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   Jenseitsglaube & Totenkult (208)
   Ritualbrunnen und Grabdekoration (91)
  Autor/in  Thema: Ritualbrunnen und Grabdekoration
Nefer-Aton  weiblich
Member

  

Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Datum: 18.07.2004 um 18:00:03 »   

Hi!

Da ich mich ja immer noch mit dem Inneren der Pharaonengräber beschäftige, sind schon wieder zwei neue Fragen aufgetaucht!

1.
In vielen Beschreibungen und Darstellungen der Pharaonen-Gräber finde ich einen sogenannten "Ritualbrunnen". Welches war der Zweck dieser Brunnen - evtl. eine rituelle Bedeutung und wenn ja, wie hat man sich dieses vorzustellen? Eine rituelle Reinigung des Verstorbenen vor seiner Fahrt durch die Unterwelt? Oder kann es auch sein, dass diese Ritualbrunnen Bauwerke waren, die ihren Zweck nach architektonische Gründe besaßen?

2.
Nachdem ich mich dank Michael Tilgners Antwort nebst beigefügtem Tread "Solar baboons" bezüglich des Grabes Tutanchamuns ein wenig über die Bedeutung dieser "Affenwand" eingelesen habe (danke Michael)hier  würde ich gerne wissen,

      a)Wer über das Thema der jeweiligen Grabdekoration
        entscheidet, - also, ob aus dem Amduat oder aus
        den anderen Totenbüchern dekoriert wird, - also,
        welche Szenen genommen werden oder welche Farben?
        Macht das der Pharao selber oder irgend Priester?

      b)Haben die "Großen königlichen Gemahlinnen"
        irgendeinen Einfluss auf den Ort und das Thema
        der Grabdekoration ihrer "ewigen Ruhestätte"?

Irgendwie stellt sich hier für mich auch die Frage, warum der Pharao und seine Gr. königliche Gemahlin getrennt in zwei verschiedenen Gräbern an zwei verschiedenen Orten (also die Gemahlinnen im Ta set neferu und die Herrscher im Ta sekhet aat )ihre letzte Ruhestätte fanden.

So...leider waren dies nun schon drei Fragen! Sorry  
Aber desto mehr ich mich mit dem Jenseits- u. Totenglauben befasse, desto interessanter wird es.  

Gruss Nefer
manetho  maennlich
Member

  

Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #1, Datum: 18.07.2004 um 19:26:39 »   

Über die sog. Ritualbrunnen bzw. deren Funktion oder Aufgabe  gehen wohl die Meinungen noch auseinander
Einerseits gab es wohl die Theorie von der Funktion als Schutz vor eindringendes Wasser - eine Art Auffangbecken - bis hin zu einer Art Vorkehrung gegen Eindringlinge (Grabräuber. Wahrscheinlicher ist wohl eine Funktion im Ritus (daher die Bezeichnung Ritualbrunnen.
Möglicherweise - dies ist aber nur meine persönliche Meinung - könnte es symbolisieren, dass man über die Unterwelt hinweg muss auf dem Weg in die Gefilde der Seeligen, vergleichbar mit dem nach unten in die Verdammnis stürzen, wenn man die Wägung des Herzens nicht übersteht und zu der unten lauernden Amnit sinkt.
> Antwort auf Beitrag vom: 18.07.2004 um 18:00:03  Gehe zu Beitrag
monja  weiblich
Member

  

Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #2, Datum: 18.07.2004 um 19:26:51 »   

Moin, Moin Nefer,

im Buch – Tal der Könige: Die Ruhestätten der Pharaonen  von Erich Hornung (ISBN 3-7608-0519-1) wird ab Seite 49 auf mehreren Seiten ein Teil Deiner Fragen beantwortet. Meine mich erinnern zu können, daß Du dieses Buch besitzt.

Zum Beispiel steht dort, daß sich im Laufe der Zeit von Regierung zu Regierung die Größe der Königsgräber immer mehr zunimmt und oft sogar von hohen Beamten übertroffen wird, doch sei dies nur der äußere Eindruck. Entscheidend für Stellung eines Grabes sind vor allem seine Lage und der Art der Dekoration. Das Tal der Könige ist eigentlich nur den regierenden Königen vorbehalten. Auch Hatschepsut hat erst ihr erstes Grab außerhalb des Tales angelegt und erst nach der Thronbesteigung erhielt sie ihr neues Grab in diesem „besonders geheiligten Bezirk“.

