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   Übersetzungsübung: Der weise Imhotep (Teil 2) (39)
  Autor/in  Thema: Übersetzungsübung: Der weise Imhotep (Teil 2)
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzungsübung: Der weise Imhotep (Teil 2) 
« Antwort #30, Datum: 20.06.2010 um 09:42:48 »   

...

PtH-m-+Hw.tj

Hannig, Ägyptisch-Deutsch, S. 298 "Ptah-em-Djehuti, ein berühmter Autor"; Ranke, PN II, 287.15.

Zur Schreibung von +Hw.tj "Thoth" mit einem Djed-Pfeiler R11 in der Spätzeit: Wb V, 606, mit zwei Djed-Pfeilern: LGG VII, 640 (siehe Anhang).

Leider ist dieser "berühmte Autor" nicht weiter bekannt; es kann ihm auch keine Lehre zugeordnet werden.

#aj-xpr-Ra-snb(.w)

Hannig, S. 587 "Cha-cheper-Re-seneb (ein berühmter Autor)"; Ranke, PN I, 264.20 "Sesostris II. ist gesund". Dieser Name ist ein Satz, nämlich eine pseudoverbale Konstruktion: Substantiv [ein Name] + Pseudopartizip. Die Endung .w für die 3. Person Singular maskulin wird oft nicht geschrieben. Bei dem Namen handelt es sich um den Thronnamen Sesostris' II, eines Königs der 12. Dynastie; sicher auch ein Hinweis auf die Zeit, in der Cha-cheper-Re-seneb gelebt hat. Im Königsnamen selbst (PN I, 264.17) wird Re aus Gründen der Ehrfurcht vorangestellt.

Von Cha-cheper-Re-seneb ist uns auch eine Lehre überliefert (siehe Anhang: LÄ III, 977).

...
> Antwort auf Beitrag vom: 19.06.2010 um 12:08:37  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzungsübung: Der weise Imhotep (Teil 2) 
« Antwort #31, Datum: 20.06.2010 um 09:47:30 »   

...

Pth-Htp(.w)

Hannig, S. 298 "Ptahhotep (ein berühmter Wesir und Autor)"; Ranke, PN I, 141.5 "Ptah ist zufrieden", ebenfalls eine pseudoverbale Konstruktion.

Ptahhotep, angeblich Wesir unter Pharao Djedkare Asosi (5. Dyn.), hat eine Lehre hinterlassen, die in mehreren Papyri überliefert ist (siehe Anhang: LÄ III, 989-991).

KA-jrj-s(w)

Hannig, S. 872 "Kaires (ein berühmter Autor)"; Ranke, PN II, 321.1 (maskulin) mit Verweis auf PN I, 338.22 (feminin). Nach LÄ ist der Name KA(=j)-jrj-sw zu lesen: "mein Ka ist es, der ihn gemacht hat". Dieser Weise wird mit dem Wesir Kagemni identifiziert, dem eine berühmte Lehre zugeschrieben wird (siehe Anhang: LÄ III, 980-982).

Die genannten Lehren sind in vielen Anthologien und auch im Internet veröffentlicht worden.

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 20.06.2010 um 09:42:48  Gehe zu Beitrag
M.Panov  maennlich
Member

  

Re: Übersetzungsübung: Der weise Imhotep (Teil 2) 
« Antwort #32, Datum: 20.06.2010 um 15:59:04 »   

Guten Tag, Herr Tilgner,

Anfang der Lehre des Kairsu (so!) wurde vor kurzem in ZAS 136 (2009), S.87f publiziert.

Mit freundlichen Gruessen,

M.P.
> Antwort auf Beitrag vom: 20.06.2010 um 09:47:30  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzungsübung: Der weise Imhotep (Teil 2) 
« Antwort #33, Datum: 20.06.2010 um 22:44:38 »   

Lieber Maxim Panov,

vielen Dank für diesen Hinweis!

