus Dentin umgibt.
Die größten Zähne findet man beim Afrikanischen Steppenelefant, Mittelwerte liegen bei 2 m Länge und 30 – 50 kg, während Wald- und Asiatischer Elefant deutlich kleinere Exemplare erzeugen, Mittelwerte bei 1 – 1,5 m und 20 – 30 kg. Die Angaben für Durchmesser schwanken zwischen 12 und bis 20 cm.


4. Flusspferdelfenbein
Die Charakterisierung des Flusspferd-Elfenbeins als Material für Zaubermesser (Z.)., aber auch für vielfältige andere kunsthandwerkliche Gegenstände, findet sich ebenfalls in den genannten Arbeiten von Krzyszkowska, 2000 und Friedrich, 2007. Grundsätzlich sind die großen unteren Eckzähne von den viel kleineren oberen und den Schneidezähnen zu unterscheiden (Abb. 3) während die Molaren als E. keine Rolle spielen, genauso wenig wie beim Elefanten.
Zur Herstellung der Z. dienten ausschließlich die großen unteren Eckzähne, für andere Gebrauchsgegenstände wie Schminkpulverbehälter o.ä. wurden aber auch die Schneidezähne verwendet. Die unteren Eckzähne sind im Querschnitt angenähert dreieckig und an den beiden längeren nach außen weisenden Seiten mit hartem Schmelz überzogen, der vor der eigentlichen Bearbeitung abgeschlagen werden muss. Die ins Maul des Tieres weisende Schmalseite ist mit weicherem Zement über dem die Zahnmasse bildenden Dentin (Zahnbein) bedeckt (s. Abb. 4), wodurch der Zahn von dieser Seite her gegen den oberen Eckzahn abgeschliffen werden kann und dadurch, anders als beim Elefantenstoßzahn, nicht während des Lebens ständig länger wird. Die Eckzähne weiblicher Tiere bleiben deutlich kleiner als die der Flusspferdbullen, die 50-60 (-100) cm lang und 3 (-4) kg schwer werden können. Der größte Durchmesser liegt bei 6 cm (Friedrich 2007, S. 61). Die Zahnwurzelhöhle scheint auf den in der Kieferalveole steckenden Zahnbereich beschränkt zu sein, so dass als Material für die Herstellung von Z. die ganze Länge des aus dem Unterkiefer hervorstehenden Zahnes genutzt werden kann. Altenmüller (1986) gibt eine Tabelle von 20 Z., deren Länge vollständig ermittelt werden konnte. Sie reicht von 31 bis 62 cm, wobei 10 Stücke zwischen 35 und 48 cm liegen.


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Abb. 3: Flusspferdschädel. Die großen unteren Eckzähne ragen beim lebenden Tier weit aus dem Unterkiefer und auch aus dem Maul heraus. Rechts oben ein isolierter unterer Eckzahn, darunter ein Schneidezahn, leider ohne Größenangabe oder Vergleichsmöglichkeit. Krzyszkowska (2000, 327) zitiert für die Schneidezähne: Länge bis 50 cm, Durchmesser bis 5 cm. Abb. aus Fischer 2007, Taf. 4.

Dass Flusspferde im Alten Ägypten wohl keine seltenen Tiere waren, geht aus dem reichlichen Bildmaterial in Reliefs und Malerei sowie Kleinplastiken hervor; eine Populationsdichte lässt sich gleichwohl daraus für diese Zeit nicht ermitteln. Sicher ist nur, dass Anfang des 19. Jh. nach Chr. die letzten Flusspferde im Nildelta erlegt wurden und damit das Vorkommen in Ägypten erloschen ist, in Palästina und Syrien schon frühzeitig im Altertum. Da diese Tiere in der Landwirtschaft großen Schaden anrichten können, hat die Jagd auf sie sicher auch schon aus diesem Grunde stattgefunden; außerdem lieferte es neben Fleisch und Fett auch Leder und Sehnen. Ob gezielte Jagd wegen ihres Elfenbeins erfolgte, ist fraglich. Die Funde vieler Z. in Gräbern von Beamten und Adligen zeigen, dass die Z. hohe Wertschätzung genossen, so dass das Flusspferd-Elfenbein gegenüber dem vom Elefanten stammenden wohl nicht als "Elfenbein des armen Mannes" (Krzyszkowska 2000, p. 327) angesehen werden muss.


Abb. 4: Flusspferd-E., schematischer Querschnitt durch einen unteren Eckzahn. Rechts und unten die mit Schmelz bedeckten, äußeren Seiten, links die im Maul nach innen weisende mit Zement bedeckte Fläche. Das Spalten, vermutlich durch Sägen, dürfte durch die Nahtlinie geführt worden sein, an der auch Brüche vorkommen können.
Abb. aus Fischer 2007, Taf. 6a.