Auch steht in diesem Buch teilweise etwas über die Dekorationen. Die Art der Dekoration und Texte hängt auch von der Stellung und Rang des Betroffenen ab.
Kurz ist dort zum Beispiel folgendes zu lesen:
„ Als Königin durfte Nefetari keine königlichen Totentexte benutzen, sondern wählte Entsprechungen aus dem Totenbuch, dessen Sprüche und Illustrationen für jedermann zum jenseitigen Gebrauch verfügbar waren, auch wenn in den Beamtengräbern jener Zeit viel benutzt.  ….. … Andere Motive im Grab der Königin sind direkt aus dem Bildprogramm der Königsgräber übernommen und heben sie damit über die Stufe der Beamten – und Prinzengräber weit hinaus. … „

Es gibt bestimmt noch ausführlichere Literatur dazu ….

Gruß Monja.
> Antwort auf Beitrag vom: 18.07.2004 um 18:00:03  Gehe zu Beitrag
Nefer-Aton  weiblich
Member - Themenstarter

  

Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #3, Datum: 18.07.2004 um 21:36:41 »   

Hi Monja!

Du hast recht, das Buch von Hornung "Tal der Könige" befindet sich in meinem Regal, aber es besitzt eine andere ISBN-Nr.: 3-89350-741-8. Hornung hat m.W. zwei Bücher mit diesem Titel geschrieben.Meines ist die erweitere Auflage des 1985 erschienenen Buches. Trotzdem habe ich jetzt den Text über Nefertari dort gefunden. Danke! Habe mich aber mit den Texten in dem Buch nie wirklich beschäftigt! - Die Bilder waren aber toll!  

Allerdings muß ich gestehen, dass in meinem Buch einige Seiten fehlen - da ich die Bilder vor 3 Jahren so toll fand, habe ich die entsprechende Seite herausgetrennt und ins Fotoalbum geklebt. - Ja, ich weiß - Dummheit wird bestraft! Aber konnte ich ahnen, dass ich hier mal auf so ein tolles Forum treffe und mich für den Jenseitsglauben der Ägypter und Totenbücher interessiere?  

Mit Einfluss auf den Ort meinte ich natürlich nicht das Ta sekhet aat - sondern die Frage war, ob die gr. königl. Gemahlinnen Einfluss darauf hatten an welcher Stelle des Tal der Könniginnen!! sie ihr Grab bauen konnten.

Also wenn du schreibst:


Zitat:
sondern wählte Entsprechungen aus dem Totenbuch, dessen Sprüche und Illustrationen für jedermann zum jenseitigen Gebrauch verfügbar waren,


heißt das jetzt, dass sie doch darüber entscheiden durfte, welche Texte und Dekorationen in ihrem Grab verwendet wurden?

@manetho: du meinst damit so eine Art "Fegefeuer" des christlichen Glaubens? - Wenn so eine Art Schutzeinrichtung gegen Grabräuber, dann stellt sich die Frage, ob diese Ritualbrunnen damals mit Wasser gefüllt waren oder sonstige "Fallenfunktion" hatten?

Ich kann mir aber auch eine religiöse rituelle Reinigung vorstellen, d. h. der Verstorbene mußte sich vor seiner Reise in das Reich des Osiris rituell reinigen, ähnlich der rituellen Reinigung im heiligen See. - Ist aber auch nur meine persönliche Meinung!

Grüsse
Nefer
> Antwort auf Beitrag vom: 18.07.2004 um 19:26:51  Gehe zu Beitrag
manetho  maennlich
Member

  

Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #4, Datum: 18.07.2004 um 23:23:14 »   

das mit dem "Fegefeuer", wie du es bezeichnest ist nur eine spekulative Möglichkeit von mir.

Ich glaube nicht, dass sie mit Wasser gefüllt waren. Ist unwahrscheinlich. In KV 6 (Ramses IX) ist der Ritualbrunnen bespielsweise dekoriert mit göttlichen Szenen. Dies hätte dann ja keinen Sinn, sondern deutet ja mehr auf eine rituelle Funktion hin.
In diesem Grab ist er die Verbindung zwischen drittem Korridor und Pfeilersaal, liegt also recht weit im Grab, womit auch die "Wasserauffangfunktion auch wieder unwahrscheinlich ist.
In meinen Augen ist der Ritualbrunnen aber eine Art Verbindungsglied, denn der davorliegenden Korridor ist nicht nur mit der Litanei des Re sondern vor allem mit dem Höhlenbuch und dem Amduat dekoriert, der danach liegende Pfeilersaal mit dem Buch des Tages und dem Buch der Nacht. Also gewissermassen wie eine Art Wegeplan aus den Untergründen der Unterwelt ist das neue Sein, immer mit der Warnung des Abstürzenkönnens.