Grr! Ich habe nämlich den Artikel in meinen Unterlagen, aber vergessen ...

Es handelt sich um Ursula Verhoeven, Von der "Loyalistischen Lehre" zur "Lehre des Kaïrsu". Eine neue Textquelle in Assiut und deren Auswirkungen, in: ZÄS, Bd. 136, S. 87-98 (2009).

Die "Loyalistische Lehre" (LÄ III, 982-984) ist ein provisorischer Titel, weil man deren Autor bisher nicht kannte. Den LÄ-Eintrag füge ich nicht bei, da er auf französisch geschrieben ist. Stattdessen verweise ich auf Günter Burkard, Heinz J. Thissen, Einführung in die altägyptische Literaturgeschichte, Bd. I: Altes und Mittleres Reich, 2. Auflage, Berlin, 2007, Abschnitt: Die Loyalistische Lehre, S. 181-185. Leider ist die Vorschau nicht ganz vollständig, aber man kann doch einen Eindruck vom Werk gewinnen.

Durch ein Graffito in dem neu entdeckten Grab 13.1 in Assiut kann nun der Verfasser dieser Lehre benannt werden: Es ist der KA-jr-s(w) unserer Textstelle! - Meiner Meinung nach ist dies die korrekte Umschrift, da das perfektische aktive Partizip von jrj "machen" jr lautet (= Wegfall des dritten "schwachen" Konsonanten nach Gardiner, Egyptian Grammar, § 359 unter 3ae inf.).

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 20.06.2010 um 15:59:04  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzungsübung: Der weise Imhotep (Teil 2) 
« Antwort #34, Datum: 21.06.2010 um 11:44:01 »   

Hallo, Leute,

zur Übersetzung dieses Abschnittes, die bei Euch weitgehend übereinstimmt! Da ich einige Ergänzungen mache, gebe ich die Sätze vollständig wieder:

Versteckten Text anzeigen...

Viele Grüße,
Michael Tilgner
« Letzte Änderung: 21.06.2010 um 14:23:00 von Michael Tilgner »
> Antwort auf Beitrag vom: 20.06.2010 um 22:44:38  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzungsübung: Der weise Imhotep (Teil 2) Korrektur_zu_einem_Wort.jpg - 27,39 KB
« Antwort #35, Datum: 21.06.2010 um 14:48:37 »   

Hallo, Leute,

bevor Ihr an dem folgenden Abschnitt völlig verzweifelt, füge ich die Erläuterung des Bearbeiters zu einem Wort an. "Emend." steht für Emendation "Verbesserung, Korrektur zu".

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 21.06.2010 um 11:44:01  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzungsübung: Der weise Imhotep (Teil 2) 
« Antwort #36, Datum: 25.06.2010 um 13:24:36 »   

Liebe Leute,

wegen der ungewöhnlichen Schreibungen und der Grammatik ist der Rest nicht ganz einfach.

Versteckten Text anzeigen...

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 21.06.2010 um 14:48:37  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzungsübung: Der weise Imhotep (Teil 2) 
« Antwort #37, Datum: 26.06.2010 um 16:05:03 »   

Hallo, Leute,

zunächst sind einige bibliographische Einzelheiten nachzutragen.

Der Textausschnitt stammt, wie der eine oder andere vielleicht schon vermutet hat, aus dem Papyrus Chester Beatty IV; der Titel der Publikation lautet: Alan H. Gardiner, Hieratic Papyri in the British Museum, Third Series: Chester Beatty Gift, Vol. I: Text, Vol. II: Plates, London, 1935. Der hier diskutierte Abschnitt ist auf der Rückseite des Papyrus zu finden (verso 3, 5-8 auf Tafel 19). Übersetzungen dieses Textes finden sich in vielen Anthologien. Eine Transkription und deutsche Übersetzung gibt es auch im Thesaurus Linguae Aegyptiae (TLA): pChester Beatty IV = pBM EA 10684, Verso.