Neben den Z. wurden aus Flusspferd-Elfenbein eine andere Gruppe von besonderen Objekten gefertigt, nämlich die wohl als Rhythmusinstrumente verwendeten Klappern, die die gebogene Form der Eckzähne ebenfalls aufweisen (s. v. Bissing 1938, II, §24c, Petrie 1927).


5. Handel
Wie oben schon gesagt, war man zum Erhalt des wertvollen und begehrten Materials E. schon seit frühdynastischen Zeiten auf Handel bzw. Beschaffung durch Expeditionen angewiesen. Der Nil bot hierfür die direkte Verbindung nach Nubien und noch weiter südwestlich gelegenen Savannen von Darfur und Kordofan. Schon zur Zeit des NR scheint es selbst im Bereich des Nil-Atbara-Dreiecks keine Elefanten mehr gegeben zu haben (Morkot nach Fischer 2007, 66105), während Plinius und Strabon von dieser südsudanesischen Gegend über Elefantenvorkommen berichten (Fischer 2007, 66106,107). Schriftliche Quellen zum Handel mit Jam, Kerma, Napata u.a. Orten im Südsudan als Ausgangspunkte sind rar und unzuverlässig. Eine Expedition nach Jam durch den in Assuan ansässigen Harkhuf in der 6. Dyn. bringt mit 300 Eseln unter verschiedenen Gütern auch E., aber ohne Mengenangaben, zurück. Wirtschaftsakten des Palastes oder Schatzhauses aus dieser Zeit mit entsprechenden Angaben fehlen. Aus dem MR erfährt man über den E.handel kaum etwas (Krzyszkowska 2000).

Anders sieht es für das NR aus, wo reichlich Text- und Bildmaterial über Tribut- und Geschenklieferungen aus den „südlichen Ländern“ – Nubien, Kusch, Medjai, Nehesi, Amu, Punt – vorliegt, ohne dass in allen Fällen die geografische Lage der erwähnten Gegenden eindeutig klar ist bzw. heute mit Sicherheit eruiert werden kann. Aber auch aus diesen Zeiten lassen sich Mengenangaben kaum erschließen (Busch 2006; Fischer 2007, 67116-118). Krzyszkowska (2000, 324) vermutet, dass am Ende der 2. Zwischenzeit und im frühen NR die Kermaherrscher das E. aus dem Süden bezogen und dann nach Ober- und Mittelägypten auf dem Nil, aber auch auf einer Wüstenroute über die westlich des Niltals gelegenen Oasen direkt an die Hyksoskönige nach Auaris lieferten. In Gegenden östlich des Nils zur Westküste des Roten Meeres hin scheint es zu der Zeit noch Elefanten gegeben zu haben; die Ptolemäerkönige sollen dort ihre (Kriegs-)Elefanten gefangen haben (Fischer 2007, 66108). Neben diesen Ursprungsländern im Süden wird auch Libyen-Tjehenu als Herkunftsgegend erwähnt, z.B. auf der Obeliskeninschrift der Hatschepsut im Karnaktempel (s.u.), und auch noch weiter westlich gelegene Regionen Nordafrikas bis in die Atlasländer beheimateten Elefanten bis in die spätrömische Zeit (Fischer 2007, 67122), so dass andere Quellen für das E. in Ägypten als das südliche Nubien durchaus zu berücksichtigen sind. Sicher kann auch von dort aus E. nach Kreta und in die Ägäis gelangt sein, wofür es seit der Mitte des 2. vorchristlichen Jahrtausends Belege und Funde gibt (Krzyszkowska 2000, 324). Andererseits zeigen die Darstellungen von Kretern in thebanischen Gräbern, die Elefantenstoßzähne als Geschenke oder als Tribut bringen, dass es zwischen Herrschern einen Austausch solcher Kostbarkeiten gegeben hat. Bezüglich der Bedeutung von E.-Importen aus Syrien ist Busch (2006) in ihrer ausführlichen Zusammenstellung sehr zurückhaltend. Die Berichte von königlichen Elefantenjagden im nordwestlichen Syrien (Gegend von Niyi im Landesteil Naharina) durch Thutmosis I und III, dokumentiert auf Stelen aus Arment und Gebel Barkal sowie in der Punthalle im Tempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari, sind wohl eher als herrscherliche Großwildjagden zu interpretieren denn als auf E.-erwerb zielend (Busch 2006 contra Helck 1971).