Ich hoffe ich habe jetzt nicht zu sehr gesponnen - ist nur eine Spekulation. Aber vielleicht haben unsere Asse eine bessere Erklärung. Ansonsten habe ich nicht mal bei Arnold was gefunden oder bei Bonnet.
> Antwort auf Beitrag vom: 18.07.2004 um 21:36:41  Gehe zu Beitrag
monja  weiblich
Member

  

Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #5, Datum: 20.07.2004 um 05:35:14 »   

Moin, Moin Nefer,

nachdem ich die PM Historie von Oktober 2003 in meinem Regal entdeckte, habe ich dort noch einmal durchgeblättert und fand folgenden Artikel auf Seite 49 + 50 (hast Du die nicht auch?)


Zitat:
...
Der Brauch. Könige und Königinnen an unterschiedlichen Orten zu bestatten. kam nicht von ungefähr. Er hatte seinen Ursprung in der ägyptischen Staatsideologie: Der
Pharao und seine Gemahlinnen hatten im Leben unterschiedliche Funktionen und gingen auch nach dem Tod getrennte Wege: Der König galt als Vertreter des Reichsgottes Amun-Re auf Erden. Er war der Garant für das Fortbestehen der Weltordnung - sowohl im Diesseits als auch im Jenseits. Sein Grab wurde mit Texten aus den geheimen Jenseitsführern geschmückt, die ihm den Weg wiesen.
,Diese Jenseitsführer enthalten, ähnlich wie das allgemein zugängliche Totenbuch, magische Formeln, die nach der ägyptischen Mythologie notwendig sind, um ins Totenreich vorzudringen«, sagt Martina Ullmann vom Institut für Agyptologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. »Es gibt zwischen den Texten jedoch Unterschiede, die zeigen. dass den König nach dem Tod ein anderes Schicksal erwartet als Normalsterbliche: Im Jenseits wird er sich mit dem Sonnengott vereinigen. Er wird eins sein mit dem König der Götter und damit die Ordnung des Kosmos aufrechterhalten.«
Anders die Königin. Sie hatte nach dem Tode keine besondere Funktion. Dennoch war sie eine Kultfigur. Man verehrte sie bereits zu Lebzeiten als Mutter künftiger Könige, den Söhnen Amun-Res. Damit galt sie als irdisches Pendant zur Gottesmutter Hathor. Am Rande sei bemerkt: Nach der ägyptischen Geburtsmythologie waren die Königinnen Jungfrauen. Ihre Kinder wurden nicht von ihrem königlichen Gemahl, sondern von Amun-Re persönlich gezeugt - die Analogie zum biblischen Bericht über die Zeugung Jesu ist unübersehbar....


Hoffe hilft Dir etwas weiter.

Gruß Monja.
« Letzte Änderung: 20.07.2004 um 15:08:32 von monja »
> Antwort auf Beitrag vom: 18.07.2004 um 21:36:41  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #6, Datum: 20.07.2004 um 14:08:07 »     

Dazu liegt mir natürlich sofort folgende Frage auf der Zunge: welche Quelle liegen dem PM-Artikel zugrunde

Diese Aussage:


Zitat:
Am Rande sei bemerkt: Nach der ägyptischen Geburtsmythologie waren die Königinnen Jungfrauen. Ihre Kinder wurden nicht von ihrem königlichen Gemahl, sondern von Amun-Re persönlich gezeugt - die Analogie zum biblischen Bericht über die Zeugung Jesu ist unübersehbar....


ist mir schon wieder reichlich suspekt. Aber vielleicht sollte man einfach von einem Magazin nicht zuviel erwarten.