Wer wissen will, wie so ein Text auf Hieratisch aussieht, hat dazu Gelegenheit auf der Webseite des Britischen Museums: Papyrus Chester Beatty 4.

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 25.06.2010 um 13:24:36  Gehe zu Beitrag
Michael Tilgner  maennlich
Member - Themenstarter

  

Re: Übersetzungsübung: Der weise Imhotep (Teil 2) Verhoeven_ZAeS_136_2009_S_92_low.jpg - 234,83 KB
« Antwort #38, Datum: 29.06.2010 um 22:10:10 »   

Liebe Leute,

der pChester Beatty ist von den Ägyptologen oft diskutiert worden. Wir können hier nicht im einzelnen darauf eingehen.

In einem anderen Zusammenhang wurde diese Stelle schon mal besprochen: Angebliches Ramses-Zitat

Neben Hellmut Brunner und anderen hat sich auch Jan Assmann mit diesem Passus beschäftigt:

Zitat:
Diese Achtheit, deren Namen der ägyptische Schüler bei der Gelegenheit auswendig lernen mußte, nennt vermutlich die Gründungsheroen der ägyptischen Literatur. Es wäre schön, wir könnten jeden einer bestimmten Gattung oder einem literarischen Typus zuordnen, aber das ist derzeit nicht möglich. Neferti steht für die politische Prophezeiung, die mit seinem Namen verbunden ist, Chacheperresenb für die Gattung der Klage, Cheti vermutlich für die Berufssatire; Djedefhor und Ptahhotep dagegen haben beide Lebenslehren geschrieben, und von den übrigen drei wissen wir nichts Näheres ... die Acht sind unsterblich, weil sie Vorbilder gesetzt haben, die man immer noch imitiert. (Jan Assmann, Gibt es eine "Klassik" in der ägyptischen Literaturgeschichte? Ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Ramessidenzeit, in: Wolfgang Röllig (Hrsg.), XXII. Deutscher Orientalistentag vom 21. bis 25. März 1983 in Tübingen. Ausgewählte Vorträge, Stuttgart, 1985, S. 35-52 [Zitat, S. 40])

Einen neuerlichen Versuch, die Gliederung zu verstehen, unternimmt Ursula Verhoeven, Von der "Loyalistischen Lehre" zur "Lehre des Kaïrsu", in: ZÄS, Bd. 136, S. 87-98 (2009) [der Artikel wurde bereits weiter oben erwähnt].

Zitat:
Stellt man die in den Werken dieser Personen teils selbst angegebene Lebenszeit des vorgeblichen Autors, die tatsächliche (bzw. derzeit angenommene) Datierung des Werkes und das Thema bzw. die Textsorte nebeneinander, ergibt sich folgende Übersicht, nach der meines Erachtens eher thematische Parallelen für die Kombination der Namen ausschlaggebend gewesen sein dürften: [siehe Anlage]
...
Es ergeben sich daraus (vorbehaltlich der unbekannten Schriften von Imhotep und Ptahemdjehuti) folgende Themen bzw. Problembereiche, die sich in den Werken der vier Autorenpaare gegenüberstehen:

Persönliche Lebensführung (Hordjedef)
versus
Königliche Amtsführung (Neferti und Cheti)

Gesellschaftliche Zustände (Chacheperreseneb)
versus
Gesellschaftliche Verpflichtung des Beamten (Ptahhotep und Kaïrsu).


Uns ging es eigentlich um Imhotep! Wir ersehen auch aus diesem Papyrus der Ramessidenzeit, daß er zu den hochgeachteten Weisen zählte, die mit ihren Lehren und Vorhersagen die altägyptischen Wertevorstellungen prägten - auch wenn wir nichts von seiner Lehre wissen!

Viele Grüße,
Michael Tilgner
> Antwort auf Beitrag vom: 26.06.2010 um 16:05:03  Gehe zu Beitrag
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