Auch für das NR sind die nach Ägypten eingeführten E.-Mengen schwerlich zu quantifizieren. Man kann davon ausgehen, dass in der Regel ein Mann einen Elefantenstoßzahn (20 – 50 kg) trug, selbst wenn in Darstellungen von Tributzügen gelegentlich Träger mit zwei Zähnen zu sehen sind (z.B. in TT 63 und im Grab des Huj in Amarna, zit. nach Busch 2006, 88 ff). Auf dem Obelisken der Hatschepsut in Karnak wird von 700 Zähnen gesprochen, die aus Tjehenu für den Tempel gebracht worden sind – wohl eher eine überhöhte Angabe, die nur ausdrücken sollte, dass die Götter mit der Menge an E. zufrieden waren (Busch 2006). Denn nach Angaben bzw. Abbildungen sind die Lagerbestände an E. in Tempelschatzhäusern eher gering, abgebildete Stapel zeigen 3 - 6 – 10 Stück. Auch die Angaben der oft zitierten Inschrift in der Felsenkapelle 4 in Qasr Ibrim lässt keine eindeutige Zahlenangabe zu, da die Zahl von 340 Trägern sich nur durch vermutete Ergänzungen auf der Inschrift ergibt. Busch schließt sich der vorsichtigeren Angabe von Caminos (ASE 32, 1968, 67) an und hält als Anzahl der Träger (und der Zähne) x+ (1)40 als den Gegebenheiten des Zustandes der Inschrift besser gerecht werdend.
Die Quellenlage ergibt somit, kurz summiert, bezüglich der Herkunft des E. im alten Ägypten ganz überwiegend die „südlichen Länder“, beruhend auf Handel, Expeditionen und Tribut, während aus Syrien, Libyen und auch Kreta E. vor allem in Form von Schmuck- und Gebrauchsgegenständen durch Geschenke von Vasallen und als Kriegsbeute nach Ägypten kam.


6. Schlussbemerkungen: Etymologie des Wortes Elfenbein; Kuriosa
Das Wort Elfenbein hat nichts mit Elfen zu tun, sondern leitet sich von dem lateinischen Namen des Tieres, elephantus und vom griechischen elephas her. Im Althochdeutschen hieß das Tier helphant, erst Luther korrigierte es in seiner Bibelübersetzung in Elephant. Das -bein = Knochen wurde dem helphant angehängt, wenn man den Stoßzahn bzw. das Material und nicht das Tier meinte. Das englische und französische ivory bzw ivoire haben die Gebrüder Grimm, wohl über das lat. eburneus, auf das ägyptische Abw zurückgeführt (Fischer 2007, 531).

Fischer zitiert noch zwei eher als Kuriosa einzuordnende Bemerkungen (Fischer 2007, 5412). E. ist in gewissem Ausmaß hygroskopisch (vgl. o. den für frisches bzw. getrocknetes E. angegebenen Wassergehalt). Es nimmt in begrenztem Umfang Feuchtigkeit auf – deshalb ist es früher gern als Furniermaterial für Klaviertasten verwendet worden. Aus einem ganz anderen Kulturkreis, der wieder nach Afrika zurückführt, stammt die folgende Beobachtung: Regenmänner afrikanischer Stämme nutzten die durch Feuchtigkeitsaufnahme ausgelöste Verbiegung von E.stäben aus, die in trockenem Zustand in geeignete Bodenstellen gesteckt wurden. Zunehmende Luft- oder Bodenfeuchtigkeit führt zum Verbiegen und erlaubt so die Ankündigung bevorstehender Niederschläge (Fischer zit. nach Sikes: The natural history of the African Elephant, London 1971, p.85).


Quelle:
Altenmüller, H. 1965: Die Apotropaia und die Götter Mittelägyptens. Eine typologische und religionsgeschichtliche Untersuchung der sog. „Zaubermesser“ des Mittleren Reiches. Dissertation Univ. München 1965. Bd. I Abhandlung, Bd. II Katalog.
Busch, A. 2006: Über Herkunft und Handel von Elfenbein im Neuen Reich. SAK 34(2006)79-96
Fischer, E.: Ägyptische und ägyptisierende Elfenbeine aus Megiddo und Lachisch. Inschriftenfunde, Flaschen, Löffel. Dissertation Univ. Mainz. AOAT Bd. 47 Ugarit-Verlag Münster 2007 .
Helck, W.: Die Beziehungen Ägyptens zu Vorderasien. ÄA 5(1971)428-430.
Krzyszkowska, O. 2000: Ivory and related materials. Kap. 13 in: P.T. Nicholson, I. Shaw (eds) Ancient Egyptian Materials and Technology. Cambridge Univ. Press 2000.

Eingestellt durch: menna (28.10.2008)
Bearbeitet durch: -


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