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 20.07.2004 um 05:35:14  Gehe zu Beitrag
monja  weiblich
Member

  

Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #7, Datum: 20.07.2004 um 15:03:03 »   

Moin, Moin Gitta,

der Satz "".........die Analogie zum biblischen Bericht über die Zeugung Jesu ist unübersehbar.... ""

kam mir auch sehr suspekt vor, habe ihn trotzdem mit abgescannt, wartete auf eine Reaktion dazu, was ja auch von Dir geschehen

Die PM ist halt keine Fachzeitschrift, da muß mal wohl gelegentlich Abstriche machen, das ist mir wohl bewußt

Es grüßt Monja.
> Antwort auf Beitrag vom: 20.07.2004 um 14:08:07  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #8, Datum: 20.07.2004 um 15:25:41 »     

Hi Monja,

Zitat:
Die PM ist halt keine Fachzeitschrift, da muß mal wohl gelegentlich Abstriche machen

Da hast Du natürlich Recht und wenn ich so zurückdenke: vor einigen Jahren, als ich anfing, mich für Ägypten ernsthaft zu interessieren, bin ich eher selten auf die Idee gekommen, Quellenhinterfragerei zu betreiben. Inzwischen hängen wohl die Alarmglocken in meinem Kopf um Einiges tiefer und schlagen schneller an

Gitta
« Letzte Änderung: 20.07.2004 um 15:26:12 von Gitta »
> Antwort auf Beitrag vom: 20.07.2004 um 15:03:03  Gehe zu Beitrag
Gitta  
Gast

  
Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #9, Datum: 20.07.2004 um 15:42:22 »     

PS: Die Sache mit der Jungfrau, also Königsmutter / Jungfrau / göttliche Zeugung ist m.E. absoluter Quatsch. Das wird nirgendwo erwähnt. Jungfräulichkeit war für die Ägypter überhaupt kein Thema. Und die göttliche Zeugung hatte, wie ich das einschätze, einen komplett anderen Hintergrund.

Gitta
> Antwort auf Beitrag vom: 20.07.2004 um 15:25:41  Gehe zu Beitrag
Nefer-Aton  weiblich
Member - Themenstarter

  

Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #10, Datum: 20.07.2004 um 17:55:28 »   

Hi Monja!

Danke für den abgescannten Artikel aus der PM Oktober 2003 -leider befinden sich mehrere meiner PM u. National Geogr. und Geo-Zeitschriften nicht bei mir in Niedersachsen, sondern in Gummersbach (ausgeliehen!).

Die Sache mit der göttlichen Zeugung (Geburtsmythos wie auch bei Hatschepsut und Amenophis III.)unterscheidet sich doch sehr zu der " biblischen Zeugung von Jesus Christus"!

Der Unterschied dazu erklärt sich nämlich darin, dass bei der göttlichen Zeugung des Jesu kein körperlicher Kontakt vonstatten ging, (bin leider nicht so firm in der christlichen Religion des NT   - wenn ich mich recht erinnere...)
Bei den diversen Geburts- und Zeugungslegenden fand der Akt der Zeugung real statt, indem der Gott, wie bei der Zeugung der Hatschepsut in der Gestalt des Thutmoses I. an das Bett der Königin Ahmose tritt und sie miteinander ein Kind zeugen.
Auch bei dem Geburtsmythos des Amenophis III., der die Westwand des Geburtsraumes im Luxor-Tempel in einem Reliefzyklus schmückt, wird die heilige Hochzeit Amuns mit der Königin beschrieben.
Das heißt also, ein Vergleich mit der jungfräulichen Zeugung im Neuen Testament ist wie auch Gitta hier schrieb, vollkommener Quatsch und nicht miteinander zu vergleichen!  

Bei Hatschepsut sollte der göttliche Geburtsmythos m. E. ihre Herrschaft über Ägypten legitimieren.

Aber eigentlich kommen wir hier schon wieder total vom Thema ab. Meine Frage bezog sich auf die Ritualbrunnen, den Einfluss óder das Bestimmungsrecht der gr. königlichen Gemahlinnen auf den Bestattungsort im Tal der Königinnen und auf die Wahl der Dekoration und zum Schluss eben die jetzt mehr oder weniger beantwortete Frage nach der getrennten Bestattung, obwohl der Grund mir eigentlich noch immer nicht recht plausibel ist.
Man kann ja auch trotz eines gemeinsamen Grabes getrennte Wege gehen oder als Gemahlin des Pharaos eine gewisse Rolle der Helferin im Jenseits spielen? - Ist nur ein Gedankenspiel von mir!

Grüsse Nefer
> Antwort auf Beitrag vom: 20.07.2004 um 15:03:03  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #11, Datum: 20.07.2004 um 18:30:19 »   


Zitat:
Bei Hatschepsut sollte der göttliche Geburtsmythos m. E. ihre Herrschaft über Ägypten legitimieren.


Hi nefer,

erhalten sind die Reste folgender Geburtsmythen: Hatschepsut (Deir el-Bahari), Amenhotep III (Luxor-Tempel), Reste von Ramses II (Ramessum), und  - nach Brunner - Reste eines 4. im Karnak-Tempel (der sich lt. Brunner aber auf die Geburt eines Gottes bezieht).

Der Hinweis auf das Legitimationsbedürfnis der Hatschepsut ist üblich, aber nichstdestoweniger eine "Hinein-Interpretation" - die auch nicht wahrer wird, in dem man sie immer wieder wiederholt.

Vielleicht kannst Du die Frage beantworten, welches Legitimationsbedürfnis denn Amenhotep III und Ramses II hatten?
Und wenn man denn eins findet (wie die Vergöttlichung beider Herrscher), wer sagt uns, dass bei Hatschepsut nicht die gleiche Motivation vorlag - die Vergöttlichung der Hatschepsut (als neugeborener Hathor).
Warum muss man immer die patriarchalische Sicht alter Ägyptologen nachbeten, die sich anscheinend keine Frau auf einem Herrscherthron vorstellen konnten - es sei denn als "hinterhältige Stiefmutter", "geführt" von einem Geliebten.

Viel Spass beim Knabbern.

Iufaa
« Letzte Änderung: 20.07.2004 um 18:32:00 von Iufaa »
> Antwort auf Beitrag vom: 20.07.2004 um 17:55:28  Gehe zu Beitrag
Nefer-Aton  weiblich
Member - Themenstarter

  

Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #12, Datum: 20.07.2004 um 21:22:03 »   

Hi Iufaa!

Den Geburtsmythos von Ramses II. im Ramesseum kenne ich nicht - nur die Darstellung eines Ritus im Ramessum (Zeichnung von Lepsius), wo Ramses die Atef-Krone trägt und vor dem Perseabaum sitzt. Hinter ihm steht Atum und vor ihm Seschat und Thot, die den Namen von Ramses II. auf die Blätter eines ished-Baumes schreiben.
Die gleiche Szene ist im übrigen im Allerheiligsten zu sehen,nur zum Unterschied dazu mit Amenophis III.

Aber sicher gibt es auch einen Geburtsmythos Ramses II.,habe nur darüber keine Literatur und T.G.H. James schreibt darüber nichts.

Bei Hatschepsut - dies ist aber nur meine persönliche Meinung und auch nur rein hypothetisch, als Überlegung - hat die Motivation vielleicht nicht in ihrer Funktion als weiblicher Pharao - was ja im pharaonischen Ägypten nicht sonderlich oft vorkam, da die trad. Rolle des Pharaos nun mal männlicher Natur war, (ich bin nun ganz bestimmt kein Verfechter der vorherrschenden  Rolle des Mannes als Auserwählter Gottes!!!  :veraergert - gelegen, sondern, weil sie die Priester für ihre Sache gewinnen mußte.

Immerhin war sie am Anfang die Regentin, stellvertr. für den legit. unmündigen Nachfolger und erklärte sich dann für den schon bei ihrer Geburt von den Göttern ausersehenen Pharao und behauptete dazu, schon von ihrem leibl. Vater Tuthmosis I. eingesetzt worden zu sein. (Quelle v. Beckerath, Chronologie S. 121)
Da diese nicht nachweisb. Aussage von Tuthmosis I. vielleicht für die Priester nicht reichte, um die Unterstützung zu erhalten,hat man die Geburtslegende durch die Götter nachgereicht.
Das soll bedeuten, die Geburtslegende legitimiert nicht so sehr ihren Status als weiblicher Pharao, sondern die "Machtergreifung" anstelle des unmündigen eigentlichen Thronfolgers Tuthmosis III. an sich. - Wie gesagt, das ist m. eigener spekulativer Erklärungsversuch für Hatschepsut.
Außerdem war Hatschepsut für mich "keine" machthungrige, "böse" Stiefmutter! - Ich finde die Frau einfach toll!!!

Aber Iufaa: Ich muss dir doch nichts über Hatschepsut erzählen.   Das habe ich ja sogar auf meiner noch in Arbeit stehenden HP zur Erweiterung mit einem Link erledigt!
Der "Experte" hier im Forum zu Maatkare bist nunmal du!  

Die Motivation von Amenophis und Ramses II. und wer auch immer sich noch mit einer sogen. Geburtslegende verewigte ist wohl unbekannt - vielleicht war es der Wunsch, wie auch immer, den göttlichen Auftrag und die fortwährende Verschmelzung des Pharaos mit den Göttern - sozusagen als göttlicher Stellvertreter auf Erden, zu betonen; der Auftrag der Götter an den gekrönten Pharao, über das Land zu herrschen.
- Auch ich weiß es auch nicht so genau!

Wie gesagt, das war ja auch gar nicht das Thema dieses Treats! Eigentlich wollte ich etwas über Ritualbrunnen und Grabdekoration wissen.  

Schöne Grüsse
Nefer
> Antwort auf Beitrag vom: 20.07.2004 um 18:30:19  Gehe zu Beitrag
Iufaa  maennlich
Moderator

  

Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #13, Datum: 20.07.2004 um 21:32:09 »   

H Nefer,

Zitat:
Bei Hatschepsut sollte der göttliche Geburtsmythos m. E. ihre Herrschaft über Ägypten legitimieren.
dann mach doch das bitte als Deine persönlich, durch nichts belegte Meinung deutlich, oder zitiere, von wem Du das hast. Ansonsten steht der Satz ohne Relativierung in Deinem Text, als wäre er eine anerkannte Säule im wissenschaftlichen Denken.

Und egal, was Du vermutest, es ergibt sich zwangsläufig die Notwendigkeit, den Geburtszyklus von A. III (der ist ja vergleichbar komplett) zu erklären - und zwar erstmal mit dem gleichen Denkansatz. Wenn man eine Hyptothese aufstellt, dann sollte sie für möglichst alle weiteren Fälle gelten, sonst ist sie als Hypothese nicht haltbar. Also steht Dein Denkansatz für A. III noch aus.

Iufaa
« Letzte Änderung: 20.07.2004 um 21:33:38 von Iufaa »
> Antwort auf Beitrag vom: 20.07.2004 um 21:22:03  Gehe zu Beitrag
Nefer-Aton  weiblich
Member - Themenstarter

  

Re: Ritualbrunnen und Grabdekoration 
« Antwort #14, Datum: 21.07.2004 um 00:10:59 »   

Hi Iufaa!

Eigentlich habe ich gar keine Zeit dazu - aber da ich nun mal schon so tief in diesem Thema stecke - dank dir! - will ich mal versuchen meinen Denkansatz für Amenophis III. hier niederzulegen..Und das alles nur wegen einemetwas unüberlegt hingeschriebenen, aus der GEO Juli 2002 aus dem Konsens herausgelesenen Satz!   Das ist ja wie in der Schule - bei mir wird immer besonders streng zensiert!  

Der nachfolgende Denkansatz gibt nur meine persönliche
Meinung wieder, basierend auf die Erkenntnisse und Darlegungen von folgenden, mir zur Verfügung stehenden Werken: (Quelle)

         1)Tagebuch eines Pharaos von Joan Fletscher
         2)Theben - heilige Stadt der Pharaonen v. Sergio
           Donadoni - Hirmer Verlag
Die sogenannte Geburtshalle Amenophis III. wurde kurz vor dem 1. Sedfest des Pharaos (30. Jahrestag seiner Krönung) fertiggestellt. Dieses Fest wurde ursprünglich von der Pharaonin Hatschepsut gestiftet, wie auch die kleine Opetkapelle, um die herum Amenophis III. seinen Tempel bauen ließ. Das "Allerheiligste" war somit lt. neuester Untersuchungen der Ausgangspunkt der weiteren Bauten.

Hier im sogen. Geburtsraum ist an der Westwand ein Reliefzyklus der göttlichen Geburt des Königs dargestellt, wie schon in einem meiner vorherigen Posts dargelegt. Hier zeugt der Gott mit der Königin Ägyptens einen "himmlischen Herrscher."
Dazu steht bei Donadoni:
       
Zitat:
Die Wandbilder dieses sogenannten
        Geburtsraumes kopierten Szenen aus dem
        Totentempel der Hatschepsut in Deir el Bahari.

Donadoni legt weiter dar, dass aber entgegen der heiligen Hochzeit der Hat in Deir el Bahari, wo diese Szenen in einem offenen Säulengang jedem Besucher offen waren, der Reliefzyklus der Zeugung des Amenophis in geheimen Räumen, zu sehen war, wo dieses Ritus nur der König selbst bei jedem Opetfest zelebriert wird.
Da stellt sich mir die Überlegung, ob man daraus nicht herleiten kann, das der Grund für diese Darstellung bei Amenophis III. ein anderer ist, während vielleicht die "offene" Darstellung im Totentempel der Hat in Deir el Bahari als Rechtfertigung für die Öffentlichkeit oder die Priester sein soll?


Beim Opetfest erneute der Pharao seine göttl. Kraft durch den Kontakt mit dem Gott Amun. Im Allerheiligsten fand dann die nochmalige rituelle Vereinigung des Gottes mit Mutemwia, der Mutter A. III., statt, damit von dieser dann erneut die königl. Lebenskraft KA geboren werden konnte, mit der der Pharao seine Kräfte beim Opetfest erneuerte.

Danach betritt der Pharao selber das Heiligtum und verschmilzt in einem geheiligten Ritus erneut mit dem nun abermals neugeborenen KA und erschien wieder mit göttlicher Kraft, als Sohn des Amun-Re.
Soweit zu der Zeremonie der Erneuerung. - Der Geburtsmythos war also meiner persönlichen Meinung nach - das schließe ich aus den Fakten, die ich hier dargelegt habe - notwendig, um erstmalig den Kern der göttliche Abstammung Amenophis III. zu beweisen, denn ohne diese hätte eine Erneuerung der göttlichen Kraft ja keinen Sinn!

Anders als bei meiner Darlegung zur Geburtslegende Hatschepsuts resultiert diese, meiner persönlichen Meinung nach, in der Begründung für die Erneuerung des KA, denn es besteht wohl für die Legitimation von Amenophis Regierung über Ägypten kein Zweifel. Er war lt. anerkannter Meinung der Forscher, der rechtmäßige Thronfolger und es bestand meiner Meinung nach kein Grund, dieses durch eine Geburtslegende zu legitimieren. Vielleicht liegt die Begründung der Geburtslegende der Hat aber auch in der Verschmelzung mit dem Gott?

Der Bau des Allerheiligsten und somit des Geburtsraumes geschah zu einem Zeitpunkt, wo Amenophis sein 1. Sedfest feierte und unserer Erkenntnis nach - siehe obige Quellen - schon verdeutlich wird, anhand der gefundenen Statuen von ihm - siehe Cachette (Amenophis in der Gestalt eines göttlichen Kultbildes) - schon zu einem "lebendigen" Gott geworden war, was dann seine göttliche Geburt noch unterstreichen sollte?

Ich wage mal einfach zu behaupten, inspiriert von der Meinung Sergio Donadonis und auch Joan Fletschers in ihren obigen Werken - dass
          Amenophis III. die Werke seiner "Vorgängerin"  
          Hatschepsut bewunderte (immerhin vollendete er
          ihren Plan, die Tempel Luxor u. Karnak mitein-
          ander durch einen Pozessionsweg zu verbinden und
          er híelt auch an dem von ihr gestifteten Opetfest
          fest)(Quelle: Tagebuch eines Pharaos, S. 139..
         
         
Zitat:
...auch ließ er sich von den Szenen ihrer
           göttlichen Geburt inspirieren.


Auf gut Deutsch und um mal die Sache auf den Punkt zu bringen, .....er hat lt. Meinung der beiden mir vorliegenden Autoren "mehr oder weniger" abgecovert!
Auch wenn der Grund für die Darstellung evtl. ein anderer gewesen sein mag - aber es ist ja auch nicht ausgeschlossen, das auch Hatschepsut einen anderen Grund für ihren Geburtszyklus hatte, so wie Iufaa oben schon schrieb?

Hoffentlich habe ich mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt mit meiner Hypothese - aber diese Schlussfolgerung ist meine eigene Meinung!

So Iufaa - das muss jetzt reichen!

Nefer



« Letzte Änderung: 22.07.2004 um 00:49:13 von Nefer-Aton »
> Antwort auf Beitrag vom: 20.07.2004 um 21:32:09  Gehe zu Beitrag
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